Überm Altar strahlt es wieder

Stüdenitzer Kirche bekommt Kreuz restauriert zurück – alte Spende erfüllt ihren Zweck

ALEXANDER BECKMANN

Noch gut verpackt, kam das Kreuz gestern probeweise an seinen Platz auf der Apsis 
Noch gut verpackt, kam das Kreuz gestern probeweise an seinen Platz auf der Apsis.
Foto: Hans-Werner Thormann

STÜDENITZ Ungeduldig warteten Pfarrer Henning Utpatel und Erwin Janke vom Stüdenitzer Gemeindekirchenrat gestern auf Besuch aus Berlin. Uwe Mücklausch, der als Architekt die Restaurierung der Stüdenitzer Kirche betreut, hatte sich angekündigt. Das Spannende war der Inhalt seines Kofferraumes: das Kreuz, das ab morgen endlich wieder das Dach der Apsis krönen soll. "Das ist ’ne teure Fuhre. Aber wir leisten uns was. Die Stüdenitzer wollen nichts Halbes", sagte Utpatel.

2004 hatte die Neueindeckung des Daches über dem Altarraum begonnen. Damals stellte sich heraus, dass das Kreuz aus Zinkguss seit seiner Montage vor rund 150 Jahren erheblich gelitten hatte. Rost vom Stahlgerüst im Inneren drohte die ganze Konstruktion auseinanderzusprengen. Nähte waren aufgeplatzt, ein Teil bereits abgebrochen. Das Kreuz wurde vorerst in der Kirche eingelagert. Erst mit Beginn des 2. Bauabschnittes am Gotteshaus im vergangenen Jahr fand sich eine finanzielle Lösung für die Wiederherstellung des metallenen Symbols. Spezialisten aus Berlin nahmen sich des guten Stückes an – und förderten bei ihrer Arbeit Interessantes zu Tage.

Das Kreuz war 1856 bei einem Großhändler in Potsdam bestellt worden. Um eine Einzelanfertigung handelte es sich offenbar also nicht. Die wirkliche Überraschung für die Stüdenitzer: Die ursprüngliche Farbe war nicht zinkgrau. Die Restauratoren fanden Reste einer Vergoldung.

Und das brachte eine fast vergessene Geschichte in Erinnerung: In den 70er-Jahren hatte die westdeutsche Partnergemeinde einige Heftchen mit Blattgold für Restaurationszwecke nach Stüdenitz geschickt. Bis in die Gegenwart lag das wertvolle Metall gut verwahrt in einem Schrank des Pfarrhauses. Nun sollte es doch noch Verwendung finden.

Die Metallrestauratoren haben das Kreuz von der Apsis gründlich überarbeitet und zwischenzeitlich sogar für spezielle Arbeiten bis nach Regensburg geschickt. Der völlig verrostete Stahl im Inneren wurde durch Edelstahl ersetzt, die Zinkverkleidung wieder hergerichtet und vervollständigt. Krönung des Ganzen war die Vergoldung mit der seit rund 30 Jahren aufbewahrten Spende.

Dachdeckermeister Klaus Jankowski aus Plänitz staunte gestern nicht schlecht: "Da müssen die Stüdenitzer ja Sonnenbrillen aufsetzen." Jankowski bereitete gestern die Montage des Kreuzes vor, die morgen endgültig erfolgen soll.

Heute haben die Stüdenitzer noch einmal Gelegenheit, das Kreuz aus der Nähe zu begutachten. Um 17.30 Uhr lädt die Kirchengemeinde dazu ein. Auch über weitere Vorhaben soll bei der Gelegenheit informiert werden. Dank einer Spendenaktion des Fördervereins beginnt demnächst beispielsweise die Restaurierung der Türen im Kirchturm.

Märkische Allgemeine vom 22. März 2007

   Zur Artikelübersicht