"Es ist fünf vor zwölf"

Ohne Spenden geht Kirche zugrunde

KATHARINA KASTNER

VICHEL Die Vicheler wollen nichts unversucht lassen: Um Geld für die Rettung ihrer Kirche aufzutreiben, will sich der neu gegründete Förderverein jetzt an einem Wettbewerb beteiligen. Der Förderkreis "Alte Kirchen" Berlin-Brandenburg hat ein Startkapital in Höhe von 2500 Euro ausgelobt, das neu gegründete Vereine gewinnen können, die sich für den Erhalt einer Kirche einsetzen. Bischof Wolfgang Huber und Kulturministerin Johanna Wanka wollen die Preise übergeben. Die Vicheler, die den Antrag bereits ausgearbeitet haben, rechnen sich gute Chancen aus.

Ohne Spenden wird das Gotteshaus gegenüber dem Vicheler Schloss zugrunde gehen. "Es ist fünf vor zwölf. Mit der Sanierung darf nicht länger gewartet werden", sagt Pfarrer Stephan Scheidacker. Allein für die dringend erforderliche Beseitigung des Hausschwammes sind etwa 150 000 Euro nötig (die MAZ berichtete). Zwei Drittel dieser Summe will die evangelische Kirchengemeinde Manker-Temnitztal beisteuern. Der Kirchenrat hatte vor einem Monat beschlossen, seine Finanzen zugunsten der Vicheler Kirche zu bündeln. Mit seiner Entscheidung habe er "ein deutliches Zeichen der Hilfe und Solidarität mit den Menschen in Vichel setzen wollen", um das 1867 gebaute Haus wieder nutzbar zu machen, erklärt der Pfarrer.

Die Konzentration auf dieses große Vorhaben bedeutet aber auch, dass in anderen Dörfern der Kirchengemeinde in den nächsten Jahren keine Bauprojekte finanzierbar sind bis auf notwendige Kleinreparaturen, die immer anfallen würden, sagt Stephan Scheidacker. Er hofft, dass die Vicheler Kirche wieder ein Ort des Gebets und des Gottesdienstes, aber auch ein Ort für Kultur und Kunst wird.

Der Förderverein hat sich für 2007 vorgenommen, möglichst viele Sponsoren, Spender und Stiftungen zu kontaktieren. Bis Jahresende will er die fehlenden 50 000 Euro gesammelt haben, damit im nächsten Frühjahr mit der Schwammbeseitigung begonnen werden kann.

Dem neuen Verein "Vicheler Dorfkirche" gehören inzwischen schon 20 Mitglieder an. Sie planen am Sonnabend, 31. März, eine Aufräum- und Reparaturaktion, bei der der Turm gesäubert, die umgestürzten Steine der Friedhofsmauer weggeräumt und der Friedhofszaun repariert werden sollen. "Wir wollen signalisieren, dass uns etwas an diesem Haus liegt", sagt Peter Masloch vom Verein.

Märkische Allgemeine vom 14. März 2007

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