Die Kirche zurück ins Dorf geholt

Zwei Roddahnerinnen halten Engagement für eine Selbstverständlichkeit

ALEXANDER BECKMANN

RODDAHN Wer die Roddahner Kirche (Dorfkirche des Monats November 2004) besichtigen möchte – um beispielsweise die momentan dort ausgestellte Kunst zu sehen, wird regelmäßig an zwei Kontaktpersonen verwiesen: an Sigrid Methner und Elisabeth Seyfferth. Die beiden Frauen haben die Schlüsselgewalt über das Gotteshaus. Und das aus gutem Grunde.

Die kleine Fachwerkkirche schmückt das Dorf. Doch das ist noch gar nicht lange so. Ende der 90er-Jahre stand das 200 Jahre alte Haus vor dem Verfall. Sigrid Methner (72) und Elisabeth Seyfferth (43) gehörten damals zum Kreis der gerade aus der Großstadt zugezogenen Roddahner. Eine Handvoll von ihnen und auch einige Alteingesessene wollten das absehbare Ende der Kirche nicht einfach hinnehmen. Man traf sich, trug zusammen, was man zu bieten hatte. Elisabeth Seyfferth beispielsweise verdient ihr Geld in der Baubranche. Sigrid Methner gesteht: "Ich hab nur geschimpft auf die nachlässige Landbevölkerung, die so was vergammeln lässt."

Auch die harschen Töne zeigten offenbar Wirkung. Die Roddahner Kirchenfreunde – seit Anfang 2002 im Arbeitskreis Offene Kirche Roddahn organisiert – fanden jedenfalls Unterstützung. Mit Hilfe des damaligen Neustädter Amtsdirektor Edmund Bublitz gelang es, Fördertöpfe anzuzapfen.

"Das war ein Mordsgremium, das da ankam", erinnert sich Elisabeth Seyfferth an den Besuch der Vergabekommission. "Und dann unser kleines Kirchlein!" Dass es dafür wirklich Geld gab, hatte ihrer Meinung nach vor allem einen Grund: "Hier waren Leute, die sich eingesetzt haben, dass das Haus hinterher nicht einfach leer steht." Denn darum sei es dem kleinen Verein von Anfang an gegangen: Das einstige Zentrum des Dorfes wieder zu einem zu machen. Dafür gab’s 2002 sogar einen Förderpreis – wahrscheinlich für eine der kleinsten Initiativen überhaupt. "Als wir den Preis in Chorin abgeholt haben, sind wir alle mit einem einzigen Auto gefahren", erzählt Sigrid Methner.

Viel größer ist der Arbeitskreis Offene Kirche bis heute nicht – dabei waren die Hürden auf seinem Weg ziemlich hoch. Elisabeth Seyfferth berichtet: "Nach der Außensanierung war erst mal eine Lücke. Wir wussten gar nicht, wie wir mit dem Innenraum weitermachen sollten." Wieder lieferte Edmund Bublitz einen Lösungsansatz: Arbeitslose Jugendliche sollten in der Kirche mit Hilfe vom Arbeitsamt ein halbes Jahr lang den Lehmbau erlernen, das Fachgebiet von Elisabeth Seyfferth. "Erst waren wir ja skeptisch." Hinzu kamen die Anforderungen des Denkmalschutzes. Ohne die Mitstreiter aus Roddahn und Umgebung hätte das nie geklappt, betont Elisabeth Seyfferth, die damals, 2004, ehrenamtlich die Bauleitung übernahm. "Das war eine anstrengende Zeit." Sigrid Methner ergänzt: "Da bist du auch immer weniger geworden."

Bis heute macht der Verein Stück für Stück weiter. "Immer, wenn wir was an Spendengeld übrig haben, wird was fertig. Wir wollen da keinen Zeitdruck. Wenn es Stress wäre, würde ich irgendwann das Handtuch schmeißen."

Veranstaltungsort ist das Gotteshaus längst wieder – für Theatergastspiele, ab und an für die örtliche Schule und für die Werke der inzwischen recht bunten Künstlerschar aus der Umgebung. "Die hätten sonst ja gar keinen Platz", findet Sigrid Methner. Für Elisabeth Seyfferth steht fest: "Da gibt’s genug Ideen."

Und immer genug Arbeit. Pfusch am Bau lässt den Sockel der Kirche bröckeln, Wasser tropft vom Dach. Elisabeth Seyfferth sorgt als Neustädter Stadtverordnete dafür, dass das bei der Verwaltung nicht unbemerkt bleibt. Wie ihre fast 30 Jahre ältere Freundin hat sie dabei wenig Sinn für falsche Bescheidenheit: "Wir sind die, die den Laden zusammenhalten." Und im gleichen Atemzug: "Ohne die Leute hier in Roddahn sähe die Kirche heute anders aus."

Märkische Allgemeine vom 14. September 2007

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