Kirche wurde erst nach dem Krieg zur Ruine

Förderverein will Gotteshaus vor Verfall retten

Hohenjesar (GMD) Die Kirchenruine kann man nicht mehr nutzen, deshalb finden sich in Hohenjesar sowohl Protestanten als auch Katholiken in der einstigen Leichenhalle der Gutsherrenkirche zusammen. Die Kirche droht durch die Verwitterung einzustürzen. Der Förderverein "Freunde der Kirche Hohenjesar e.V." will das verhindern.

Von Frank Schwarz

 
Arbeitseinsatz auf dem Kirchengelände: Alfred Müller (vorn) und Kay Kalies mit Sohn Chris gehören zu den fleißigen Helfern, die vorallem das Laub von den Wegen harken. Die Kirche von Hohenjesar droht einzustürzen, wenn nicht bald etwas zu ihrer baulichen Sicherung geschieht. Darum will sich ein Förderkreis kümmern.
Foto: Johann Müller

Pfarrer Martin Müller und die Vorsitzende des Fördervereins "Freunde der Kirche Hohenjesar", Annett Malke, stehen vor der Kirche und zeigen auf die maroden Wände des Kirchenschiffes. "Wir mussten etwas tun, weil die Einsturzgefahr immer größer wurde. Außerdem fiel immer öfter Putz von den Wänden des Turmes, so dass Friedhofsbesucher gefährdet wurden", berichtet der Pfarrer. Allein für die Sicherung der Bausubstanz der Kirche müssten nach einer Schätzung eines Experten etwa 170 000 Euro aufgebracht werden.

"Das konnte nicht so weitergehen. Wir wollen einfach nicht hilflos zusehen, wie dieses Baudenkmal zerfällt und haben den Förderverein gegründet", erklärt Annett Malke. Es sei illusorisch zu glauben, dass man das nötige Geld für die Sicherung der Kirche schnell zusammen bekäme.

"Das Interesse am Erhalt der Kirche im Dorf ist groß, das habe ich bei einer Spendensammlung bereits gespürt", sagt die engagierte Frau und zuckt gleichzeitig bei der Frage, wie lange es denn dauern könnte, bis die Summe aufgebracht sei, mit den Schultern. "Ich denke fünf Jahre dauert das bestimmt. Ich hoffe nur, dass die Kirche dann noch steht."

Auf dem Gelände der Gutsherrenkirche von Hohenjesar sind mehrere Anwohner damit beschäftigt, das zahlreich herumliegende Laub zu harken und von den Wegen aufzusammeln. Gemeindeglieder und Dorfbewohner haben sich zu einem Arbeitseinsatz getroffen, um das historische Areal nach besten Kräften sauber zu halten und für Besucher attraktiv herzurichten.

Die einstige Besitzerfamilie von Burgdorff ließ die Gutsherrenkirche vor etwa 300 Jahren errichten und von 1721 bis 1723 mit Stilelementen des Barock umbauen.

In den letzten Kriegstagen 1945 waren fast alle Gotteshäuser im Oderbruch zerstört worden, wobei man vor allem die Kirchtürme gezielt gesprengt hatte. Anders bei der Kirche in Hohenjesar. Das Objekt wurde zwar mit drei Einschüssen im Kirchenschiff getroffen, aber von einer großen Zerstörung konnte man damals noch nicht sprechen. "Das ist ein schwieriges Kapitel in der Dorfgeschichte, denn diese Kirche ist erst nach dem Krieg zur Ruine geworden", erzählt Pfarrer Martin Müller. Der Taufstein steht als einziges Originalinventar verlassen im Innenraum und kleine Malereien sind schutzlos der Witterung ausgesetzt.

Die Bedeutung der Kirchen gerieten in der einstigen sowjetischen Besatzungszone zur Nebensache, so dass nach und nach die Baumaterialien der Kirche abgetragen oder schlicht gestohlen wurden. Den Rest erledigte der Zahn der Zeit. In den 70er Jahren sind dann die Dachbalken eingestürzt, so dass im Kirchenschiff inzwischen kleine Baumstümpfe herausragen. "In den Wänden ist Hausschwamm im Mauerwerk und immer öfter bröckeln Teile ab", sagt Annett Malke. Man wolle vor allem die so genannten Kapitelle, das sind besondere Figuren an den Säulen als Stukkarbeiten, mit kleinen Dächern versehen, um eine weitere Verwitterung durch die Feuchtigkeit zu verhindern.

Die Hoffnungen richten sich auf ein mögliches Förderprogramm in den nächsten Jahren, mit dessen Hilfe man auch den Kirchen im Pfarrsprengel von Martin Müller eine Chance vor dem Verfall geben könnte.

Märkische Oderzeitung vom 25. Oktober 2004

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