BEDROHLICHE RISSE

Verein will Selbelanger Kirche retten

JENS WEGENER

 Dorfkirche Selbelang
 
Dorfkirche Selbelang

SELBELANG Die Risse an der östlichen Außenwand der St.-Nikolai-Kirche zu Selbelang werden immer größer und bedrohlicher. "Die Wand neigt sich vom Kirchenschiff weg, was wohl mit dem Dachstuhl zusammenhängt", sagt Erich Wallbaum. Ein Architekt habe kürzlich festgestellt, dass Konstruktionsfehler am Dach des denkmalgeschützten Bauwerkes die Ursache für das Abdriften der Wand seien. "Wir müssen das schnell stoppen, sonst wird die Kirche noch ganz gesperrt", befürchtet Wallbaum.

Der Selbelanger Rentner ist Vorsitzender des im März dieses Jahres gegründeten "Fördervereins Dorfkirche Selbelang e.V.", der mittlerweile 18 Mitglieder zählt. Der Verein wirbt um Spenden und Sponsoren und will die Fördermittelanträge der Kirchengemeinde Retzow (zu der Selbelang gehört) unterstützen. Die Jahresbeitrag liegt bei zwölf Euro, "damit möglichst viele Einheimische sich zum Mitmachen entscheiden können". Zu den Vorstandsmitgliedern gehört auch Ortsbürgermeister Erich Ball.

Der älteste nördliche Teil der kleinen Backsteinkirche entstand 1440. "Erst 1749 ist der barocke Turm mit seiner schiefergedeckten Haube hinzugekommen", weiß Erich Wallbaum. Weil die Gottesdienstbesucher immer wieder mehr Licht in der Kirche gefordert hatten, seien 1862 dann größere Spitzbogenfenster eingebaut worden.

Im Innern der St.-Nikolai-Kirche zu Selbelang findet man "kleine Schätze", allen voran der prächtige Portikusaltar. "Er ist mit Heiligenfiguren ausgestattet, die aus der Gotik stammen, genau wie die beeindruckenden Kreuzrippengewölbe", sagt Wallbaum. Sehenswert seien auch der hölzerne Kronleuchter und das Taufbecken.

Vor der Kirchengemeinde und dem Förderverein liegt eine gewaltige Aufgabe. "Das Kirchengebäude befindet sich in einem desolaten Zustand", fasst Erich Wallbaum zusammen. Auf insgesamt rund 250000 Euro werden die Sanierungskosten für die Kirche geschätzt. Darin enthalten sind auch etwa 30000 Euro, um die defekte Orgel wieder zum Klingen zu bringen. "Das jedoch", sagt Erich Wallbaum, "wird wohl erst der letzte Schritt." Zunächst gehe es darum, die Hülle und den Dachstuhl zu erhalten. Außerdem müsse das gesamte Mauerwerk trocken gelegt werden. Das zuständige Pfarramt Retzow (Pfarrer Frank-Norbert Möhring) hat bereits Fördermittelanträge unter anderem an die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz und an die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) gestellt. Noch ist darüber nicht entschieden. Die Kirchengemeinde muss einen entsprechenden Eigenanteil aufbringen. Wer helfen will, kann sich bei Erich Wallbaum unter Tel.(033237) 89360 melden.

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