Vier Szenen der Passion Jesu

Kleinmachnower Altar nach zehn Jahren wieder vollständig zu sehen

KONSTANZE WILD

KLEINMACHNOW Die Dorfkirche von Kleinmachnow war kaum zwei Jahre jung, da hatte 1599 Hans Zinkeisen, "wohnhaft zu Berlin", einen Altar für das neue Gotteshaus derer von Hakes geschaffen. In seiner Ausprägung nicht nur ungewöhnlich, sondern "wohl auch ziemlich einmalig", nennt Dieter Langhein ihn "das Herz der Kirche". Der Pfarrer ist froh, dass der Wandelaltar am Karfreitag mit einer musikalischen Vesper wieder in Gebrauch genommen werden kann. Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit erste Kontakte mit der Hochschule für bildende Künste in Dresden dazu führten, dass dort neue Restaurierungsmethoden erforscht und an den Reliefbildern umgesetzt wurden.

Nicht nur rußende Kohleöfen und eine bei Gottesdiensten und Veranstaltungen viel zu hohe Luftfeuchtigkeit hatten dem kirchlichen Kunstwerk über die Jahre und alle Maßen zugesetzt.

Auch eine umfassende Restaurierung zu DDR-Zeiten, als die Kirche Staatseigentum genannt wurde, entpuppte sich im wahrsten Sinne des Wortes als schwerwiegender Eingriff und konnte letztlich einen Erhalt der Reliefs nicht garantieren. Zu schwer waren die auf die Flügel gearbeiteten kunstvollen Szenen bei der Reparatur geworden, drohten gar auseinander zu brechen, nachdem sie vom Holzwurm und dessen Überresten befreit - mit einer Gips-Wachsmischung verfestigt worden waren. "Für den Altar waren die Arbeiten Anfang der sechziger Jahre dennoch lebensrettend", betont Langhein. In Dresden musste jedoch "mit neuen Methoden und leichten Balsahölzern" dem Altarschmuck seine Festigkeit wieder gegeben werden.

Neben dem Abendmahl im Mittelschrein sind in den aufklappbaren inneren Flügeln vier Szenen aus der Passionsgeschichte dargestellt: die Fußwaschung, Jesu Gebet in Gethsemane, seine Verurteilung durch Kaiphas und die Verleugnung des Petrus sowie die Grablegung Jesu.

Dass Passion und Abendmahl im Zentrum stehen, habe seinen Grund in der reformatorischen Entstehungszeit, vermutet Theologe Langhein. Auch die Mittelstellung des Taufsteins weist auf einen reformatorischen Kirchbau, vielleicht einen der ersten, hin.

In der Ankündigungsszene auf den geschlossenen Flügeln stellen sich die Stifter Margarete und Joachim von Hake als Maria und Engel Gabriel vor. Der Altar begleitet die Gemeinde im Kirchjahr: Geschlossen in der Bußzeit zum Advent, aufgeklappt mit biblischen Geschichten, wie Jesu Kindheit, Gleichnis vom guten Hirten und Jesu mit seinen Jüngern, schließlich, im Mittelteil, die Reliefs von Passion und Abendmahl.

Das Passahlamm ist dabei nur einer von etlichen Hinweisen auf das Alte Testament. Über den Flügeln steht Jesus als Auferstandener und darüber als Gekreuzigter - auf der alttestamentarischen Bundeslade. Recht ungewöhnlich nennt der Pfarrer die Verbindung von Altem und Neuem Testament, von Verheißung und Erfüllung, mit der Zinkeisen in seiner rustikalen und doch so kunstvollen Arbeit den Kleinmachnower Altar zu etwas Besonderem gemacht hat.

Die Kosten der Restaurierung, die sich auf rund 40 000 bis 50 000 Euro belaufen, konnten durch kleinere Zuschüsse der Landeskirche und der Kommune, überwiegend jedoch durch Spenden gedeckt werden.

Mehr als zehn Jahre war die Innenseite des Altars für die Gemeinde nicht sichtbar. Bedenkt man den Bevölkerungswandel, der in Kleinmachnow in den Jahren nach dem Mauerfall eingesetzt hat und den Zuzug, der bis heute anhält, haben wohl mehr als die Hälfte der Gemeindeglieder den Altar in seiner ganzen Pracht noch nie gesehen.

Das zumindest vermutet Dieter Langhein, der selbst 1988 aus der Altmark nach Kleinmachnow kam und seit 17 Jahren hier Pfarrer ist.

Am morgigen Karfreitag zur musikalischen Vesper mit dem Kammerchor der Kantorei um 17 Uhr (Chor- und Orgelwerke von Dietrich Buxtehude) ist der Altar nach seiner Fertigstellung erstmalig wieder ganz zu sehen. Auch sonntags lädt künftig von 14 bis 17 Uhr der Förderverein Kirchenbauten Kleinmachnow wieder in die "Offene Kirche" ein. Dort wird auch eine Dokumentation der Restaurierungsarbeiten ausgestellt sein. Infos im Gemeindebüro: 033203/2 28 44.

Märkische Allgemeine vom 05. April 2007

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