Sensation aus Kirchenakten

Das Instrument auf der Empore in der Passower Dorfkirche baute der berühmte Joachim Wagner in den Jahren 1744/45 
Spielt schon lange nicht mehr: Das Instrument auf der Empore in der Passower Dorfkirche baute der berühmte Joachim Wagner in den Jahren 1744/45. Kirchenälteste Maria Schnell führt jetzt regelmäßig Historiker hinauf.

Passow. Historiker sprechen von einer Sensation: Die Uckermark ist um eine Wagner-Orgel reicher. Das wertvolle Instrument steht in der Passower Kirche. Niemand wusste bisher um dessen Bedeutung. Gelüftet hat das Geheimnis ein alter Passower, der in den Akten kramte.

Rund 20 Jahre lang rätselten Kirchenmitglieder, Pfarrer und Geschichtsforscher um die Herkunft der alten Barockorgel. Nirgendwo gab es einen Hinweis auf ihren Erbauer. Jetzt steht eindeutig fest: Es ist eine Orgel des berühmten Joachim Wagner. Den entscheidenden Hinweis lieferte Friedrich-Karl Baas. Der gebürtige Passower lebt heute in Immenhausen, war dort viele Jahre Direktor eines Glasmuseums, und hat sein Heimatdorf nie aus den Augen verloren.

Mit seiner Forschernase spürte Baas, den heute noch viele Passower aus ihrer Jugendzeit kennen, uralte Kirchenakten auf. Dabei stellte er fest, dass die Orgel in den Jahren 1744/45 für genau 296 Taler und einen Groschen erbaut wurde. Und zwar nicht wie angenommen von Peter Migendt, einem bekannten Schüler Joachim Wagners, sondern vom Meister höchstpersönlich. "Ein ganz ganz wichtiger Fund", freut sich Wolf Bergelt. Der Berliner Orgelhistoriker arbeitet an einem 15-bändigen Gesamtkatalog über sämtliche Orgeln im Land Brandenburg. Der im Herbst erscheinende Teil zur Ostuckermark konnte noch rechtzeitig verändert werden. "Wir haben unsere Wagner-Liste um eine Orgel erweitert", so Bergelt.

Märkische Oderzeitung vom 10. August 2007

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