Kirche soll wieder aufgebaut werden

Von Ines Rath

  Kirchenruine Dolgelin
 
Kirchenruine Dolgelin

Dolgelin (MOZ) Die Mitglieder des Fördervereins Dorfkirche Dolgelin hatten selbst kaum darauf zu hoffen gewagt. Doch die Denkmalschutzbehörden in Kreis und Land und andere Fördermittelgeber haben die Dolgeliner ermutigt, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen - und den Wiederaufbau der Kirchenruine anzugehen. Denn diese hat einen besonderen historischen Wert: Hier gibt es sehr seltene mittelalterliche Putzritzzeichnungen. Nun ist Eile geboten. Denn Dolgelin wird nur noch bis 2005 aus dem Geldtopf für die Dorferneuerung gefördert. Zudem besteht akute Gefahr: Vor allem vom Westgiebel der Kirchenruine fallen immer wieder Steine herab. Und gleich nebenan ist die Schule. Der Gemeinderat des Lindendorfes begab sich jetzt mit ins Wiederaufbau-Boot.

"Wir müssen in jedem Fall etwas tun. Denn immer wieder fallen Steine von der Kirchenruine runter. Das stellt vor allem für die Schüler der unmittelbar daneben befindlichen Grund- und Realschule eine Gefahr dar", sagt Heike Schulze. Die Vorsitzende des vor fast zwei Jahren, im Dezember 2002 gegründeten Fördervereins Dorfkirche Dolgelin hat in den vergangenen Wochen und Monaten unzählige Vor-Ort-Termine und Beratungen mitgemacht, in denen es zunächst nur um die weitere Sicherung der Ruine gegangen war. Doch dann kam alles anders.

"In den Gesprächen mit dem damaligen Amt für Flurneuordnung und ländliche Entwicklung und mit Vertretern des Denkmalschutzes stellte sich heraus, dass Mittel für die Sicherung schwerer zu bekommen sind als für eine Wiedernutzbarmachung der Kirche", erklärte Planer Matthias Krebs den Lindendorfer Gemeindevertretern in ihrer jüngsten Beratung.

Vor allem der Denkmalschutz habe ein "hohes Interesse" an der Sicherung der Bausubstanz der Ruine - unter anderem durch ein Dach, sagte der vom Förderverein mit der Planung Beauftragte. Das Interesse der Denkmalschützer gilt besonders den mittelalterlichen figürlichen Putzritzzeichnungen unterhalb des abgestuften Rundfensters im Westgiebel der Ruine. Sie gelten als die ältesten Bildzeugnisse in der Region.

Anhand eines Modells erklärte Matthias Krebs den Abgeordneten die Pläne für den Wiederaufbau der zum Kriegsende beschädigten und später teilweise abgetragenen Kirche. Fest steht, dass es keinen Wiederaufbau des 1965 gesprengten Kirchturms geben wird. Die im 13. Jahrhundert erbaute langgestreckte Feldsteinkirche mit eingezogenem Chor verfügte ursprünglich auch nicht über einen Turm. Außerdem soll das Obergeschoss der Kirche aus Kostengründen nicht ausgebaut werden. Denn auch so werden die Kosten erheblich sein: Sie sind mit rund 570 000 Euro veranschlagt.

Zwischen 70 und 75 Prozent davon könnte das Land aus dem Dorferneuerungstopf bereitstellen. Allerdings nur noch bis zum Sommer nächsten Jahres. Dann läuft die Förderrichtlinie aus.

Es blieben immerhin noch rund 170 000 Euro, die Kirchengemeinde und Förderverein als Eigenanteil aufbringen müssten. Die Kommune - das ist in dem Beschluss, den die Gemeindevertretung jetzt fasste, klar gesagt - kann und wird sich an der Finanzierung nicht beteiligen.

Obwohl sie ein Interesse sowohl an der Sicherung als auch an der Wiedernutzbarmachung der Kirche hat. Nicht nur, weil der abteilbare Raum, der hier entstehen und rund 220 Gästen Platz bieten soll, auch für kommunale Großveranstaltungen nutzbar wäre. Vor allem die Schule hat großes Interesse an einer Nutzung signalisiert. Seit die Turnhalle in einem "erbärmlichen Zustand" sei, stehe für größere Veranstaltungen, wie Einschulungsfeiern oder Zeugnisübergaben, nur der Saal des Landwirtschaftbetriebes zur Verfügung, erklärte Grundschulleiterin Gabriele Dreger im Gemeinderat.

Kirchengemeinde und Förderverein hoffen auf Hilfe von Landeskirche, Kirchenkreis und Arbeitsagentur sowie aus Partnerkirchengemeinden und wollen neben Barem auch ihre "Muskelhypothek" einsetzen. Ob das Finanzierungskonzept aufgeht, muss sich zeigen. Wolfgang Senftleben vom Bauamt der Amtsverwaltung Seelow-Land machte zudem auf die zu erwartenden Folgekosten zum Betrieb aufmerksam. Zunächst soll jetzt eine Nutzungsvereinbarung zwischen Kirchengemeinde und Kommune abgeschlossen werden. Sie ist Voraussetzung, dass die Kommune Fördermittel beantragen kann. Geplant sind neben der Schließung des Kirchenschiffes Sanitäranlagen im ehemaligen Sakristei-Bereich.

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