Orgel soll in vollem Klang erschallen

Von Sonja Jenning

Wilfried Jäger, Mitarbeiter der Firma W. Sauer überarbeitet und repariert die so genannten Gedackt-Pfeifen 
Handarbeit: Die Steinhöfler Orgel wurde in ihre Einzelteile zerlegt. Wilfried Jäger, Mitarbeiter der Firma W. Sauer überarbeitet und repariert die so genannten Gedackt-Pfeifen.

Steinhöfel (GMD) Statt der Orgel steht in der Steinhöfler Kirche nur ein leeres Gehäuse. Denn das 1870 vom Fürstenwalder Orgelbauer Johann-Gottlob Teschner konstruierte Instrument wird zurzeit in der Sauer-Orgel-Werkstatt in Müllrose auf Vordermann gebracht.

"Dies ist das Herzstück der Orgel", sagt Orgelbaumeister Peter Fräßdorf und entfernt mit einer fast schon liebevollen Bewegung die Decke von der Windlade. Was für den Laien aussieht wie ein hölzerner Kasten mit zahlreichen kreisrunden Löchern und kleinen Ventilen, ist eine besondere Registereinschaltkonstruktion und charakteristisch für die Steinhöfler Teschner-Orgel. Doch die Zeit ist nicht spurlos am Herzen der Orgel vorbeigegangen. Im Gegenteil: Die Lade weist Wasserschäden und Holzwurmbefall auf. "Das Wasser hat Dichtungen aus Leder verhärtet und Verleimungen aufgelöst", so Fräßdorf. Und Holzwürmer könnten ganz schnell den Tod einer Orgel bedeuten.

Im Nebenraum ist Wilfried Jäger mit der Reparatur der Orgelpfeifen beschäftigt. "Die Metallpfeifen werden gereinigt und überarbeitet", sagt er. Dazu gehört unter anderem offene Nähte zu reparieren oder verbeulte Pfeifenmündungen auszurunden. Teilweise seien die Pfeifen in so schlechtem Zustand, dass sie komplett erneuert werden müssen. Auch andere Teile des Instrumentes, wie Spieltisch, Traktur und Windanlage sind verschlissen und müssen überarbeitet werden, so Peter Fräßdorf. Nach der Restaurierung werde die Orgel wieder ihren kraftvollen, frühromantischen Klang haben, der bislang aufgrund der Beschädigungen stark beeinträchtigt war. Fräßdorf geht davon aus, dass das Instrument zum Jahresende wieder in der Steinhöfler Kirche erklingen wird.

Für die Sanierung der Orgel sind fast 27000 Euro veranschlagt, sagt Pfarrer Oliver Schönfeld. 80 Prozent der Kosten werden von der Kirchengemeinde getragen, der Rest über Spenden und Zuschüsse von der Landeskirche finanziert. "Die Orgel ist schließlich unabdingbar", so Schönfeld. Sie werde häufig genutzt, nicht nur bei Gottesdiensten, sondern auch bei den zahlreichen Trauungen, die in Steinhöfel stattfinden. Und undefinierbare Töne, wie es sie in der Vergangenheit gegeben habe, schaden dem Image der Kirche.

"Manchmal habe ich mich mächtig mit den undichten Ventilen gequält", erinnert sich Organist Wilhelm Kindel. Ihn freut besonders, dass das bislang fehlende Register wieder komplett mit Pfeifen bestückt werde. "Damit werden die Klangmöglichkeiten der Orgel enorm verändert", so Kindel und "es werden sich viele neue, interessante Kombinationen ergeben". Dann werde auch endlich der kraftvolle, optimistische Klang des Instrumentes richtig zur Geltung kommen und bei so manchem Zuhörer eine Gänsehaut hervorrufen.

Märkische Oderzeitung vom 03. Januar 2007

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