WUCHTIGES WAHRZEICHEN IN NOT

Beelitzer Stadtpfarrkirche muss dringend saniert werden

JOSEF DRABEK

BEELITZ Sie ist das historisch älteste und wertvollste, Marktplatz und Straßen dominierende Gebäude der „Spargelstadt“, ein wuchtiges Wahrzeichen der Zauche sowie bedeutendes Baudenkmal in Brandenburg und über die Landesgrenzen hinaus: die Stadtpfarrkirche St. Marien-St. Nikolai.

Wenig bekannt dürfte sein, dass dieses bemerkenswerte Zeugnis der Geschichte und touristische Kleinod sich in einem bedrohlichen Bauzustand befindet, weil schwere Schäden voranschreiten, die eine umfassende Sanierung des Baukörpers dringend erfordern. Zu diesem Anliegen hatte der Gemeindekirchenrat für den vergangenen Montag Spezialisten, Bürger und andere Interessierte zu einem Informationsabend eingeladen und mehr als 20 Personen waren auch erschienen.

Eine Vertreterin des Ingenieurbüros für Baustatik und Sanierungsplanung Dahlewitz-Hoppegarten (ibs) erinnerte in ihrem Vortrag zum aktuellen baulichen Zustand der Stadtpfarrkirche an das Holzschutzgutachten von 2001, aus dem hervorging, dass es neben der zerstörerischen Wirkung des Schwammbefalls grundlegende, umfangreiche Schäden gibt, die hauptsächlich durch Wasser verursacht werden. Die Umverlegung von Gräben und ähnlichen Anlagen ließ das Grundwasser erheblich steigen, das sich unter dem Fußboden staut und zu Pfeilern und Wänden weitergeleitet wird. Da das Gelände um das Gotteshaus im Laufe der Zeit erheblich erhöht wurde, drückt Seitenwasser auf die ungeschützten Wände und verstärkt die Nässezufuhr. Schließlich führen Entwässerungsmängel von Kirchendach und Marktplatz dazu, dass Wasser nicht genügend und schnell genug abfließt und bei starkem Regen durch die tiefer liegenden Türen in das Innere läuft. So steigt überall Nässe hoch, führt zu hoher Luftfeuchtigkeit, die ihrerseits dem Putz und den Einbauten schadet.

Trockenlegung ist vordringlich

Daher formuliert das Sanierungskonzept des ibs von 2002 als wichtigste Aufgabe die Trockenlegung des Gebäudes. Vordringlich wäre eine Änderung der Regenwasserführung und eine Abgrabung der Aufschüttungen, die tiefer liegende Außenwände freilegt, das Seitenwasser fernhält und die Verdunstungsfläche vergrößert.

Nach Aufnahme des Fußbodens könnte unteres Mauerwerk saniert und eine offenporige Oberfläche geschaffen werden. Den Innenputz sollte man abschlagen, damit die Wände austrocknen können, für die Pfeiler wird Trocknung durch Injektionsverfahren empfohlen. Isolierung sei aber auch für die Wände erforderlich, wurde in der anschließenden Diskussion vermerkt. Schließlich wäre ein Lüftungskonzept zu erarbeiten, dessen Umsetzung in Verbindung mit einer Sockelheizung eine bessere Temperierung gewährleistet.

Das alles wird viel Kraft und Geld kosten und macht deutlich, dass die Sanierung bürgerschaftliches Engagement und die Zusammenarbeit vieler erfordert. Wie Pfarrer Olaf Prelwitz einleitend und moderierend sowie der Berliner Historiker und Stadtplaner Dieter Hoffmann-Axthelm in seinem Vortrag „Bedeutung der Kirche als Baudenkmal und ortsbildprägendes Element“ betonten, muss das in besonderem Maße Anliegen der Stadt sein. Das fängt damit an, dass ihr das Gelände um die Kirche gehört. Am Bau des Gotteshauses hatte sich einst die gesamte Kommune beteiligt. Es war Gründungskirche der Stadt, Symbol ihres Werdens und Wachsens, größter Raum für viele Menschen, die aus dem Ort, der Umgebung und von weither als Wallfahrer kamen. Daher ist die Erhaltung der Stadtpfarrkirche auch Anliegen des Kreises und Landes, denn schließlich war sie früher Eigentum des Landesherren und dieser ihr Patron.

Um Sensibilisierung und Engagement zu wecken und zu entwickeln, soll ein überkonfessioneller, juristisch eigenständiger, selbstständig arbeitender Förderverein gegründet werden. Seine Tätigkeit richtet sich auf die Sanierung der Kirche, die Beschaffung notwendiger finanzieller Mittel und die Erarbeitung eines Nutzungsplans für das Gebäude. Es soll noch mehr Informationsstelle und Treffpunkt, Ort für Vorträge, Ausstellungen und andere Veranstaltungen sein.

Eine wichtige Rolle spielt der Kontakt zum „Verein des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg“. Da der Geschäftsführer seinen Vortrag „Wege zu einer zukunftsorientierten Erhaltung“ aus gesundheitlichen Gründen nicht halten konnte, informierte die Vorsitzende vom Öffentlichkeitsausschuss des Gemeindekirchenrates über die vielfältigen Hilfsmöglichkeiten jenes Vereins.

Zusammenkunft in vier Wochen

Etwa in vier Wochen soll auf Einladung des Gemeindekirchenrates eine weitere Zusammenkunft stattfinden, um den Förderverein zu gründen. Bis dahin müssten möglichst viele gefunden werden, die an einer sanierten, gemütlichen und schönen Kirche interessiert sind. Das ist nicht nur wichtig für die Gläubigen, sondern für Gewerbetreibende, Vereine und Bürger der Stadt, der Region und darüber hinaus. Das Themenjahr „Kulturland Brandenburg“ kann dafür wertvolle Impulse geben und Initiativen wecken.

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