Die Kirchenretter von Glienicke

Schinkelpreis 2007 geht an Förderverein / Das ganze Dorf feierte

NEURUPPIN Dass sie sich jetzt Schinkelpreisträger nennen dürfen, war bei den Mitgliedern des Fördervereins Dorfkirche Glienicke noch gar nicht richtig angekommen, als sie am Sonnabend in der überfüllten Neuruppiner Siechenhauskapelle den Preis entgegennahmen. "Wir sind völlig überrascht", sagte Ingrid Blüschke. Sie ist die Chefin des Vereins, der für den Kampf um die Sanierung der Schinkelkirche von 1819 ausgezeichnet wurde.

In dem 100-Seelen-Ort Glienicke widme sich "eine ganze Dorfgemeinschaft mit Hingabe dem kulturellen und historischen Erbe", sagte Egmont Hamelow, stellvertretender Landrat des Kreises, in seiner Laudatio. Zudem habe der Förderverein "die vielfältige Nutzung des Bauwerkes bereits praktiziert". So sei die Schinkelkirche wieder "zu einem echten Gemeindezentrum in Glienicke geworden".

Für den Schinkelpreis 2007 wurden drei Institutionen vorgeschlagen. Einstimmig entschied sich die Jury für die Förderer der Dorfkirche. "Sie haben allein durch Spenden und eigene Arbeit die Kirche vor dem endgültigen Verfall bewahrt", begründete Peter Möbius, der Vorsitzende der Schinkelgesellschaft, die Entscheidung.

Der so gelobte Idealismus des Vereins ist seit der Gründung 2004 indes arg strapaziert worden. Seit drei Jahren warten die Mitglieder auf Fördermittel. Der entsprechende Antrag liegt zwar seit 2004 beim Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung (einst Landesamt für Flurneuordnung und ländliche Entwicklung). Bewilligt ist die Fördermaßnahme aber noch immer nicht. Eigenmittel für die Sanierung stehen indes seit langem bereit. Auch die Denkmalschutzbehörden des Landes und des Kreises sowie die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin würden das Projekt sofort unterstützen.

Die Schinkelgesellschaft vergibt den mit 1000 Euro dotierten Schinkelpreis jährlich, mit Ausnahme der Jahre, in denen die Stadt Neuruppin einen Schinkelpreis stiftet (alle fünf Jahre). Die diesjährige Preisverleihung war Höhepunkt des 16. Schinkeltages, der mit einer Ehrung am Denkmal des Baumeisters begann.

Am Abend kam dann das ganze Dorf zusammen, um aus Anlass der Preisverleihung eine Party zu feiern. Mit Schubkarren und Handwagen wurden Feuerschalen und das dafür notwendige Holz, eine Musikanlage, Blumen, Grillfleisch und Getränke auf den Platz vor der Dorfkirche gebracht. Ingrid Blüschke hatte auch die Medaille und die Urkunde mitgebracht, damit sich die Glienicker anschauen konnten, was ihnen da verliehen worden war.

Das Preisgeld hilft, dem Ziel der Sanierung des kleinen Gotteshauses ein Stück näher zu kommen, sagte Ingrid Blüschke. In den 70er Jahren war die Kirche bereits gesperrt worden. 1977 bekam sie ein Notdach, nachdem der marode Schieferturm abgetragen worden war. "Das derzeitige Dach ist wirklich nur ein Notbehelf", so die Vorsitzende. Die Pläne für die Sanierung und das neue Dach mit Turm sind längst fertig. Im Schaukasten an der Kirche sind sie ausgestellt. Der Turm soll mit Holzschindeln gedeckt werden, das Dach mit Biberschwänzen. jf/kö

Märkische Allgemeine vom 08. Oktober 2007

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