Cowboytanz im Gotteshaus

Stimmungsvolle Benefiz-Party für die Restaurierung von Wansdorfs Kirche

MONIKA BERGMANN

WANSDORF Die "Thunder Devils" in der Kirche? Das klingt wie Blasphemie. Aber in diesem Fall sollte das Tanz-Duo, das unter diesem Namen eine heiße Show-Tanz-Einlage auf das Kirchenparkett legte, die Spendenfreudigkeit der Anwesenden für die Restaurierung der Kirche fördern. Der Förderverein der Dorfkirche Wansdorf hatte am Sonnabend mit den "Beauty Forest-Line Dancern" (übersetzt: Schönwalder Line-Dancer) zur Benefiz-Party eingeladen und für alle Fans dieses Tanzstils ein buntes Programm zusammengestellt.

Schon bei den ersten Beats der Zwei-Mann-Band "Chili" aus Berlin, fanden sich circa 30 Tänzer, teilweise in zünftiger Country-Tracht auf der Freifläche ein, um gemeinsam die Schrittfolgen auszuführen. "Das ist eine der Besonderheiten des Line-Dance, dass die Anhänger dieses Tanzsports nicht erst warten, bis sich andere auf die Tanzfläche trauen, sondern es geht sofort beim Erklingen der passenden Musik los", erklärte Heinz Bode von der Interessengemeinschaft der Line-Dancer in Schönwalde. Da der ehemalige Cowboytanz sich besonders bei Kindern großer Beliebtheit erfreut, gab es in der Wansdorfer Kirche gleich drei Auftritte von den jüngsten Tänzern aus Oranienburg, Perwenitz und Schönwalde. Bei einem anschließenden Workshop konnten auch Neueinsteiger von einer Berliner Tanzlehrerin einige Schritte des, aus Amerika stammenden, Tanzes erlernen. Die Show der "Thunder Devils" beendete das offizielle Programm und danach durfte noch bis in die Nacht hinein zu Klängen von DJ Heinz Bode der Kirchenboden zum Schwingen gebracht werden. "Wir sind sehr froh und dankbar, dass der Gemeindekirchenrat mit solch vielfältiger Nutzung der Wansdorfer Kirche einverstanden ist", sagte Christian Maechler, Vorsitzender des Fördervereins. "Für die Sanierung der Kirchensubstanz benötigen wir eine Menge Geld, und durch solche Veranstaltungen wird unser Guthaben aufgestockt. Außerdem bringt es ein wenig Schwung in die Gemeinde. In erster Linie ist in der Kirche eine Sanierung des Fußbodens im Altarraum notwendig, da der bereits von einem Pilz befallen ist", sagt Christian Maechler. Außerdem wären eine Heizung und eine einheitliche Bestuhlung wünschenswert. "Vor vier Jahren wurde mit Mitteln der Gemeinde das Kirchendach saniert, aber der Denkmalschutz verlangt nun nachträglich noch einen Umbau der Traufe, der uns allein zehntausend Euro kosten wird", ergänzt Schatzmeister Siegfried Spallek.

Das im 14. Jahrhundert erbaute Kirchengebäude, ist tatsächlich in keinem sehenswerten Zustand. Löcher in der Fassade und Risse im Putz sind nur die äußeren Anzeichen des Verfalls. In den 1970er Jahren kamen Barockkanzel und Altar abhanden und die Patronatsloge, die an der Längsseite der Kirche angebaut war, wurde abgerissen. Die Kirchenglocken wurden mehrmals für die Waffenproduktion eingeschmolzen. Der Förderverein, der sich seit gut einem Jahr um das Gotteshaus bemüht, hat jetzt einen Architekten mit einer Bestandsaufnahme beauftragt. In Absprache mit der Denkmalschutzbehörde soll ein Anforderungskatalog erstellt werden, um konkrete Gelder bei Gemeinde und Land zu beantragen. "Anfang 2000 wären wir um ein Haar die größten Finanzprobleme los gewesen, als sich ein Investor für das Wansdorfer Schloss und damit auch für die Kirche interessierte", erzählt Siegfried Spallek. "Ein Hotel mit Kongressräumen, gehobener Gastronomie und Wellness-Bereich sollte entstehen, aber kurz bevor es zur notariellen Vertragsunterzeichnung kam, entschied das Berliner Abgeordnetenhaus, dass der Preis zu gering sei und besiegelte damit das heutige Schicksal von Schloss und Kirche."

Der Förderverein hat jetzt einen offenen Brief an Ministerpräsident Matthias Platzek geschickt und auf die prekäre Lage der Kirche hingewiesen. Die Antwort steht aus.

Märkische Allgemeine vom 23. Oktober 2006

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