Prinzipielles "Nein" zu Projekt Kirchensanierung

Landkreis dafür Kreishandwerkerschaft: keine Ausnahme

Von unserem Redaktionsmitglied Bernd Schilling

Küstrinchen. Nur wenige Tage nach dem eigentlich für den 18. Oktober vorgesehenen Baubeginn am Turm der Küstrinchener Dorfkirche gab es vor Ort eine Art Krisensitzung. Das unter Einbeziehung der Jugendbauhütte und von Lehrlingen des Überregionalen Ausbildungszentrums (ÜAZ) Wriezen und Fachkräften vorbereitete Projekt war durch einen Negativbescheid der Kreishandwerkerschaft Uckermark hinfällig geworden.

Gemeinsam berieten Vertreter der evangelischen Kirche, des Fördervereins Dorfkirche Küstrinchen, des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und der Stiftung Maßwerk sowie des Architekturbüros Kreuzberg und Broniecki nun, wie in dieser Situation gerettet werden kann, was zu retten ist. Man zog auch örtliche Handwerker zu Rate, die mit einem Angebot, das einer großzügigen Sponsorenleistung gleichkäme, eventuell in die Bresche springen könnten.

Viele Bemühungen

Über viele Monate hatte es Bemühungen gegeben, trotz fehlender finanzieller Mittel mit der Kirchensanierung voranzukommen und den immer noch vom Einsturz bedrohten Turm instandzusetzen. Von den 70 000 veranschlagten Euro für die weiteren Arbeiten inklusive der Ausmauerung des offenen Gesimses konnten 20 000 Euro Eigenkapital aus verschiedenen Töpfen aufgebracht werden, so von der Stiftung Maßwerk, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Eigenmittel aus Spenden und Mitgliederbeiträgen sowie Sponsoring von Material. Die Realisierung des Bauvorhabens im Zuge der beruflichen Ausbildung von Lehrlingen bot die Chance, die aufwändigen Arbeiten doch zu finanzieren.

Der amtierende Uckermark-Landrat Reinhold Klaus hatte sich noch am 12. Oktober in einem Schreiben an den Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Uckermark, Rüdiger Fink, gewandt. Darin beschrieb er die bisherigen Anstrengungen zur Rettung der Kirche und den erreichten Baustand und führte überzeugende Gründe ins Feld, den Einsatz der Jugendbauhütte mit Unterstützung des ÜAZ Wriezen zu befürworten.

"Leider sind auf absehbare Zeit keine Fördermittel mehr von Land und Bund zu erwarten, das bewährte Programm ,Dach und Fach' wurde von Bundesseite ersatzlos und ohne Vorankündigungg gestrichen. Ohne ausreichende Fördermittel können jedoch keine Arbeiten an Firmen vergeben werden die wenigen verfügbaren Gelder lassen keinen vernünftigen Bauabschnitt zu. Das trifft leider nicht nur auf die Kirche von Küstrinchen zu", heißt es darin. "Doch hier gäbe es wenigstens einen Ausweg zur Rettung des Denkmals über das Überregionale Ausbildungszentrum Wriezen und den Einsatz der Jugendbauhütte im Rahmen einer beruflichen Ausbildungsmaßnahme. Dieses wäre überhaupt die einzige derzeit erkennbare Möglichkeit der Weiterarbeit an der Dorfkirche und der Rettung der bereits verbrauchten, mühsam eingeworbenen Mittel." Ausdrücklich unterstreicht Reinhold Klaus: "Hier findet keine Wettbewerbsverzerrung statt, weil diese Maßnahme ohne Jugendbauhütte und ohne ÜAZ nicht stattfinden wird. Die notwendigen Mittel für die Vergabe der Leistungen auf dem freien Markt stehen nicht zur Verfügung." Auch der Aspekt, dass mit diesem Projekt Jugendlichen, die ansonsten vielleicht ihre Heimat verlassen würden, "Appetit auf eine solche Lehre" gemacht wird, wird nicht unerwähnt gelassen.

Probleme verschärfen sich

Die Antwort vom Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Rüdiger Fink, auf ein analoges Unterstützungsersuchen des Architekturbüros kommt auf eine prinzipielle Ablehnung heraus. Die Kreishandwerkerschaft lasse sich nicht "die Pistole auf die Brust" setzen und für eine Situation verantworlich machen, die "wegen einer seit Jahren andauernden falschen Wirtschaftspolitik" entstanden sei. Dem Handwerk fehlten "die notwendigen Aufträge, um Arbeitsplätze zu erhalten, um neue zu schaffen oder um unserer jungen Generation mit einem Ausbildungsplatz eine gesicherte Zukunft zu ebnen". Der Geschäftsführer räumt ein, dass Lehrlinge aus Bildungseinrichtungen sinnvolle und gesellschaftlich wertvolle Arbeit leisten sollen, aber damit würden keine Probleme gelöst, sondern diese weiter verschärft. Man habe deshalb "von Anfang an solche Vorhaben abgelehnt"und stehe auch heute noch dazu. Man sehe bei einer Zustimmung zu einer Ausnahme eine Antragsfülle auf die Handwerkerschaft zukommen.

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