Gotteshaus saugt sich voll

Beelitzer Stadtpfarrkirche soll ausgegraben und trockengelegt werden

ANDREAS KAATZ

BEELITZ Wie ein Schwamm saugen sich seit Jahrzehnten die dicken Wände der Beelitzer Stadtpfarrkirche St. Marien-St. Nikolai voll. Jahr für Jahr verschlechtert sich dadurch der bauliche Zustand des Beelitzer Wahrzeichens, das seit der Wende so manche Sanierungsaktion hinter sich hat. Beispielsweise wurde 1999 schon der Glockenturm vom Schwamm befreit.

Wenn die Beelitzer auch in Zukunft noch etwas von ihrer Kirche haben wollen, muss schnellstens etwas getan werden, mahnt Pfarrer Olaf Prelwitz. Und er weiß auch schon was. Laut einer Expertise des Ingenieurbüros I.B.S. Seemann & Siemoneit müsse die Kirche rundherum zwei Meter tief aufgegraben werden, damit die Wände mehrere Jahre lang trocknen können. Denn laut Prelwitz gebe es neben dem hohen Grundwasserstand weitere Gründe für die desolate Situation, in deren Folge die Feuchtigkeit schon etwa 2,50 Meter hoch gestiegen sei. So liege der Kirchplatz höher als in früheren Zeiten. Die Folge: Schichtenwasser drückt nicht nur gegen das Fundament, sondern auch gegen das Mauerwerk darüber. Zudem entstehe laut Prelwitz der Eindruck, dass bei der Sanierung des Kirchplatzes in den 90er Jahren Fehler gemacht worden sein könnten etwa bei der Richtung des Gefälles. Laufe doch Wasser direkt in die Kirche.

Wie der Pfarrer sagt, müssten nunmehr die Wände in einem ersten Bauabschnitt bis zum Fundament freigelegt und außerdem der Putz im Inneren abgeschlagen werden. Die Kosten werden mit rund 70 000 Euro angegeben ohne die eventuelle archäologische Begleitung. Dass der Finanzierungsplan noch nicht 100-prozentig steht, stört den Pfarrer derzeit nicht so sehr, viel wichtiger wäre für ihn die Zustimmung der Stadt, "um den Kirchplatz aufschachten zu dürfen". Nach erfolgten Sondierungsgesprächen mit dem Bauamt würde er sich nun wünschen, dass bald das "Ja" vorliegt. Denn dann könnte es umgehend losgehen.

Die Feuchtigkeit sorgte in der Vergangenheit auch immer wieder für Schwammbefall. Um die Bausubstanz langfristig erhalten zu können, hatten neun Gründungsmitglieder im Mai im zweiten Anlauf den "Förderverein Stadtpfarrkirche Beelitz e.V." aus der Taufe gehoben, der sich als parteipolitisch und konfessionell unabhängig versteht.

Die Fraktion Unabhängiges Kommunalbündnis (UKB) stellte nun in der Stadtverordnetenversammlung den Antrag, dass die Stadt im Verein Mitglied werden sollte. Tilo Köhn (UKB) begründete dies damit, dass die Kirche prägend für die Stadt und zudem das älteste Bauwerk sei. "Sie ist ein zentraler touristischer Anziehungspunkt."

Doch es gab auch gegenteilige Meinungen. So befürchtet Jutta Bellin (CDU), dass dadurch die Kirchen in den anderen Ortsteilen ins Hintertreffen geraten könnten. Karlheinz Mathies (SPD) wies ebenso wie Gerhard Thiele darauf hin, dass der von UKB vorgeschlagene Umfang der Unterstützung für den Verein zu hoch wäre. Soll doch die Stadtverwaltung u.a. Hilfe bei der Beantragung von Fördermitteln geben und bei der Dokumentation des baulichen Zustandes mitwirken. Und Bürgermeister Thomas Wardin (SPD) sieht ein Gleichbehandlungsproblem, schließlich hätten u.a. die Bürger von Wittbrietzen oder Salzbrunn in Eigeninitiative ihre Kirchen auf Vordermann gebracht. Aber die Verwaltung kümmere sich auch sonst um die Stadtpfarrkirche, die ihm selbst besonders am Herzen liege, so Wardin. Er hält eine Mitgliedschaft im Verein aber auch deshalb für nicht gut, da die Stadt im Zuge der Kirchplatzerneuerung eventuell die Schäden an der Kirche mitverursacht hat.

Köhn betonte, dass der Antrag sich keinesfalls gegen die anderen Gotteshäuser richte. Aber bei der Stadtpfarrkirche handle es sich nun mal um die größte, die auch die meisten Gelder in Anspruch nehmen werde. "Vom Umfang und Aufwand her ist es gigantisch." Trotzdem konnte er mit dem Vorschlag mitgehen, den UKB-Antrag erst in den Ausschüssen zu beraten.

Märkische Allgemeine vom 12. Juli 2007

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