Erdwärme heizt nun die Angerkirche

Gekühlte Solarstromanalage geplant

BABELSBERG Seit gestern zieht die Kirche auf dem Neuendorfer Anger ihre Wärme aus der Erde. Am Morgen wurde die 10 000 Euro teure Wärmepumpe installiert, gesponsert von der schwedischen Firma Nibe. Mittags füllte man 360 Liter Kühlflüssigkeit in die fünf Rohrkreisläufe; am späten Nachmittag wurde dann die Anlage in Betrieb genommen. Die Idee, die durch heimische Firmen wiedererrichtete Kirche unabhängig von fremder Energie zu machen, stammt aus der MAZ-Stadtredaktion.

Energetisch ganz unabhängig wird die Kirche aber erst im kommenden Jahr, wenn auf einem benachbarten Dach eine gekühlte Solaranlage installiert ist, die Strom nicht nur für die Technik im Gebäudeinneren erzeugt, sondern auch für die Wärmepumpe und einen Kompressor der Heizungsanlage. In 1,50 Metern Tiefe liegen neben der Kirche große Clina-Matten aus dünnen Plastikschläuchen in der Erde; in ihnen strömt eine Flüssigkeit, die immer ein paar Grad mehr hat als an der Oberfläche. Im umgekehrten Kühlschrankprinzip wird ihr immer wieder ihr kleines Energieplus entzogen; das bringt bis zu 18 Grad in der Kirche. In deren Wänden sind ebenfalls die von der Firma Clina gesponserten Kapillarrohrmatten verlegt bis auf Höhe der Besucherempore. Im Rücken der künftigen Zuschauer dort werden bis Dezember ebenfalls Heizmatten an die Wand gebracht, versteckt hinter der Brüstung, berichtet Baudenkmalpfleger Roland Schulze. Versteckt wird auch das moderne Schallschlucksystem, nämlich im Boden und in der Brüstung der Empore. Das Ingenieurbüro Ritter erarbeitet derzeit eine Lösung, die es so nur in der Angerkirche geben wird. Zu Weihnachten ist die Empore baulich fertig; dann kann Advent gefeiert werden.

Feiern will man hier künftig auch Hochzeiten. Dafür stellt der Förderverein bei Oberbürgermeister Jann Jakobs den Antrag, die Kirche zur Außenstelle des Standesamtes zu machen, wie schon das Pfingstberg-Belvedere. Ein Hochzeitspark soll entstehen, wenn jedes Hochzeitspaar einen Baum pflanzt am Anger. Jörg Wacker, Kustos für Gartendenkmalpflege bei der Schlösserstiftung, arbeitet zusammen mit dem Künstler Hubertus von der Golz an einem Gartenkonzept: Landschaft plus Skulptur. Das "Poetenpack" soll die "Bespielung" der Kirche mit eigenen und fremden Veranstaltungen organisieren.

In diesem Jahr wurden an der Kirche 100 000 Euro verbaut, alles in Sponsor- , Förder- oder Eigenleistung.

Märkische Allgemeine vom 17. November 2006

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