Die spitzeste Kirchturmspitze der Prignitz

Groß Lübener Förderverein will zerstörtes Wahrzeichen wieder errichten / Über 30 000 Euro bislang aufgebracht

MICHAEL BEESKOW

GROSS LÜBEN Bei einem Sommerunwetter wurde 1984 die Turmspitze von der Groß Lübener Kirche gerissen. Seit dreieinhalb Jahren bemüht sich der Förderverein Kirche Groß Lüben um die Wiederkehr dieses Wahrzeichens.

Bei der Jahresmitgliederversammlung konnte am Freitag Vorsitzender Bernhard Behrens Erfreuliches verkünden. Allein im vergangenen Jahr flossen 5100 Euro in die Vereinskasse. Der Kontostand erhöhte sich damit auf mehr als 30 000 Euro. Wie Bernhard Behrens einschätzt, sollte es möglich sein, Jahr für Jahr einen Betrag in dieser Höhe aufzubringen. Allerdings ist der Weg zur Errichtung einer neuen Turmspitze noch weit. Nach einer groben Kostenschätzung dürfte das Vorhaben 100 000 Euro verschlingen. Damit verlässliche Zahlen auf den Tisch kommen soll noch in diesem Jahr eine präzise Kostenrechnung erstellt werden. Hier will das landeskirchliche Bauamt mithelfen. Bei der Denkmalpflege und beim Kirchenkreis Pritzwalk-Havelberg soll das Antragsverfahren zur Wiederherstellung der Turmspitze gestellt werden. Auch das Konsistorium in Berlin muss seine Zustimmung geben.

Der Vereinsvorsitzende empfindet es als große Ungerechtigkeit, dass für die Turmspitze bislang keine Fördermittel flossen. Würde es sich um eine Sanierung handeln, wäre dies sicher schon längst geschehen, meint Bernhard Behrens. Doch das Vorhaben werde als Neubau eingestuft - und dafür gebe es eben keine Unterstützung.

Dabei würden nicht die Umstände bedacht, unter denen die mit 20 Metern höchste und spitzeste Turmspitze einer Prignitzer Dorfkirche verloren ging, führt Bernhard Behrens aus. Bei der Turmsanierung unter DDR-Bedingungen habe man 1984 das Bauwerk fahrlässig offen stehen lassen, so dass die Holzkonstruktion bei einem Unwetter zwangsläufig abstürzen musste. Das Fazit von Bernhard Behrens: "Die politisch Verantwortlichen tun sich schwer, dieses Unrecht der Vergangenheit wieder gut zu machen." Um so dankbarer ist der Verein für die Unterstützung durch den "Förderkreis alte Kirche Berlin-Brandenburg", der die Groß Lübener Kirche im September 2006 zur Kirche des Jahres wählte und so auf die Bemühungen um die Turmspitze aufmerksam machte.

Der Verein - viele der 37 Mitglieder sind Auswärtige, auch Berliner und ein Münchener gehören dazu - plant in diesem Jahr wieder eine Reihe von Veranstaltungen. Am 24. Juni gibt ein Berliner Liedermacher ein Konzert; am 9. September, dem Tag des offenen Denkmals, hält Pfarrer im Ruhestand Gottfried Winter einen Vortrag über sakrale Bauten in der Prignitz; nachmittags singt Sopranistin Birgit Bockler; am 22. September wird wieder zum Kartoffelfeuer geladen. In der Planung befindet sich noch eine Veranstaltung "Kunst von Kindern" vor dem Sommerferien. Mädchen und Jungen sollen ihre Bilder ausstellen und musizieren. Ein weiteres Vorhaben betrifft die Aufarbeitung der Dorfgeschichte. Diese soll in Broschüren und Faltblättern veröffentlicht werden.

Ab November geht es weiter mit den Vorträgen über die Wintermonate. Am Donnerstag schloss Reinhard Jung aus Lennewitz den jüngsten Vortragsreigen ab mit einen vergnüglichen Spaziergang durch Gärten und Parks.

Märkische Allgemeine vom 27. März 2007

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