Förderverein wagt sich ans komplette Dach

Von Sven Klamann

Wriezen (MOZ) Nicht mehr nur die Apsis, sondern das gesamte Schiff der Marienkirche im Zentrum der Oderbruchstadt soll überdacht werden. Damit sorgen der Förderverein und die Kirchengemeinde für den ersten Wriezener Paukenschlag im neuen Jahr. Zuletzt waren die Streiter für den allmählichen Wiederaufbau des im April 1945 zum großen Teil zerstörten Gotteshauses mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit gegangen, sich auf eine Politik der kleineren Schritte zu beschränken. Zwei Jahre hatten sich die Kirchenförderer danach mit öffentlichen Erklärungen zurückgehalten. Dass sie in dieser Zeit alles andere als untätig waren, zeigt sich erst jetzt. Bislang aber gibt es weder eine offizielle Kostenschätzung noch Aussagen darüber, wann mit der zweiten Sanierungsphase begonnen werden soll. Derzeit, so bestätigen alle Beteiligten, werde eine neue Nutzungsplanung erstellt.

"Der frühestmöglichste Baubeginn wäre uns natürlich der liebste", sagt Wriezens evangelischer Pfarrer Christian Moritz, der die neue Strategie begrüßt, sich nicht bloß auf die Apsis zu konzentrieren. "Dass wir uns irgendwann entschieden haben, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen, ist das Ergebnis vieler, vieler Gespräche", betont er. Und fügt hinzu, dass sich eine Menge von dem, was baulich für die Kirche angestrebt werde, im Ideenstatus befinde. "Wir denken daher, es wäre zu früh, schon Details an die große Glocke zu hängen", betont Christian Moritz. Allerdings weiß er um die Anteilnahme der Wriezener an allem, was mit dem Gotteshaus zu tun hat. Und ihm ist klar, dass er auf breite Unterstützung angewiesen ist, um die Investitionskosten aufbringen, die seiner Vermutung nach irgendwo zwischen anderthalb und zwei Millionen Euro liegen dürften.

Bei dem allein auf die Apsis fixierten, jetzt überholten Projekt war vor zwei Jahren ein Finanzbedarf von etwas mehr als 80 000 Euro genannt worden (MOZ berichtete). Damals hieß es, dieses Geld lasse sich unter Garantie auftreiben, weil der Verein über ein Guthaben von etwa 60 000 Euro verfüge.

Obwohl dies ein durchaus beachtlicher Grundstock ist, setzen die Kirchenförderer darauf, weitere Partner von dem Vorhaben zu begeistern, das komplette Schiff mit einem Dach zu versehen. "In den nächsten Tagen werden wir mehrere Varianten unserer Entwurfsplanung mit den unteren und oberen Denkmalschutzbehörden abstimmen", sagt Architekt Olaf Jenner, dessen Büro in Frankfurt (Oder) mit dem Wriezener Vorhaben betraut ist.

Im vorigen Jahr habe es unter anderem Verhandlungen mit dem Konsistorium gegeben, fügt der Planer hinzu. Der Kirche sei verständlicherweise vor allem daran gelegen, dass das selbst als Ruine stadtbildprägende Gebäude weiterhin vorrangig für sakrale Zwecke genutzt wird, hebt Olaf Jenner hervor. Diesem Anspruch würden alle Varianten gerecht. "Die Kirche wird in jedem Fall eine Kirche bleiben", sagt Olaf Jenner. Was Konzerte, Theater oder Ausstellungen ja auf keinen Fall ausschließe, findet Pfarrer Christian Moritz, der das Gotteshaus Ende vorigen Jahres sogar für Dreharbeiten zu einem Musikvideo der Elektro-Rocker Kash und Nik Page öffnete.

Das Dach wäre den Wriezener Kirchenförderern aus etlichen Gründen wichtig - so, um den optischen Schandfleck zu beseitigen, den der verheerende Bombenhagel am Ende des Zweiten Weltkrieges angerichtet hatte. Nicht zu unterschätzen wäre überdies, dass es für den Erhalt des zumindest teilweise aus dem 13. Jahrhundert stammenden Mauerwerks besser wäre, von Wetterunbilden verschont zu bleiben. Nicht zuletzt hätte eine in jeder Jahreszeit für Veranstaltungen zur Verfügung stehende Kirche den Vorteil, dass sie weit intensiver als bisher ins öffentliche Leben der Stadt einbezogen werden könnte.

Auch der Architekt hält es für besser, die Ausbaupläne erst dann ausführlicher vorzustellen, wenn die Abstimmungsrunden mit dem Denkmalschutz überstanden sind. Dass es der Kirche als Bauherrin schwer fallen wird, die Gesamtinvestition zu bezahlen, verhehlt Olaf Jenner indes nicht. "Persönlich könnte ich mir eine gesplittete Finanzierung vorstellen", sagt er.

Der Förderverein unterhält seit Jahren ein Spendenkonto: Raiffeisenbank Wriezen, Kontonummer 3000842038, Bankleitzahl 17054040, Stichwort: Sonderspende Kirchendach.

Märkische Oderzeitung vom 04. Januar 2007

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