Großputz auf dem Dachboden

Kehrberger entfernten Schutt aus der Kirche / Turm wieder begehbar

AXEL KNOPF

KEHRBERG Der Dachboden und der Turm der Christus-Kirche sind nun besenrein. Reinhard Wilhelm kehrte dort mit einigen Helfern in den vergangenen Wochen alte Steine und Holz zusammen. Das Gros des Mülls befand sich im Bereich der Traufen über dem Chor und dem Schiff des Gotteshauses von Kehrberg (Gemeinde Groß Pankow). Der Abfall hatte sich dort über Jahrhunderte angesammelt. Beim Aufräumen kamen 131 Schubkarren voller Müll zusammen.

Reinhard Wilhelm fand aber nicht nur Unbrauchbares. Er entdeckte auch einen alten Löffel, zwei Kerzenhalter, einen handgeschmiedeten Nagel und eine Flasche, auf der sich möglicherweise als Wappen der preußische Adler befindet. Den vielleicht interessantesten Fund stellen die Reste eines Gestühls dar. Möglicherweise handele es sich dabei um einen Patronatsstuhl, wie er auf der rechten Seite nahe des Altars noch existiere, meint Volker Schulz, Mitglied im Gemeindekirchenrat. Reinhard Wilhelm hatte das Holz erst für eine ausrangierte Tür gehalten, mit der auf dem Dachboden eine Bohle abgedeckt worden war. Alte Kehrberger bestätigen, dass das Gestühl noch in den 1930er Jahren in der Kirche gestanden hat, worauf der Schmied und der Lehrer gesessen haben sollen. Dabei handelt es sich um so etwas wie eine Loge.

Die Aufräumarbeiten sind Voraussetzung für zwei Projekte. Zum einen wollen Irina Wilhelm und Volker Schulz den Turm der Kirche wieder begehbar machen, damit Besucher sich die Glocke ansehen können. Laut einer Chronik soll die Kehrberger Glocke die kleine Schwester der bekannten Gloriosa im Erfurter Dom sein. Wie Volker Schulz sagt, können Besucher am Karfreitag, wenn ein Gottesdienst (15 Uhr) in der 1260 erbauten Christus-Kirche gefeiert wird, den Turm besteigen. Damit auch Kinder sicher über die Treppe nach oben kommen, hat Reinhard Wilhelm an der Treppe neue Knieläufe angebaut. Zudem tauschte er kaputte Stufen aus. Für den Gottesdienst am Karfreitag haben am Sonnabend mehrere Einwohner aus dem Ort die Kirche gereinigt. Das Gebäude ist die einzige dreiteilige Feldsteinkirche - mit Turm, Schiff und Chor - in der Prignitz.

Der Dachboden musste vom Schutt befreit werden, damit sich dort keine Feuchtigkeit mehr sammeln kann, und der Traufenbereich zum Erstellen eines Gutachtens für das Holz und das Mauerwerk zugänglich wird. Ein Architekturbüro aus Gerdshagen erstellt das Gutachten. "Das Dach der Kirche muss neu gedeckt und das Fachwerk des Turmes saniert werden", sagt Schulz. Dafür seien wahrscheinlich 150 000 Euro nötig. "Mit dem Gutachten hätte der Förderverein endlich ein Papier in der Hand, um Fördergelder beantragen zu können." Wann es letztendlich zu den ersten Sanierungsarbeiten komme, sei noch völlig offen.

In diesem Jahr soll die Grundmauer der Kirche freigelegt werden. Über die Jahre habe sich bis zu 1,20 Meter Erde angehäuft. "Wir haben dadurch ständig Feuchtigkeit im Mauerwerk", erklärt Schulz. Für diese dringend notwendige Bestandssicherung seien allerdings noch Absprachen mit der Gemeindeverwaltung Groß Pankow nötig.

Märkische Allgemeine vom 28. März 2007

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