Kronleuchter erhellen das Osterfrühstück

Dankbar für die Errungenschaften 
Dankbar für die Errungenschaften: Christian und Ursula Meister schauen von der Empore auf den neuen Fußboden, die neuen Stühle und die neuen Kronleuchter im Biesdorfer Gotteshaus hinunter.
Foto: GMD/Hannelore Siebenhaar

Biesdorf (sk/MOZ) Gerade noch rechtzeitig vor den Feiertagen sind in der Biesdorfer Kirche der Fußboden, das Gestühl und die Beleuchtung erneuert worden. Hinter allen Helfern der vom Förderverein für das Gotteshaus initiierten Aktion liegt eine Schinderei, die sich aber gelohnt haben dürfte.

"Was wir mit Unterstützung vieler Biesdorfer und anderswo Wohnender in den vergangenen fünf Jahren geschafft haben, ist beinahe ein kleines Wunder", sagt Ursula Meister, die den Verein "Kirche und Dorf" leitet und mit ihrem Urteil sogar ein wenig untertreibt. Denn als die Vorsitzende und ihre aktuell gut 30 Mitstreiter anfingen, sich für das im Jahr 1672 zum ersten Mal erwähnte Gebäude einzusetzen, ging es darum, dessen Einsturz zu verhindern. Wer die Kirche heute besichtigt, dem wird es schwer fallen, sich die einstigen Nöte vorzustellen. Schließlich haben es die Förderer geschafft, seit 2005 den Dachstuhl, das Dach und die Zwischendecke erneuern zu lassen und damit das Gotteshaus endgültig für die Nachwelt zu erhalten. Alles in allem sind etwa 200 000 Euro investiert worden. Das Geld kam von der Landeskirche, von der Gemeinde und zwei Stiftungen.

Doch ohne den Einsatz der Biesdorfer selbst wären die Sanierungsarbeiten längst nicht so weit fortgeschritten. In der Karwoche war der Fußboden an der Reihe. Der bestand seit den siebziger Jahren bloß noch aus Beton, der so unansehnlich war, dass er im starken Kontrast zum Rest der Kirche stand. Und der sich auch nur äußerst mühevoll und unter Zurhilfenahme eines Schlagbohrers entfernen ließ. "Obwohl wir uns diese Arbeit noch viel schlimmer vorgestellt hatten", gibt Christian Meister zu. Zum Glück jedoch habe sich gezeigt, dass der Beton nur acht Zentimeter dünn gewesen sei. "Auch die Belastung durch Staub und Lärm hielt sich in Grenzen", sagt der Biesdorfer, der sich trotzdem nicht wünscht, noch einmal in seinem Leben so hart schuften zu müssen.

Um die alten Unebenheiten zu beseitigen, wurde der Untergrund begradigt. Dazu war es unter anderem erforderlich, Erdreich auszuheben. Im Ergebnis liegt der neue Boden, für den elfeinhalb Paletten hartgebrannter Ziegelsteine verlegt wurden, etwa acht Zentimeter tiefer als sein graukalter Vorgänger.

"Die neuen Steine strahlen Wärme aus", findet Ursula Meister. Das sei den Farben zu verdanken. Rotbraun und geflammt erwecken sie den Eindruck, als gehörten sie schon immer zum Inventar der Biesdorfer Kirche. Unter den Helfern, die sich beim Verlegen verausgabten, waren vor allem Matthias Tamme, Olaf Schmidt, Peter Hoppenheit, Karl Schröder, Christfried Wambeck und Frank Bleck unermüdlich.

Kaum hatten die Biesdorfer diesen Kraftakt hinter sich, ging es mit der Bestuhlung weiter. Was bislang das Gotteshaus füllte, hätte jeder x-beliebigen Rumpelkammer entnommen sein können. Erst am Mittwochabend kamen 80 Holzstühle - ein jeder mit dunkelgrünem Stoffbezug.

"Wir hatten eigentlich den Kauf von 100 Stühlen angestrebt. Aber das ließ sich dann doch nicht bewerkstelligen", sagt Christian Meister. Dass der Erwerb überhaupt möglich war, hat der Verein einer Spende durch die Sparkasse MOL, die 1000 Euro gewährte, und vielen freigiebigen Biesdorfern hoch anzurechnen. "Unsere neuen Stühle können bei Bedarf auch zu Kirchenbänken montiert werden", erklärt die Vorsitzende des Fördervereins zufrieden.

Wer am Ostersonntag in das Gotteshaus kommt, wird zudem über die beiden Kronleuchter staunen, die in Zeulenroda (Sachsen-Anhalt) produziert wurden. Ihr Nickelmatt hat den Biesdorfern derart gefallen, dass sie Himmel und Erde in Bewegung setzten, um genau diese Leuchtkörper zu erhalten. "Aber ohne das Engagement von Silke Zoschke hätten wir uns diese Traumlampen abschminken können", sagt Ursula Meister. Die Mitarbeiterin von Holzhüter-Leuchten in Neuenhagen-Insel habe beim Hersteller einen ordentlichen Rabatt erhandelt.

Dass die Biesdorfer Kirche von einem Schandfleck zu einem Blickfang geworden ist, genügt den Förderern noch nicht. "Wir bemühen uns jetzt um einen Altartisch, ein Rednerpult und ein großes Kreuz aus Eichenholz", kündigt Christian Meister an. Das Material dafür ist bereits da: Eichenstämme, die vor geraumer Zeit in der Nähe des Dorfes gefällt wurden. Wenigstens für die Schwelle zum Altarraum wurde ein Teil des vorsorglich gelagerten Holzes schon verarbeitet.

"Und dann kümmern wir uns noch um die Orgel, die eine echte Kostbarkeit ist", stellt Ursula Meister in Aussicht. Denn das Instrument sei das einzige im Originalzustand erhaltene, das ihr vom Bad Freienwalder Orgelbauer Georg Mickley in der Region bekannt sei. Zunächst gehe es darum, die Biesdorfer Orgel so weit zu sichern, dass ihrer Reparatur nichts mehr im Wege steht, wenn das Geld dafür aufgetrieben wurde.

Andacht auf dem Kirchhof und Frühstück in der Kirche; Ostersonntag, 7 Uhr

Märkische Oderzeitung vom 06. April 2007

   Zur Artikelübersicht