"Wir sind nicht irgendeine Dorfkirche"

Von Silke Müller

  Schinkel-Kirche Neuhardenberg

Neuhardenberg (MOZ) Dem Förderverein der Schinkel-Kirche Neuhardenberg ist am Sonnabend in Neuruppin der diesjährige Schinkel-Preis der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft Neuruppin verliehen worden. In der Siechenhauskapelle erhielt neben dem Neuhardenberger Verein auch der Neuruppiner Möbelrestaurator Manfred Neumann diesen Preis.

Als Christa Starke und Uwe Rosenberg vom Förderverein Schinkelkirche Neuhardenberg einen Schinkelpreis entgegennehmen durften, konnten sie sich mehr als freuen darüber. Ehrenamtliches Engagement wurde so nicht nur gewürdigt, sondern durchaus auch als wichtiger Teil der Arbeit zur Sicherung des kulturellen Erbes gesehen. Der bisherige Pfarrer von Neuhardenberg Wolf Fröhling versicherte in seiner Laudatio, dass der Preis beim Förderverein "in mehr als guten Händen" sei. Fröhling weiß, dass zwar in vielen Orten Brandenburgs der Baumeister Karl Friedrich Schinkel seine architektonischen Spuren hinterlassen hat, aber oft genug den Menschen gar nicht bewusst ist, welch kulturhistorische Besonderheit ihr Ort zu bieten hat. Genau an dieser Stelle beginnt das Wirken des Neuhardenberger Vereins. Laudator Fröhling erinnerte an jenen wichtigen Satz, den die Neuhardenberger ehrenamtlichen Kirchenführerin und engagierten Vorstandsdame Christa Starke einst im Rundfunk sagte: "Wir sind keine Dorfkirche, wir sind eine Schinkel-Kirche."

"In der Tat: Bereits der ganz junge Karl Friedrich Schinkel bekam im zarten Alter von 19 Jahren den Auftrag, nach dem verheerenden Dorfbrand von 1801 Pläne zu erstellen zum Wiederaufbau des Dorfes und der Kirche. 1809 konnte die Kirche im Dorf Neuhardenberg am Rande des Oderbruchs wieder eingeweiht werden, der Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg, Namensvetter von Karl Friedrich Schinkel bis hin zur damals nicht gerade gewöhnlichen, jedoch verbürgten Schreibweise des Vornamens mit K, beteiligte sich an der Planung zur Umgestaltung der Kirche, so dass am 31. Oktober 1817 zum 300. Jahrestag der Reformation die Kirche in Neuhardenberg feierlich ihrer Bestimmung übergeben werden konnte, wiewohl sie als Gotteshaus bereits wie erwähnt 1809 wieder in Geltung kam", erinnerte Fröhling an die Geschichte der Neuhardenberger Kirche.

"Zahlreiche Umgestaltungen musste die Kirche über sich ergehen lassen in Zeiten, wo man das Innere von Kirchen dem jeweiligen Geschmack und Zeitgeist suchte anzupassen. 1888 ist eine gravierende Umgestaltung nachweisbar, für das Jahr 1942 verbürgt ist das Wirken eines Malers im restauratorischen Handwerk aus Spandau, der gegen Kost und Logis dem Inneren der Neuhardenberger Kirche ein neues Gesicht gab", so Fröhling. "Waren die Umgestaltungen von 1888 und 1942 eher farblicher Natur, beschränkt auf Fußboden und Emporen, wurde 1953 eine erheblichere Umgestaltung vorgenommen, indem der Gestühlsblock in der Mitte der Kirche durch einen Mittelgang zerteilt wurde - angeblich, so erinnern sich Zeitzeugen, wegen der vielen Trauungen nach dem Kriege, wo man die seitlichen Eingänge der Kirche stilllegte und den Turmeingang favorisierte, der bislang nur als Eingang für den Glöckner gedient hatte. Der räumliche Gesamteindruck wurde jedoch zerstört. Für die nächsten 51 Jahre war die Gemeinde teilweise gezwungen, hinter Säulen Platz zu nehmen. Der Pfarrer auf der Kanzel, die entsprechend der Emporenhöhe über dem Altar angebracht ist, hatte nicht den Blick auf die versammelte Gemeinde, sondern in erster Linie auf die zum Gottesdienst verspätet Eintreffenden. Das von Karl-Friedrich Schinkel angestrebte Ensemble des Innenraumes der Neuhardenberger Kirche ist folglich nicht allein unter baulichen Gesichtspunkten, sondern auch unter gottesdienstlichen und somit gemeindedienlichen Kriterien zu beurteilen." An genau dieser Stelle habe der Kirchenförderverein angesetzt und in fruchtbarer Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde und auch gegen deren Widerstände letztlich die Restaurierung der Kirche im Sinne "Schinkel 1817" plausibel gemacht und auf den Weg gebracht. Nicht zuletzt die argumentative Auseinandersetzung habe das Vertrauen zwischen Christen und Nichtchristen gefördert, die für das Vorhaben unumgänglich sei.

Die finanziellen Risiken seien zudem auf originellem Weg angegangen worden. Fröhling erinnerte an die Sternenpatenschaften, die einen Großteil des nötigen Geldes einbringen.

Mit der Sanierung der Schinkelkirche ist längst nicht die Arbeit des Fördervereines beendet. "Wenn nun am 4. Dezember die Orgel aus der Schinkel-Zeit wieder erklingen soll - erstmals seit 1917 - so ist es wiederum das Verdienst des Fördervereins", so Fröhling. "Es kann nach allem Gesagten folglich keine Zweifel geben: Der Schinkel-Preis 2004 ist beim Förderverein Schinkel-Kirche Neuhardenberg in mehr als guten Händen."

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