Prunkstück erstrahlt in neuem Glanz

Für die Restaurierung des Melzower Kirchen-Altars überreichte Ostdeutsche Sparkassenstiftung ihren 1000. Bewilligungsbescheid

Von Daniela Windolff

Melzow (MOZ) Der 1000. Bewilligungsbescheid für Fördermittel der Ostdeutschen Sparkassenstiftung ging in die Uckermark. Das kleine Dörfchen Melzow wurde von der Stiftung bedacht. Hier engagiert sich seit fünf Jahren ein Förderverein für die Sanierung der Kirche im Dorf.

Wie ein aufgeschlagenes Bilderbuch steht das Prunkstück an diesem Tag im Rampenlicht und erzählt Geschichten und Geschichte. Der Renaissance-Altar in der Melzower Kirche gehört zu den schönsten in der Uckermark. Über und über mit aufwändigen Schnitzereien und üppigen Verzierungen bestückt, hält der Altar die Blicke gefangen.

So etwas Schönes habe er selten gesehen, sagte Rainer Voigt bewundernd und meinte mit dem Altar auch das kleine Dorf Melzow, das sich in den vergangenen Jahren herausgeputzt hat. Rainer Voigt hätte vermutlich nie seinen Fuß auf diesen Flecken uckermärkische Erde gesetzt, hätte ihn nicht ein bedeutsamer Auftrag hierher geführt. Rainer Voigt ist geschäftsführender Präsident der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und überbrachte in dieser Funktion den 1000. Spendenbescheid seiner Stiftung an den Förderverein "Freunde der Melzower Kirche". Mit 17.500 Euro unterstützen die Stiftung und die Sparkasse Uckermark das ehrenamtliche Engagement des Vereins für die Erhaltung und Sanierung der Kirche. Das Geld wird für die Restaurierung des Renaissance-Altars dringend benötigt, freute sich der Vorsitzende des Vereins, Georg Kallweit. Rund 100.000 Euro kostet es, den Altar in seiner alten Schönheit wieder erstrahlen zu lassen. "Der Renaissance-Altar wurde um 1900 mit einer dicken weißen Farbschicht übertüncht, die die ursprüngliche, aufwändige Bemalung verdeckte", berichtet Georg Kallweit. Inzwischen wurde die 400 Jahre alte ursprüngliche Bemalung von einer Restauratorin wieder mühsam freigelegt und restauriert.

Der Förderverein "Freunde der Melzower Kirche" hat in den fünf Jahren seines Bestehens schon sichtbare Spuren hinterlassen. Nachdem Dach und Dachstuhl saniert wurden, wollten die Melzower auch die historische Orgel wieder spielen hören, die jahrzehntelang verstummt war. Unermüdlich kämpfte der Verein um Spenden und Fördermittel, veranstaltete Benefizkonzerte, holte viele namhafte Gäste in den kleinen Ort. Seit kurzem erklingt die Orgel wieder. Und auch der Altar erstrahlt in altem Glanz und macht die uckermärkische Feldsteinkirche zu einem Kleinod, das seinesgleichen sucht und schon seiner Schönheit wegen einen Besuch in Melzow lohnenswert macht.

Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, plauderte unterhaltsam und kenntnisreich über die Geschichte der Kirche und des historischen Altars.

Gebaut wurde der Altar 1610 in einer Prenzlauer Schnitzerwerkstatt, die nach dem Vorbild der Lübecker Schnitzerschule gegründet wurde. Der Altar, der eine Fundgrube für Kunsthistoriker ist, zeigt unter anderem üppig verzierte Szenen aus dem alten Testament sowie das Abendmahl und die Auferstehung. Er gehört zu jenen in Ostbrandenburg, die noch am vollständigsten im Original erhalten und am aufwändigsten gestaltet sind. Das bestätigten auch die zahlreichen bedeutsamen Gäste, die am Montagnachmittag zur Spendenübergabe nach Melzow kamen.

Landrat Klemens Schmitz betonte den stellenwert, den der Denkmalschutz für die dörfliche Entwicklung und Attraktivität und letztlich das Wohlbefinden der Menschen in den Dörfern habe. "Der Landkreis Uckermark gehört zu den Ausnahmen in Brandenburg, die dem Denkmalschutz hohe Priorität einräumen", bestätigte Rainer Voigt. Auch die Sparkasse Uckermark, in Melzow vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden Uwe schmidt, unterstützte den Förderverein Melzow finanziell bei seinen Vorhaben zur Sanierung der Kirche, die wieder ein geistiger und kultureller Mittelpunkt im Dorf geworden ist. Im Sommer lädt eine Konzertreihe ein.

Märkische Oderzeitung vom 15. November 2006

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