GEHEIMNISSEN EINER KIRCHE AUF DER SPUR

Erster Golmer Tag der Archäometrie

MATTHIAS BUTSCH

GOLM "Das Gebäude ist ein Glücksfall", sagt die Predigerin der Gemeinde, Hanna Löhmannsröben, über die weit über 700 Jahre alte Kirche des Ortsteiles Golm. Schließlich sei sie das älteste Gebäude der Stadt Potsdam und biete wohl noch viele Entdeckungen.

Ein Glücksfall ist auch, dass Hanna Löhmannsröbens Ehemann Hans-Gerd Professor für Physikalische Chemie an der Universität Potsdam ist. Am Institut für Chemie und am Institut für Geowissenschaften gibt es Experten für die Altersbestimmung von Gesteinen. Solche Wissenschaften werden auch für Bauhistoriker immer wichtiger. Fester Bestandteil der Baugeschichte ist die Archäometrie, die das Alter von Fundstücken mit naturwissenschaftlichen Methoden bestimmt. Das Ehepaar hat gestern den ersten Golmer "Tag der Archäometrie" bewusst in der Alten Kirche eröffnet, um der Region die noch junge Wissenschaft vorzustellen.

"Mich interessieren diese Verfahren als Naturwissenschaftler", erklärt der Hans-Gerd Löhmannsröben. Als Chemiker habe er viel mit optischen Analysemethoden zu tun, die in Form der Thermoluminiszenz auch bei der Archäometrie zum Einsatz kämen. Über Art und Stärke bestimmter Strahlungen, die von gebranntem Ton ausgehen, lässt sich recht genau das Alter von Baumaterial bestimmen.

Wichtiger für die Golmer Kirche wird wohl die Dendrochronologie werden. Diese untersucht verbaute Holzstücke, um über deren Jahresringe das Baujahr herauszufinden. "Ich denke schon, dass uns die Dendrochronologie einige wichtige Hinweise gibt", sagte gestern Stadtkonservator Andreas Kalesse. Bislang weiß er zum Beispiel nur, dass der Kirchturm zwischen 1730 und 1750 entstanden sein muss.

Karl-Uwe Heußner, Dendrochronologe am Deutschen Archäologischen Institut in Berlin, ist sicher, dass er helfen kann: "Drei Viertel der Sachen kriegen wir raus." Gerade neulich belegte seine Abteilung, dass der Fußboden im Neuen Palais aus der Erbauungszeit des Schlosses stammt.

Mit Luminiszenzmethoden will schließlich Christian Goedicke vom Berliner Rathgen-Forschungslabor das Mauerwerk der Kirche untersuchen.

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