Melzower Orgel soll wieder aus dem Dornröschenschlaf erwachen

Förderverein organisiert auch im kommenden Jahr Konzerte

Dorfkirche Melzow - Orgel

Melzow (sw). Ein Hinzugezogener schaut zuweilen genauer auf die Dinge vor Ort als Heimische, er sieht noch Sachen, die andere schon nicht mehr wahrnehmen. So erklärt sich vielleicht, dass ausgerechnet ein Neu-Melzower die Initiative ergriff und Kräfte mobilisierte, um die alte Orgel in der Kirche von Melzow wieder zu neuem Leben zu erwecken.

Georg Kallweit's Blick für das Musik historische Kleinod ist in dieser Hinsicht mehrfach geschärft. Schließlich ist der gebürtige Greifswalder von Hause aus Musiker, ein Geiger zwar, doch ein Mann mit Faible für alte Musik. Der 36-Jährige spielt in einem Ensemble für alte Musik, das der Königin der Instrumente sicher auf besondere Weise zugetan ist.

Seit etwa 25 Jahren kennt Georg Kallweit Melzow, das Haus in der Grünheider Straße nur einen leisen Glockenschlag von der Kirche entfernt, bewohnte er bereits längere Zeit, bevor er vor drei Jahren mit seiner Familie ganz hier Fuß fasste.

Gemeinsam mit Pfarrer Johannes Reimer lenkte er im Frühjahr dieses Jahres ganz bewusst den Orgelsachverständigen Martin Rost aus Stralsund auf seiner Reise durch die Uckermark auch an die Orgel in der Melzower Kirche. Rost war überwältigt. Denn das einstige Handwerkerdorf hatte sich 1875 eine überdurchschnittliche gute, große und handwerklich solide gebaute Orgel der Firma Gesell geleistet. Die ist, obwohl seit den 60er Jahren unbespielbar, in ihren Bestandteilen unverändert und nahezu komplett.

Marder scharf auf Zinn

Nur die Marder, scharf auf das süße Granulat an den oxydierten Zinnpfeifen und das Leder an den Bälgen und Windladen, hätten dem Instrument zugesetzt. Der Aufwand, die Orgel wieder zum Spielen zu bringen, belaufe sich auf rund 40 000 Euro.

"Für eine Orgel keine astronomische Summe, für ein kleines Dorf viel", weiß Kallweit. So schickte er sich im Frühjahr dieses Jahres in die Spur, Mitstreiter zu finden. Er fand sie im Dorf und bei seinen Musikfreunden. In Bäckermeister Werner Hermann, Tischler Erwin Huhnholz aus Melzow zum Beispiel. "Rentner schon, aber mit unheimlich viel Power", begeistert sich der Musiker. Der Potzlower Pfarrer Johannes Reimer mache mit, Werner Mertens, ein Buchhalter, der am Oberuckersee sein Wochenendhaus hat.

Der Verein "Freunde der Melzower Kirche" e.V. wurde im Juni dieses Jahres gegründet. 36 Mitglieder zählt er bereits. Die Melzower begriffen das Projekt schnell als das Ihre. Der Stromanschluss für den Blasebalg an der Orgel wurde schon aus eigener Kraft gelegt. Gemeinsam organisierten die Freunde erste Sommerkonzerte. Acht bis zehn Dederon beschürzte Frauen aus dem Dorf rückten jedes Mal ohne viel Worte an und putzten vorher die Bänke. Andere schleppten Dankeschön-Körbe für die Benefiz-Musiker herbei.

2700 Euro kamen an Spenden für die Orgel zusammen.

Auch im nächsten Jahr sollen wieder Konzerte stattfinden, die sich vor allem der Nachwuchsförderung widmen. Kallweit hat den Kinderchor der Musikschule Angermünde ebenso im Blick wie ein Konzert zum Abschluss des Kammermusikseminars, das ein Professor aus Berlin mit seinen Studenten in der Melzower Kirche abhalten will. Kallweit schwebt gemeinsam mit Pfarrer Reimer vor, die restaurierte Orgel einmal Schülern zur Übung zur Verfügung zu stellen, die dann als Kantoren auf Zeit für die Melzower Kirche bestellt würden.


 
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