Sterne für einen guten Zweck

Neu gegründeter Förderverein will Butzower Dorfkirche retten

CLAUDIA NACK

BUTZOW Sie hat keine berühmte Madonnen-Figur, keine Schuke-Orgel und keinen Prunk zu bieten, sondern sie besticht durch ihre Schlichtheit, gute Akustik und einen Sternenhimmel, der jedoch einen Riss hat. „Als Kind habe ich in der Apsis immer die Sterne gezählt“, erzählt die bei Münster lebende Erika Hank, die in der Butzower Kirche getauft wurde. Wie viele es sind, hat die 65-Jährige vergessen.

Die Rentnerin gehört zu den 13 Gründungsmitgliedern, die in dem 250-Seelen-Ort am Donnerstagabend den Förderverein „Butzower Dorfkern“ aus der Taufe gehoben haben. Moderiert von Pfarrer Martin Gestrich, der auch Ideengeber und Unterstützer sei. Den Vereinsvorsitz hat Bernhard Weise übernommen. Den Berufsschullehrer, die Renterinnen, die Heilerziehungspflegerin, den Ingenieur, den Dachdeckermeister und die anderen eint eine Vision: „Unsere Kirche zu retten.“ Die Vorstellung, eines Tages vom Ketzürer Berg zu kommen und der Kirchturm stünde nicht mehr da, wäre eine schreckliche.

Das Butzower Gotteshaus befindet sich in einem beklagenswerten Zustand: Von der Fassade bröckelt der Putz, aus dem Turm wachsen Sträucher, die Wände sind feucht und haben Risse. Kurzum: Der 1879 neu errichtete Sakralbau ist hochgradig sanierungsbedürftig. „Ein Gutachten muss aber erst noch gemacht werden“, sagt Bernd Neeser. „Das wird unsere erste wichtige Aufgabe sein.“ Noch stehe man ganz am Anfang. Daher sei jede Hilfe willkommen. Egal, ob finanzieller oder moralischer Natur. Damit es noch mehr Mitstreiter werden – nicht nur aus dem Dorf – will man deutschlandweit Kontakt zu den ehemaligen Butzowern aufnehmen, die Anfang der 50er-Jahre in den Westteil Deutschlands gingen. „Wir sind für alle offen, die unsere Kirche retten wollen“, hebt Heidemarie Weise hervor. „Man muss nicht in der Kirche sein. Denn es ist ein überkonfessioneller Verein.“ Die Idee sei vor einem Jahr geboren worden, als die Butzower das 125-jährige Kirchenjubiläum feierten. Das neugotische Gotteshaus wurde 1879 auf den Fundamenten der Vorgänger-Kirche, über die keine Überlieferungen bekannt sind, errichtet. „Es heißt, Bauern aus dem Dorf sollen zusammengelegt und die Finanzierung übernommen haben“, erzählt Neeser. Der Verein, zu dem auch Ortschronistin Lieselotte Friedrich gehört, will noch mehr über die Historie in Erfahrung bringen. Auch mit Hilfe der Kirchenbücher.

Die von Pfarrer Gestrich angeregte erste Aktion soll im nächsten Jahr eine Ausstellung in der Kirche über die Geschichte Butzows und seiner Menschen sein. Einwohner seien schon jetzt aufgerufen, ihre Schränke und Schubladen nach historischen Fotos und Dokumenten zu durchstöbern. „Auch Theater und Musik sind eines Tages denkbar“, schaut Uwe Stewien in die Zukunft. Ganz großes Ziel ist es, das Bauwerk Schritt für Schritt zu sanieren und den Dorfkern als kulturelles Zentrum mit Leben zu erfüllen. Dafür will der Förderverein fleißig Geld sammeln, Bittbriefe an Sponsoren und Stiftungen schreiben, sich im Internet präsentieren, Kontakt zu „Alte Kirchen Berlin-Brandenburg“ aufnehmen. „Es ist fünf vor zwölf“, sagt Marlis Krone, aber noch nicht zu spät. „Unsere Kirche soll für alle da sein, nicht nur für Christen“, erklärt Heidemarie Weise. „Für Einheimische, aber auch für Auswärtige, die sich hier trauen oder ihre Kinder hier taufen lassen.“ Stewien schmunzelnd: „Viele Leute fahren nach Las Vegas, um zu heiraten, warum denn nicht nach Butzow?“ Und Erika Hank geht der Sternenhimmel nicht aus dem Kopf. Die Idee wie in Neuhardenberg Sterne an Paten zu verkaufen will man aufgreifen.

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