Mit Überlieferung aufgeräumt

Kirche von Glienicke hat nichts mit acht Bauern zu tun

MARGITTA SCHIRGE

GLIENICKE Seit September 2004 gehört auch Glienicke zu jenen Dörfern der Wittstocker Region, die für die Sanierung ihrer Kirchen einen Förderverein beziehungsweise einen Förderkreis gegründet haben. Ingrid Blüschke aus Glienicke ist Lehrerin im Ruhestand und hatte als Vorsitzende des Fördervereins "Dorfkirche Glienicke" für Sonnabend zu einem Diavortrag über die Geschichte des Glienicker Kirchenbaus eingeladen.

Peter Schmidt, der Leiter des Neuruppiner Museums, räumte in seinem Vortrag in der vollbesetzten Dorfkirche mit der volkstümlichen Überlieferung für das Zustandekommen dieser ungewöhnlichen Achteckkirche auf. Wie die Legende sagt, stünde das Achteck dieser Kirche für die acht Glienicker Bauern, die das Geld für den Kirchenbau gegeben hätten. Es lebten aber zehn Bauern und vier Tagelöhnerfamilien zu jener Zeit im Dorf.

Das Patronat hatte der Landesherr, der auch das Geld zum Bau der Kirche gab. Die dortigen Bauern mussten lediglich Hand- und Spanndienste leisten. In der Bauphase der Kirche, also in der Zeit von 1815 bis 1817, mussten die Glienicker den vier Maurern und vier Zimmerleuten Herberge stellen, was ein Strohlager mit Kopfkissen einschloss. Aber selbst dass klappte nicht ohne einen vorherigen Beschwerdebrief.

Aber auch Auseinandersetzungen um die Entwurfsarbeiten waren den Urahnen der heutigen Einwohner nicht fremd. In den Differenzen darüber, was in Funktionalität, Ästhetik und Kosten der bessere Entwurf sei, setzte sich Karl Friedrich Schinkel durch. Er war zu dieser Zeit bereits als Geheimer Ober-Bauassessor in der preußischen Oberbaubehörde tätig und konnte den Wittstocker Bauinspektor überzeugen.

Glienicke bekam also mit seiner Achteckkirche einen Zentralbau in ungewöhnlicher Form. Den hohen ästhetischen Anspruch wollte Schinkel selbst im kleinsten und entlegensten Dorf durchsetzen.

Dass dabei die Turmkonstruktion alle folgenden Jahrzehnte hindurch immer wieder bauliche Sorgen bescherte, lässt im Nachhinein den Widerspruch des Wittstocker Bauinspektors gegen den Schinkelschen Entwurf in einem anderen Licht erscheinen. Heute ist von der aufwendigen Dachkonstruktion mit dem Spitzhelm nichts mehr zu sehen. Ein Notdach aus Pappschindeln lässt einstige Schönheit nur noch erahnen.

Heute informiert ein Faltblatt, herausgegeben vom Förderverein und der örtlichen Kirchengemeinde, über die Baugeschichte und die möglichen Varianten der Bauplanungen für die Sanierung des Schinkelbaues. Eine Bedachung ohne Turmaufsatz wird dabei jedoch nicht in Betracht gezogen.

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