Jetzt geht es los

Sanierungsarbeiten an der Dorfkirche Gadow / Viel Licht durch neues Fenster

UTA KÖHN

GADOW Die Sanierungsarbeiten in der Gadower Dorfkirche stehen unmittelbar bevor. Das Gerüst steht, und die ersten Handwerker klettern bereits darauf herum. Bevor es richtig am ersten von sieben Teilabschnitten losgeht, wurde schon mal ein Teil des Daches abgedeckt und zwar über der Empore und am Treppenaufgang, der Turm und Kirchenschiff miteinander verbindet. Das ist notwendig, damit der Holzschutzfachmann die alten Balken einer genaueren Prüfung unterziehen kann. Was ist brauchbar, was muss weg? Erst wenn das klar ist, kann das neue Holz bestellt werden.

Ein paar kleine Reparaturen am Gemäuer werden ebenfalls gleich erledigt, damit die Bauleute sich einigermaßen sicher auf der verhältnismäßig großen Dorfkirche bewegen können.

Besonders glücklich ist Renate Schüler vom Förderverein Dorfkirche Gadow darüber, dass am Montag das erste neue große Fenster an der Straßenseite eingesetzt werden konnte. Wie bei der St.-Marien-Kirche in Wittstock haben auch hier viele Gadower und Gönner der Kirche Patenschaften für Glasscheiben übernommen. Eine Patenschaft für eine Bleiglasscheibe kostet vier Euro. Ein Fenster besteht aus 600 kleinen Scheiben, insgesamt hat die Kirche zehn Fenster.

Neu ist die Rautenform wobei das Wörtchen "neu" den Kern nicht ganz trifft. Denn bis zum 1. Mai des Jahres 1945 gab es diese Form der Scheiben ebenfalls. An diesem Tag gab es auf dem Gelände des heutigen Truppenübungsplatzes noch ein Gefecht. Und es ging im Dorf eine Bombe runter. "Die Druckwelle hat die Scheiben der Kirche eingedrückt", sagt Renate Schüler. 1952 hatte es die Dorfgemeinschaft noch mal erreicht, dass die Fenster erneuert wurden, diesmal aber nicht mehr im aufwändigen Rautenmuster, sondern die Scheiben waren quadratisch.

Für das neue Fenster wurde jede Glasscheibe per Hand zugeschnitten, berichtet Marko Kissmann von der Pritzwalker Glaserei Musold, die den Auftrag bekommen hat. Die Scheiben für die blaue Rosette im oberen Teil des Fensters wurden sogar erst vor Ort zugeschnitten, nachdem die Glaser eine Schablone angefertigt hatten. Noch sind nicht alle kleinen Fensterscheiben bezahlt. Auf dem großen Schaubild ist gut erkennbar, dass das Geld für den linken oberen Teil noch fehlt. Aber Renate Schüler ist guter Dinge, dass in ein paar Tagen das restliche Geld zusammen kommt, denn am Sonntag, 14. Oktober, um 15 Uhr ist in Gadow "Theater in der Kirche". Dieses Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg präsentiert wird, ist in diesem Jahr mit "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller auf Tour. Und natürlich hoffen die Gadower auf viele Zuschauer, die auch schon ab 14 Uhr zum Kaffeetrinken eingeladen sind, und die trotz oder gerade wegen der Sanierungsarbeiten nach Gadow kommen. Der Eintritt für die Theateraufführung ist frei, es wird jedoch um eine Spende für die Schauspieler und für die Sanierungsarbeiten gebeten.

2004 begannen die Gadower, die in jenem Jahr auch den Förderverein gegründet hatten, mit den Aufräumarbeiten in ihrer Kirche. Der Staub und Schmutz von Jahrzehnten musste entfernt werden.

Mit Besen und Handfegern ist den Schäden am Dach der Kirche jedoch nicht beizukommen. Auch das Mauerwerk ist stark angegriffen. Eine umfangreiche Sanierung ist deshalb notwendig. Die Kosten für den ersten Abschnitt belaufen sich auf 60 000 Euro. Die neuen Fenster werden von diesem Geld nicht bezahlt. Dafür ist im Dorf gesammelt worden.

Märkische Allgemeine vom 10. Oktober 2007

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