Richtfest in Küstrinchen / Donnerstag 17.10.02 14.00
(Ansprache von Pfr. Gerhard Stechbart)

Kirchen und Klöster sind Lichträume in dunkler Zeit, sie sind Orte der Ruhe und der Besinnung für die Menschen auf ihrem Lebensweg – für die hier wohnenden und für die Vorübergehenden. Kirchen sind Zielpunkt und Kraftquelle und Zufluchtsort für alle Menschen. Sie sind ein Zeichen, ja wie ein Traum aus einer anderen Welt. Was wäre unser Leben ohne solche Orte, was wäre unser Dorf Küstrinchen ohne seine, ohne unsere Kirche? Manchmal merken wir erst, wenn wir etwas verlieren, was wir hatten, doch meist ist es zu spät. Zu spät war es fast auch für die Rettung dieser Kirche, und wer hätte von uns allen daran noch vor einem Jahr geglaubt, dass wir heute Richtfest feiern.

Gott sei Dank sind Menschen wach geworden und haben zur Rettung dieser Kirche Anstoß und aktive Hilfe gegeben. Stellvertretend für viele Namen, die hier zu nennen wären, nenne ich: Herrn Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen, die Denkmalschutzbehörde, den Förderverein zur Rettung der Kirche Küstrinchen (Vors. Herr Schweinberger), Pastor Fliege mit seiner unvergesslichen Andacht zum Karfreitag in der verfallenen "Mutter Kirche", das ORB-Fernsehteam mit Herrn Keil und seinen aufrüttelnden und Mut machenden Berichten, die Denkmalpflege GmbH Prenzlau, das Diakonische Werk Angermünde, die vielen fleißigen Arbeiter der Vergabe-ABM und ihre Vorarbeiter und die vielen fleißigen Helfer, die ich hier mit Namen gar nicht alle nennen kann – Menschen aus diesem Dorf, aber auch von weit her.

Sie alle haben dazu geholfen, dass die Kirche in Küstrinchen im Dorf bleibt – als Ort des Lichts für dunkle Zeiten, als Ort der Ruhe und Besinnung, als Kraftquelle und Zufluchtsort für alle Menschen, die auf dem Wege sind und solche Orte suchen.

In Griechenland auf der Insel Kreta war ich noch gestern, dort fanden wir an vielen Orten Kirchen und Klöster aus oft uralter Zeit. Die Menschen waren und sind z. T. sehr arm, über Jahrhunderte durch Venezianer oder Türken beherrscht. Ihre Kirchen und Klöster haben sie bis heute gerettet, denn diese Orte waren ihr Reichtum, ihre Kraft- und Hoffnungsquellen. (Sind wir heute zu reich geworden, um uns noch eine Kirche leisten zu können?) Dies soll für uns alle und für viele andere Menschen unsere Kirche in Küstrinchen nun auch bald wieder sein. Ich denke, sie ist es schon, denn was gibt es für ein besseres Zeichen dafür, wenn ein ganzes Dorf und viele "Fremde" sich dafür zusammentun, auch viele, die gar nicht in der Kirche sind.


 
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