Nur Kot und alte Nester

Kupferkugel vom Barsikower Kirchturm barg keine Schätze

SANDRA BELS

Die Vereinsvorsitzende Barbara Linke zeigt auf ein Einschlussloch in der Kupferkugel des Barsikower Kirchturms 
Die Vereinsvorsitzende Barbara Linke zeigt auf ein Einschlussloch in der Kupferkugel des Barsikower Kirchturms.
Foto: Hans-Werner Thormann

BARSIKOW Außer Vogelkot und Nistmaterial befand sich nichts in der Kugel des Barsikower Kirchturms. Das findet Barbara Linke schade. Die Vorsitzende vom Freundeskreis der Barsikower Kirche ist auch Mitglied im Kirchenrat und war gestern dabei, als Bauarbeiter Kugel und Wetterfahne vom Kirchturm herunterholten.

Dabei besagt die Chronik des Ortes, dass die Kugel etwa um 1900 schon einmal den Kirchturm verlassen hat. Damals wurde wie heute am Turm gebaut. Es ist dokumentiert, dass sich im Kupferball Münzen und Dokumente befanden. Festgehalten wurde ebenfalls, dass die Russen 1945 auf die Kugel geschossen haben. Dorfbewohner beobachteten das. Außerdem sind die Einschüsse heute noch zu sehen.

Das Gotteshaus wurde im 15. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt. "Der Baustil sagt aber aus, dass die Kirche deutlich älter sein muss", so die Vereinsvorsitzende. Sie beobachtet jeden Schritt der gegenwärtigen Sanierung ganz genau. Der Turm ist eingerüstet, deshalb gibt es von außen auch nicht viel zu sehen. Im Innern tut sich aber einiges. So werden drei Ringanker zusätzlich eingebaut, um den Turm stabiler zu machen. Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten mussten Kugel und Wetterfahne von der Spitze abmontiert werden. Ein Betrieb in Vetschau arbeitet beide Teile auf. Sie sollen später wieder die Spitze zieren. Neben den Ringankern kommt auch Holz bei der Sanierung zum Einsatz. Etwa zehn Kubikmeter werden in der Turmhaube und im Dachstuhl verbaut.

Dann geht es an die Außengestaltung. Maler geben dem frischen Putz einen neuen Anstrich in Graugrün. "Spezialisten fanden heraus, dass dies der Original-Farbton von 1743 ist", erzählt Barbara Linke. Türen und Fenster werden grau gestrichen. Und noch etwas ist vorgesehen. Innerhalb der Sanierung erhält der Kirchturm seine beiden Uhren wieder, so Barbara Linke.

Gebaut wird seit dem 1. September. Im Dezember sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Die Stiftung "Kirchliche Baudenkmäler und Landeskirche" unterstützt das Vorhaben. Außerdem sucht der Freundeskreis noch Spender. Seine Mitglieder überlegen zudem, womit sie die Kupferkugel bestücken können, wenn sie von der Restaurierung zurück ist. (Ostprignitz-Ruppin)

Märkische Allgemeine vom 18. Oktober 2006

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