Eine kleine Kirche im Mittelpunkt

Das Gotteshaus prägt seit 260 Jahren den Ort Märkisch Wilmersdorf

PEGGY HEYDICK

M. WILMERSDORF Im Schatten der alten Lindenbäume feierten die Einwohner und Gäste von Märkisch Wilmersdorf am vergangenen Sonntag ein Kirchenjubiläum. Seit 260 Jahren bestimmt das Gotteshaus in der noch immer erhaltenen Form das Bild des Dorfes.

Ursprünglich wurde die Kirche zum Ende des 13. Jahrhunderts ohne Turm errichtet. Im 18. Jahrhundert erfolgte der nachträgliche Turmanbau, der immer wieder verändert wurde. Nach dem ersten Eindruck einer hellen und freundlichen kleinen Dorfkirche zeigt sich dem Besucher schon auf den zweiten Blick ein desolater Zustand.

Der Außenputz bröckelt, im Inneren blättert die gelbe Farbe von den Wänden und auch das Dach und der Turm brauchen dringend eine Sanierung.

Um die Kirche in ihrer einfachen Schönheit erhalten zu können, wurde im vergangenen Jahr ein Förderverein gegründet, der mit Spenden und Fördermitteln die notwendigen Arbeiten voranbringen will.

Doch vorerst gab es einen Grund zum Feiern, und das taten die Gäste mit einem Festgottesdienst und einem Konzert mit dem Trio "Insaiter" aus Berlin. Die Musiker reisten mit dem Publikum zu Beginn rund um die ganze Welt. Bekannte Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy entführten die Zuhörer nach Venedig. Weiter ging es klassisch mit Johannes Brahms nach Ungarn und mit Frédéric Chopin nach Frankreich. In ihrem Stil waren sich die Musiker oft uneins. Sie schwankten zwischen klassischer und moderner Interpretation. Dennoch ergab sich daraus ein stimmiges Gesamtwerk.

Auch eigene Kompositionen fanden großen Beifall in der kleinen Kirche. Roswitha Popp mit ihrer Bratsche lud zum "Osterspaziergang" ein. In dem Stück "Ofenabriss" verlieh sie ihren Gefühlen musikalischen Ausdruck, die sie beim Abtragen ihres heiß geliebten Kachelofens überkamen. Begleitet wurde sie von Uta Brandt auf der Violine und Gerd Miegel mit seiner Gitarre.

Ein grandioser Tango beendete das Konzert und entließ die Zuhörer gut gelaunt in den Sonnenschein. Vor der Kirche warteten schon Kaffee und Kuchen. Beim gemütlichen Beisammensein dachten so manche Einwohner an vergangene kirchliche Feste und an Zeiten, in denen die Kirche nicht nur zu Konzerten und an den Weihnachtstagen gefüllt war.

Die Familie von Gerda Zimmermann lebt bereits in der siebten Generation in Märkisch Wilmersdorf. Die 82-Jährige kam 1948 in den Ort und heiratete in der Kirche. "1950 und 1953 wurden meine Söhne hier getauft und später meine Enkel und Urenkel", erzählt die alte Dame, die so viele Erinnerungen mit der Kirche verbinden. Sie wünscht sich sehr, dass das Gebäude bald erneuert werden kann.

Bis Ende Oktober ist die Kirche an den Wochenenden geöffnet. Eine kleine Ausstellung in der Kapelle informiert über die Geschichte des Gotteshauses und über die anstehenden Sanierungsarbeiten, für die mehr als 500 000 Euro benötigt werden.

Märkische Allgemeine vom 26. September 2006

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