Für Kontinuität in der Kultur

In der Bölzker Kirche wurde "Der Geizige" von Molière gespielt

BERND ATZENROTH

BÖLZKE Die kleine Kirche fasste die Menschen kaum: Etwa 70 Zuschauer wollten gestern nachmittag in Bölzke eine Theateraufführung sehen und standen sogar dicht gedrängt unter den Scheinwerfern auf der kleinen Empore des Gotteshauses. "Der Geizige" von Molière stand auf dem Programm - witziges klassisches Theater mit farbenfrohen Kostümen und einem guten jungen Ensemble: Das seit 2001 existierende "Theater in der Kirche" begeisterte sein Publikum.

"Wir versuchen eine Zusammenarbeit zu initiieren", erklärte Susanne Gloger vom Förderverein zum Erhalt der Bölzker Kirche. Denn sowohl der Verein als auch das Ensemble sind auf Spenden angewiesen. Wie immer bestand in Bölzke der Eintritt in einer Spende. Der Erlös wurde unter den beiden Vereinen aufgeteilt. Den Schauspielern dient er zur Deckung ihrer Unkosten und Bölzke dem Erhalt der Kirche. Hier erhofft sich Susanne Gloger Synergieeffekte: "Wir wollen teilen, aber außerdem geht es darum, in Sachen Kulturdarbietungen eine gewisse Kontinuität zu erreichen." Insofern hoffte sie, dass die Besucher den Titel des Stückes nicht allzu wörtlich nehmen ...

Das "Theater in der Kirche" gab sich bereits im vergangenen Jahr die Ehre und führte in der Bölzker Kirche damals Lessings "Minna von Barnhelm" auf. "Der Geizige" wurde von Heidi Walier inszeniert. Das Ensemble führte das Stück den Sommer über in verschiedenen Dorfkirchen Brandenburgs auf. In Bölzke wurde es zum letzten Mal gezeigt.

Im Anschluss an die Vorstellung gab es einen zünftigen Imbiss; dafür waren eigens vor der Kirche Bänke, Tische und ein Zeltdach aufgebaut worden. "In Bölzke gibt es immer gutes Essen", erklärte Susanne Gloger, "darauf lege ich wert.

In diesem Jahr steht noch die traditionelle Adventsfeier des Vereins auf dem Programm. Noch ist aber nicht einmal sicher, ob diese in der Kirche stattfinden kann. Denn um das weitere Absinken des Gebäudes zu verhindern, soll in den kommenden Wochen Stützkonstruktion eingezogen werden. "Da muss ganz dringend etwas geschehen", erklärte Susanne Gloger. Seit 1998 gibt es den Verein, der die Kirche erhalten und sanieren, aber auch zum Mittelpunkt und zur kulturellen Stätte im Dorf machen möchte.

Märkische Allgemeine vom 09. Oktober 2006

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