Alte Ziegel sorgsam verpackt

Notsicherung des Alten Pfarrhauses in Groß Döbbern hat begonnen

Die Notsicherung des Alten Pfarrhauses in Groß Döbbern hat begonnen. Das Haus stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert, wurde im 17. und 18. Jahrhundert aufgestockt. Mit Schule und Kirche bildete es die wertvolle Mitte des ehemaligen Pückler-Gutsdorfes. Seit 1970 ist das Haus nicht mehr bewohnt. Bäume haben das Haus zum teil beschädigt. Ein Verein hat 25.000 Euro Spendengelder gesammelt, Fördermittel wurden genehmigt.

Von Marion Hirche

Pfarrhaus Groß Döbbern 
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Schon von weitem ist das wertvolle alte Gebäude gut sichtbar. In den letzten Tagen sind zahlreiche große Bäume gefällt worden. Mehrere Douglasien, eine Esche und eine Weide sind der Säge zum Opfer gefallen. Sie haben viele Jahre mit zur Verschlechterung des Zustandes des historischen Gebäudes beigetragen. Äste haben für den Einsturz des Schornsteins gesorgt, Weidenarme haben sich ins Mauerwerk gefressen. Diese Störenfriede sind durch Mitglieder des Fördervereins "Altes Pfarrhaus Groß Döbbern" und mit Unterstützung des Försters verschwunden. Im Gebäude sind Stützbalken eingezogen, sodass keine Decke mehr herunterbrechen kann. Die Balken wurden aus Spremberg und Drebkau gesponsort.

Um das Haus steht ein Gerüst, das zu günstigen Konditionen errichtet wurde. Darüber sind fünf Männer von der Firma Oehnaland aus Bochow auf das Dach geklettert. Über die möglicherweise auch schon morschen Latten sind sie bis zum First gekommen und beginnen von hier vorsichtig die Ziegel abzuheben.

Die gut erhaltenen Ziegel schicken sie per Rutsche nach unten. Hier werden sie von Männern aus Groß Döbbern aufgefangen und in Paletten gestapelt. Die, die zu Bruch gehen, landen im bereitstehenden Traktoranhänger. Alle Ziegel werden so von dem maroden Dach abgedeckt. Die meisten werden gerettet. Allerdings gibt es auch viele Stellen, die ohnehin schon "nackt" sind. "Die Ziegel werden jetzt sorgsam verpackt und zwischengelagert. Dann sollen sie wieder auf das Dach. Die alten reichen auf alle Fälle für die Vorderfront des Hauses, für die Rückfront wollen wir noch welche besorgen, die dazu passen", erklärt Wolfram Betker, der im Auftrag des Vereins die Arbeiten koordiniert.

Vereinsvorsitzender Peter Kaiser ist froh, dass bei dieser Notsicherung viele mithelfen. Es sind nicht nur Vereinsmitglieder, die heute hier mitarbeiten. Jürgen Müller bestätigt das: "Ich helfe mit, weil ich das Projekt gut finde. Im Verein bin ich nicht." Horst Knöfel ist auch mit von der Partie. "Ich packe gern mit an, allerdings bin ich nach wie vor nicht überzeugt, dass es mit diesem Projekt was wird." Vereinsmitglieder Bodo Nitschke und Peter Barth sind optimistischer.

Als letzter Schritt wird das Dach nun in dieser Woche von einer Klein Ossniger Firma dicht gemacht. Dann sind 25.000 Euro alle und alles ist nur auf "Schmalspur" gemacht. "Das ist allerdings nicht so schlimm, denn dann haben wir Zeit, können weitermachen, wenn wieder Geld da ist. Am wichtigsten war es jetzt, den weiteren Verfall des Hauses aufzuhalten und das ist uns gelungen", erklärt Wolfram Betker. Zunächst soll das Gebäude dann erst mal austrocknen die jahrelange Feuchtigkeit hat im Mauerwerk Spuren hinterlassen. Später soll es hier einen Vereinsraum, ein Café und Ausstellungsräume geben. Das ist Zukunftsmusik.

Damit es nicht allzu ferne Zukunft ist, plant der Förderverein die nächsten Aktivitäten, um Geld zu beschaffen: Am ersten Adventssonntag gibt es in der Kirche in Groß Döbbern ein Benefizkonzert der Geschwister Bock.

Lausitzer Rundschau vom 26. Oktober 2006

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