AM SONNTAG LÄUTEN ERSTMALS NACH 2002 WIEDER KIRCHENGLOCKEN IN TEETZ

Schweigepflicht aufgehoben

HAJO NITSCHKE

 Teetz

TEETZ Die evangelische Kirchengemeinde von Teetz und der Förderverein Dorfkirche Teetz e. V. haben allen Grund zur Freude. Am Sonntag sollen die beiden Glocken endlich wieder läuten. Seit Silvester 2002 waren sie stumm, zwangsläufig, so, wie dem Gotteshaus schon Ende der 90er Jahre wegen Bauschäden die Sperrung drohte. Da hätte lauter Glockenklang nur noch mehr Schaden anrichten können. Dann gründete sich 1999 der Förderverein. Seitdem gab es wieder eine Perspektive.

Die jetzige Kirche ist eine Nachfolgerin zweier Fachwerkbauten und wurde 1860 eingeweiht. An der Stüler-Kirche, benannt nach Friedrich August Stüler, Architekt bei Friedrich Wilhelm IV., nagte der Zahn der Zeit. Mit Erfolg sind Kirchen gemeinde und die knapp 40 Mitglieder des Fördervereins dagegen angegangen. Spenden und Eigenmittel des gemeinnützigen, überkonfessionell arbeitenden Vereins ermöglichten 2002 den Start für die äußere Fassadensanierung. Begonnen wurde im Apsisbereich. Das Kirchenschiff ist nun wieder ein Schmuckstück, denn im vergangenen Jahr flossen erstmals Fördermittel. Das Dach wurde saniert. Für eine Seite gab es neue Schiefersteine, für die andere reichten die wieder verwendbaren. Ab Anfang dieses Jahres bekam auch der Turm mit seinem "Notdach" einen neuen Schutz. Ein "Notdach" ist es, weil in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts Blitz und Feuer in den Kirchturm fuhren. Seitdem ist er über zehn Meter niedriger als ursprünglich. Zurzeit ist er noch eingerüstet. Man könnte meinen, das sei die beste Gelegenheit, die Turmfassade zu sanieren. Aber nach allen guten Nachrichten hatte der Vorsitzende des Fördervereins, Dieter Kliche, den Mitgliedern schon im September 2003 eine schlechte zu verkünden. Das Denkmalschutzprog ramm für Kirchen "Dach und Fach" ist ausgelaufen.

Seitdem wurden wieder Spenden gesammelt. Die gegenwärtig laufende Sanierung des vorher baupolizeilich gesperrten Glockenstuhles, die Wiederaufhängung der Glocken und neue Klöppel für beide w ollen bezahlt sein.

Uwe Siefke und seine Leute aus Bendelin haben sich der Arbeiten angenommen. Die Männer wollen sie bis zur Wiedereinweihung übermorgen schaffen. Vorerst bleibt es noch beim Seilzug für das Läuten. Elektronik ist zu teuer. Vereinsmitglied und Architekt Andreas Großmann aus Kyritz hat sich bisher bei allen Schritten der Sanierung verdient gemacht. Er wird auch die folgenden Arbeiten planen. Sie umfassen Turmfassade, Fenster des Kirchenschiffes, Türen und Stufen.

Schatzmeisterin Erika Böldt aus Teetz hütet das Geld des Vereins. Sie dankt für jedes Plus auf dem Konto. "Unser Fernziel ist, den Turm in ursprünglicher Höhe von 36 Metern zu errichten", verrät die Bewahrerin der Euros. Im Kirchenschiff mit Gemeinderaum gibt es jährlich Gottesdienste und Benefizkonzerte. Auch der Teetzer Heimatchor engagiert sich dabei. Am 20. Juni wird zum 4. Sommerkonzert eingeladen.

Natürlich ist der Heimatchor auch beim Festgottesdienst zur Wiedereinweihung des Glockengeläutes am Sonntag dabei. Unterstützung erhält er von der "Saarmann'schen Liedertafel 1873", einem Männerchor aus Berlin. Anschließend sind alle Anwesenden an eine Kaffeetafel eingeladen.

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