VOM TURM AUS PANORAMABLICK

Am Sonnabend "Tag der offenen Kirchentür" in Stüdenitz

RENATE ZUNKE

  Kirche Stüdenitz
Die Kirche, fotografiert aus der Bahnhofstraße
Foto: Internet

STÜDENITZ Wenn die Straße saniert ist, dann ist die Kirche dran. Darin waren sich der Gemeindekirchenrat und die Gemeindevertretung Stüdenitz schon seit längerer Zeit einig. Außerdem steht ein Jubiläum ins Haus - im Jahr 2006 ist das Gotteshaus 150 Jahre alt. Dann sollen als erste Maßnahme Dach und Turm des imposanten Baus im neogotischen Stil saniert sein - hofft der Förderverein Kirche Stüdenitz e. V., der sich am 25. Mai gründete. "Die Erhaltung und Instandsetzung der Kirche im Sinne des brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes" ist folgerichtig an erster Stelle im Aufgaben-Katalog des Vereins, der zurzeit 23 Mitglieder zählt, festgeschrieben. Der Verein hofft auf weitere Mitstreiter, denn schon jetzt wird deutlich - die Sanierung des dorfprägenden Gebäudes mit seinem 55 Meter hohen Turm ist nicht nur Sache der zirka 200 Kirchenmitglieder. Förderanträge sind gestellt worden bzw. in Vorbereitung. Man hofft auf Spenden.

Um eine breite Öffentlichkeit für das Vorhaben zu sensibilisieren, findet am kommenden Sonnabend, 4. September, ein "Tag der offenen Kirchentür" in Stüdenitz statt. Ab 10 Uhr ist das Gotteshaus zugänglich. Musikalisch werden um 13 Uhr Ausstellungen eröffnet. Zu sehen sind Bilder von Mitgliedern des Kyritzer Malkreises. Ihnen diente natürlich auch die Stüdenitzer Kirche als Motiv. Außerdem gibt es eine kleine Exposition mit Dokumenten zur Geschichte der Kirche.

Ab 14 Uhr sind rund um die Kirche Kaffeetafeln gedeckt. Der Förderverein stellt sich ab 14.30 Uhr vor. Laura Ulrich spielt ab 15 Uhr auf der Buchholz-Orgel. Auch die Orgel ist sanierungsbedürftig, verzaubert jedoch durch ihren raumfüllenden Klang. Turmbesteigungen werden angeboten, und es gibt sachkundige Erläuterungen zum barocken Taufengel. Er und eine Bronzeglocke stammen noch aus der Vorgängerkirche. Drei Glocken hängen im Turm, von denen jedoch nur zwei geläutet werden. Die älteste, o. g. Bronzeglocke, stammt aus dem Jahr 1474 und ist beschädigt. Auch sie sollte, wie ihre zwei gleichaltrigen Schwestern, für Kriegsmaterial eingeschmolzen werden und lag bereits auf dem Glockenfriedhof in Oranienburg. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie ins Dorf zurückgeholt. Die anderen beiden Stüdenitzer Glocken sind Stahlglocken, die im Jahr 1921 als Ersatz für die eingeschmolzenen auf den Turm kamen.

Ein Konzert mit dem Stüdenitzer Volkschor findet ebenfalls am "Tag der offenen Kirchentür" ab 18 Uhr statt. Danach ist feiern an Feuer und Grill angesagt.

Zur Geschichte der zwei Stüdenitzer Gotteshäuser: Seit 1858 prägt die neogotische Kirche die Silhouette von Stüdenitz. Ihre Vorgängerin wurde 1856 abgerissen. Von ihr existiert kein Bild, keine Zeichnung, kein Bauplan. Bekannt ist, dass im 13. Jahrhundert unter der Herrschaft der Bischöfe von Havelberg eine frühgotische Feldsteinkirche gebaut wurde. 1856 zerstörte ein Blitzschlag den Turm des ohnehin baufälligen Gebäudes.

Der schlichte Innenraum der heutigen Kirche wird u. a. geprägt von der Kanzel, verziert mit Repliken der Apostel- und Evangelistenfiguren, die von 1820 bis 1821 in der Werkstatt von Daniel Rauch entstanden und die Karl Friedrich Schinkel für den Berliner Dom vorgesehen hatte.

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