Schöne Klänge in Schönfließ

17. Saison für Sommermusiken in der Kirche

MARLIES SCHNAIBEL

SCHÖNFLIESS Die Kirche bleibt Gotteshaus und wird nicht zum Kulturhaus, wenn sie regelmäßig ihre Tür zu Konzerten öffnet. So sieht das Pfarrer Matthias Möckel. "Kultur und Kirche gehören zusammen", sagt er, "das ist seit Jahrhunderten so." Deshalb hatte er auch nicht lange überlegt, als damals der Schönfließer Cellist Hans-Dieter Hoch zu ihm kam mit der Frage, ob man in der Kirche regelmäßig zu Konzerten einladen wolle. Das war 1990, kurz nach dem Mauerfall, alles schien möglich, viele Türen öffneten sich. Die Schönfließer begannen mit ihren Sommermusiken, die in diesem Jahr bereits in die 17. Saison gehen.

Dabei haben sie selbst den Weggang des einstigen Initiators Hans-Dieter Hochs verkraftet, der noch jahrelang die Reihe betreute. Inzwischen stellt Kantorin Elisabeth Däblitz von der Kirchengemeinde das Programm auf und regelt die Kontakte zu den Künstlern. Pfarrer Matthias Möckel pflegt andere, auch politische Kontakte. Die sind nicht unwichtig, denn nach wie vor wird die Konzertreihe unterstützt, so vom Landkreis, der in diesem Jahr wieder 750 Euro beisteuerte. "Das ist eine große Hilfe", freut sich Pfarrer Matthias Möckel. Ohne solche Unterstützung und die Arbeit vieler ehrenamtlicher Helfer würde die Konzertreihe nicht diesen Erfolg haben. "Wir zahlen den Künstlern ein Honorar", erklärt er die Herangehensweise der Schönfließer. Das ist nicht üppig, gibt aber den Musikern Sicherheit. Selten sagt einer Nein, mancher verbindet den Auftritt mit einer Rundreise, ein Ensemble wertet ihn als Generalprobe für den folgenden Auftritt im Schauspielhaus. "Von den Besuchern verlangen wir keinen Eintritt, erbitten aber eine Spende", erklärt Matthias Möckel. Über "Eintritt in der Kirche" wird immer mal wieder diskutiert, die Schönfließer lehnen ihn ab, sie wollen allen denn Zugang ermöglichen und freuen sich auch über kleine Spenden. Bisher ist dieses Konzept gut aufgegangen. "Die Spendenfreudigkeit der Besucher ist nicht zurückgegangen", blickt Matthias Möckel, der seit über zwanzig Jahren in Bergfelde und Schönfließ Pfarrer ist, zurück.

Auch die Besucherzahlen in Schönfließ sind stattlich. Durchschnittlich 80 Zuhörer füllen die blauen Kirchenbänke der barock ausgestatteten Dorfkirche. Einheimische, Neu-Schönfließer und Berliner. Von denen viele nach den Konzerten, die immer sonnabends 16 Uhr beginnen, fragen, wo man denn anschließend gut essen gehen könne. Eine Frage, die Matthias Möckel stets ein bisschen in Verlegenheit bringt.

Dass stets eine große Zahl Nicht-Schönfließer kommt, liegt auch an der Werbestrategie der Veranstalter. Sie sind von Anfang an Mitglied im Verein "Kulturfeste im Land Brandenburg", werben so weit über die Grenzen von Oberhavel hinaus. Das führt immer neue Besucher heran, auch solche, die für die Sanierungsvorhaben der Kirche spenden. Im vergangenen Jahr konnte das Allianzwappen saniert werden. In diesem Jahr wird es am 3. Juni ein Benefizkonzert mit Joachim Schäfer geben. Der Dresdner Trompeter ist seit 1990 in jedem Jahr mit Erfolg in Schönfließ aufgetreten, in diesem Jahr spielt er ohne Honorar für die Dorfkirche mit der guten Akustik. Zwischen dem 19. Mai und 22. September haben Musikfreunde Gelegenheit, sich von dem guten Klang zu überzeugen.

Märkische Allgemeine vom 13. März 2007

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