Schlicht und doch eindrucksvoll

Nach dem Osterfest erhält Flügelaltar in Stahnsdorfer Kirche frische Farbe

KONSTANZE WILD

STAHNSDORF Restauriert wurde sie bereits während der voran gegangenen Sanierung des Altars in den 80er Jahren. Doch bis heute ist "Anna selbdritt" in der Stahnsdorfer Dorfkirche nicht zu sehen. Dank der vielen Spenden jedoch, die in den letzten Monaten zusammenkamen, steht nun in Stahnsdorf nicht nur die Überarbeitung des spätgotischen Flügelaltars kurz bevor, sondern auch "Anna selbdritt" wird wieder in die Stahnsdorfer Dorfkirche zurückkehren.

Etwa 2000 Euro hatten der Förderverein und private Initiative im vergangenen Jahr an Spenden für eine Altarsanierung bereits zusammen bekommen. Dann halfen ein "Altarpuzzle", bei dem man Puzzleteile erwerben konnte, und nicht zuletzt auch die "Berichterstattung im Ortsanzeiger, in der MAZ und im Gemeindebrief", wie Pfarrer Peter Edert erklärt, dass letztlich sogar mehr Gelder eingenommen wurden, als für die Arbeiten am Altar veranschlagt waren.

Um dieses Geld im Sinne der Spender anzulegen, hat der Gemeindekirchenrat beschlossen, eine noch fehlende separat stehende Altarfigur, besagte Darstellung der "Anna selbdritt", wieder fachgerecht an ihrem Platz in der Nische links vom Altar aufzustellen. Dies sei ihr angestammter Platz, an dem sie "auch sicherheitstechnisch gut untergebracht ist", erläutert der Stahnsdorfer Pfarrer.

"Selbdritt" ist kein Name, vielmehr ein veralteter Ausdruck für "zu dritt". Zeigt die Figur doch eine Darstellung der heiligen Anna, der Mutter Marias, gemeinsam mit ihrer Tochter und dem Jesuskind, in unserem Fall hält sie beide auf den Armen. Als ältestes bekanntes Bild der Mutter Marias ist die Wandmalerei in der "Drei-Mütter-Nische" in St. Maria Antiqua (8. Jahrhundert) in Rom erhalten. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts lassen sich vermehrt Beispiele bildlicher Anna-selbdritt-Darstellungen finden, eine davon in der Nikolaikirche in Stralsund. Im 15. und 16. Jahrhundert haben Darstellungen der "Anna selbdritt" schließlich ihre Blütezeit. In dieser Zeit entstand auch die Stahnsdorfer Figur.

Der spätgotische Flügelaltar sei typisch für die Region, erklärt Edert das "Figurenensemble aus vier Damen und einem Herrn", welches auf dem Altar selbst dargestellt ist: Auf dem linken Flügel die heilige Dorothea mit einem Korb auf dem Arm, daneben die Bischofsfigur, zu der es verschiedene Vermutungen gibt. So könnte er den Heiligen Bernhard, Nikolaus oder auch Stanislaus gewidmet sein. Im Zentrum die Mutter Gottes mit dem Christuskind und rechts die heilige Katharina mit dem Wagenrad, deren Legende besagt, dass sie gerädert wurde. Auf dem rechten Flügel schließlich die heilige Barbara mit Turm, Schutzpatronin der Berg- und Feuerwehrleute und dergleichen mehr. Über dem Altar, der eher kirchengeschichtlich, als kunstgeschichtlich wertvoll sei, wie Edert vermutet, unter dem Einfluss der Zisterzienser entstanden, befindet sich das Kruzifix.

Nach Ostern wird der Restaurator nun in etwa einwöchiger Arbeit sich lösende oder bereits abblätternde Farbe an dem schlichten und doch eindrucksvollen Altarensemble erneuern. Dann wird der Flügelaltar in neuem Glanz erstrahlen und auch "Anna selbdritt" kann, in ihrer Nische sicher verwahrt, von Kirchgängern und -besuchern wieder betrachtet werden.

Märkische Allgemeine vom 20. März 2007

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