Beiersdorfs Glocken läuten wieder

Glocke in Beiersdorf

Beiersdorf (MOZ) Erstmals seit 32 Jahren haben am Mittwoch, 28. September, in Beiersdorf wieder die beiden Glocken des Gotteshauses geläutet. Und dies sogar lauter, als es Bürgermeister Willi Huwe, seinen Mitstreitern vom Förderverein Kirche/Mühle und den Glockengießern aus Straubing (Bayern) eigentlich lieb war. Denn die offizielle Premiere soll mit einem Festakt begangen werden, dessen Termin noch nicht feststeht. Doch schon der Probeanschlag hat den Beiersdorfern gezeigt, dass sie allen Grund haben, eine Flasche Sekt zu öffnen. Denn das mühsame Einhängen der zwei Klangkörper hat reibungslos geklappt.

"Das ist das Größte, das wir bisher erreicht haben", jubelt Willi Huwe, der nebenbei auch dem Verein vorsteht, der sich seit elf Jahren dem Erhalt der Kirche verschrieben hat. Das im späten 13. Jahrhundert erbaute Gotteshaus ist eine Ruine, seit 1973 der windschiefe Turm aus Vorsicht abgerissen wurde und 1976 das Dach bei einem Sturm wie ein Kartenhaus einstürzte. Erst nach der Wende konnten die letzten Trümmerhaufen entsorgt werden (MOZ berichtete).

Die beiden Glocken waren indes schon 1973 rechtzeitig vor dem Turmabriss abgehängt und in Sicherheit gebracht worden.

"Dort lagen sie seither und waren uns Ansporn, in unserer Arbeit nie nachzulassen", sagt der Vereinsvorsitzende. Anfangs hatten die Beiersdorfer jede bei Konzerten im Kirchenschiff und bei Dorffesten erwirtschaftete Mark auf die hohe Kante gelegt, später wurden Euros angespart.

Und immer wieder haben sie bei Gießereien nachgefragt, was denn mit den beiden Glocken zu machen sei, von denen die größere aus dem Jahr 1527 stammt und 1350 Kilo wiegt. Das kleinere Exemplar aus dem Jahr 1433 bringt noch 800 Kilo auf die Waage. "Wir haben stets gehört, dass die Klangkörper nicht mehr zu retten sind und ein Neuguss her muss", verrät Willi Huwe. Einzig Anton Gugg aus Straubing habe sich nach eingehender Prüfung dazu bereit erklärt, nur die Bänder, Klöppel und Joche zu erneuern. Die Bronze der beiden Glocken sei ja an keiner Stelle gerissen, hieß es aus Bayern. Die Beiersdorfer fassten ob dieser Kunde neuen Mut - denn mit einem Mal klang ihr Traum bezahlbar.

Doch auch 20 000 Euro sind alles andere als Kleingeld. Der Verein hat diesem Betrag nur gemeinsam mit der Kirchengemeinde zusammengekratzt, die 10 000 Euro beisteuerte. Die andere Hälfte kam vom Sparkonto der Förderer und von einer Straßensammlung, die vor kurzem im Dorf fast 1400 Euro erbracht hat.

Seit Montagabend waren Hans Gnadl und Xaver Paukner von der Straubinger Gießerei in Beiersdorfs Kirche im Einsatz - mit jeder Menge freiwilligen Helfern an ihrer Seite. Wenn es um Absprachen zum nächsten Arbeitsschritt ging, wechselten die beiden Bayern von ihrem für Brandenburger Ohren kaum zu verstehenden breiten Dialekt in lupenreines Hochdeutsch.

Doch auch mit Handzeichen klappte die Verständigung - vor allem, als die Glocken mit drei Flaschenzügen von einer Etage tiefer sechs, sieben Meter in die Höhe gehievt wurden. "Das ging bloß Stück für Stück", berichtet Jochen Kronfeld, der die ganze Zeit dabei war. Der Beiersdorfer ist ebenfalls im Vorstand des Vereins engagiert und hatte die alten Klöppel und Hängeeisen selbst nach Straubing gebracht - auf dass dort neues Zubehör angefertigt werden konnte.

Im sanierten Glockenstuhl, den Meister Veit Templin aus Neulietzegöricke im Frühjahr aufgestellt hatte, ist noch Platz für eine dritte Glocke. Das Original, etwa 600 Kilo schwer und ebenfalls aus Bronze, war im Ersten Weltkrieg für Kanonen eingeschmolzen worden. Ein Neuguss würde 12 000 Euro kosten. Aber der Erwerb ist für den Verein noch ein Fernziel, wie Jochen Kronfeld betont.

Schließlich haben es die Beiersdorfer gerade geschafft, die zwei erhaltenen Glocken wieder zum Klingen zu bringen. Das Läuten wird fortan nicht mehr per Hand, sondern auf Knopfdruck erfolgen. Der Elektriker Holger Neumann hat dem Verein den Stromanschluss bis an den Glockenstuhl geschenkt.

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