Heinsdorfer Glocken sollen wieder läuten

Kirchturm ist seit über zehn Jahren gesperrt / Förderverein könnte die Sanierung in Gang bringen

MARTINA BURGHARDT

NIEBENDORF-HEINSDORF Die Heinsdorfer vermissen das Glockengeläut ihrer Kirche. Und zwar schon seit vielen Jahren. Immer wieder ist das ein Thema im Dorf, jüngst kam es während der Sitzung des Ortsbeirates erneut zur Sprache.

Dass es wieder läutet das wollen die meisten Heinsdorfer, nicht nur die Frommen. Schließlich haben sie schon den Mittelpunkt ihres Ortes, die Kirche, verloren, nun soll wenigstens der Rest des Turmes und mit ihm der Klang der Glocken gerettet werden. Dabei war man schon einmal kurz vor dem Ziel: 2005, so berichtet es Ortsbürgermeister Jörg Niendorf, hatte es die Kirchturmsanierung bis ins Ile-Förderprogramm geschafft. Die Kirche musste jedoch passen, weil sie den Eigenanteil nicht aufbringen konnte. Die finanzielle Lage sieht inzwischen nicht viel anders aus.

Pfarrer Joachim Boekels aus Petkus, für Niebendorf-Heinsdorf zuständig, kann das erklären. "In 16 Dörfern gibt es zwölf Kirchen und eine Ruine. An den Gebäuden ist viel zu machen, und die Mittel sind so knapp." Damit müsse man die intakten Gebäude instand halten, dazu gehört übrigens auch der Glockenturm in Niebendorf, der ebenfalls einer Reparatur bedarf. Trotzdem freut er sich über den Wunsch der Heinsdorfer. "Der Platz hat Atmosphäre, es wäre im Interesse der Kirche, wenn der Glockenturm wieder hergerichtet wird."

Es gibt eine Lösung, und die heißt Förderverein. Wenn der Wille der Heinsdorfer stark genug ist und sie Partner finden, dann könnte es mit der Turmsanierung klappen, davon ist Pfarrer Boekels fest überzeugt. Gerhard Schliebener hat sich darüber längst Gedanken gemacht. Er setzt sich seit mehreren Jahre für den Erhalt und die Pflege der Kirchenruine und des Kirchhofes ein, hat einige Rentner mobilisiert, die sich im Sommer mit dem Rasenmähen abwechseln. Im Kirchenarchiv hat er nach Geschichtsdaten geforscht.

Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut, fand Gerhard Schliebener heraus. Es handelte sich ursprünglich um einen romanischen Bau, die Anbauten wie der Turm sind im Stil der Gotik errichtet worden. "1960 wird in den Kirchenunterlagen erstmals das marode Dach erwähnt", so Gerhard Schliebener. Weder Geld noch Handwerker hätten damals zur Verfügung gestanden. Die Pfarrstelle war schon seit 1940 unbesetzt. 1964 fällte der Fachmann vom evangelischen Konsistorium Berlin-Brandenburg das niederschmetternde Urteil: Das Fundament neigt sich Richtung Norden, der Dachstuhl würde dies nicht lange mitmachen. 1965 erhielt der Gemeindekirchenrat die Empfehlung, das Gebäude sofort zu sperren. Bereits geplante Dachdeckerarbeiten wurden abgesagt. Ein weiterer Bauchsachverständiger bestätigte 1966 die schlimmen Befürchtungen: Die gesamte Konstruktion war in Gefahr. Zu hohe Kosten wären auf die kleine Gemeinde zugekommen. Der Kompromiss: Das Pfarrhaus, das sich damals ebenfalls in einem schlechten baulichen Zustand befand, wurde zum Gemeindehaus ausgebaut. Anfang 1970 wurde die Kirche abgerissen, die Turmhöhe wurde verringert.

Längst leidet auch der Kirchturm unter Altersschwäche. Die beiden 1,8 und 1,1 Tonnen schweren Stahlglocken sind an einem 0,7-Tonnen-Gerüst befestigt, das wiederum direkt in den Mauern verankert ist. 1994 wurde der Turm gesperrt und das Läuten eingestellt, weil die Mauern dadurch ins Schwingen gerieten. Trotzdem haben es Pfarrer Joachim Boekels und Gerhard Schliebener vor einigen Tagen ausprobiert: Die Glocken könnten läuten, wenn der Turm wieder in Ordnung ist.

Sollte dies eines Tages der Fall sein, dann wird es im Erdgeschoss des Turmes eine Ausstellung über die Geschichte der Kirche geben. Gerhard Schliebener hat dafür genügend Material, sogar einige Gegenstände, die vor dem Abriss gerettet worden waren.

Märkische Allgemeine vom 07. Februar 2007

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