Noch schwer einzuschätzen

Seit einer Woche laufen die Arbeiten an der Stadtkirche in Liebenwalde

DAVID C. LERCH

Liebenwalder Kirche 
Seit einer Woche laufen die Sanierungsarbeiten an der Liebenwalder Kirche.
Foto: Lerch

LIEBENWALDE Bisher haben die Bürger und Touristen von Liebenwalde wenig von den Sanierungsarbeiten der Stadtkirche mitbekommen. Das ändert sich heute: Außer- und innerhalb der Kirche am Marktplatz wird ein Gerüst errichtet. Seit Anfang vergangener Woche laufen die Arbeiten an der Kirche, die bereits lange anstanden und deren Finanzierung lange Zeit als unsicher galt (MAZ berichtete).

Geplant ist, den maroden Dachstuhl des Kirchengebäudes zu sanieren und umzubauen sowie anschließend Teile der Außenfassade neu zu verputzen und Zimmererarbeiten im Schiff der Kirche durchzuführen. Wie lange die Baumaßnahmen insgesamt dauern sollen, bleibt unklar. Pfarrer Volkmar Gartenschläger möchte sich dazu bewusst nicht äußern. Sicher ist allerdings, dass mindestens bis Ende 2007 gebaut wird. Die Gesamtkosten von 590 000 Euro tragen gemeinsam die Kirchengemeinde, der Kirchenkreis, die Stadt Liebenwalde und die Landeskirche. Auf 46 000 Euro beläuft sich dabei der Beitrag der Kirchengemeinde. Rund die Hälfte wurde bereits erbracht, der Rest steht noch aus. "Diese Bauarbeiten gehen finanziell gesehen ganz schön ans Eingemachte", erklärt Gartenschläger, "wir haben alle unsere Rücklagen aufgebraucht, haben schon viel Spenden erhalten, für die wir sehr dankbar sind, aber wir bitten weiterhin in einem nie da gewesenen Maße um Unterstützung."

Nach der ersten Arbeitswoche sind im Innern der Kirche mehrere Gegenstände mit Schutzschichten versehen. Um die Orgel auf der Empore, die Kanzel und auch den Ofen aus Gusseisen wurden blaue Folien gepackt. Apropos Schutz. Bis Mitte dieser Woche sind die Arbeiter damit beschäftigt, das mit dem Insektizid DDT versetzte Holzschutzmittel Hylotox von den Dachbalken zu entfernen. Dazu wurde im Kirchenschiff am Aufgang zum Turm eine provisorische Schleuse eingerichtet, um die giftigen Stoffe zu entfernen. "Dieses Vorgehen ist an alten Kirchen in Ostdeutschland keine Seltenheit, weil Hylotox in der DDR regelmäßig eingesetzt wurde", erklärt die zuständige Architektin Sibylle Stich aus Potsdam, die Erfahrung mit der Sanierung von Kirchen besitzt.

Im nächsten Schritt soll heute das Gerüst aufgestellt werden, damit ab Donnerstag ein Teil der Dachdecke abgenommen werden kann. Erst dann könne man genau sehen, wie groß der Schaden im Dachstuhl wirklich ist, so die Architektin. Bisher wisse man, dass Deckenbalken mit Hausschwamm und Nassfäulepilzen befallen sind, aber der Gesamtzustand des umbaubedürftigen Kirchengebäudes ließe sich noch schwer einschätzen. (Oberhavel)

Märkische Allgemeine vom 10. Oktober 2006

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