Erstes restauriertes Fenster von St. Marien übergeben

 Erstes restauriertes Fenster von St. Marien

Frankfurt (Oder) (dpa) Das erste der drei Chorfenster der Marienkirche Frankfurt (Oder) ist drei Jahre nach Rückgabe des Kirchengutes durch Russland am Samstag an seinem einstigen Platz enthüllt worden. Die rund 500 Besucher erhoben sich spontan von ihren Plätzen, als der Vorhang vor der fast 650 Jahre alten Kostbarkeit fiel und applaudierten im Anblick der alten neuen Schönheit.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sprach von einem "Wunder", für das weitere Anstrengungen notwendig seien und dankte Sponsoren, Künstlern und Bürgern für ihr Engagement. Nach dem Einbau des so genannten Christusfensters hat die Restaurierung des zweiten Fensters bereits begonnen. Es soll 2006 fertig sein.

Die Fenster waren während des Zweiten Weltkrieges ausgebaut und nach Kriegsende in die Sowjetunion gelangt. Die als verschollen geltenden Fenster waren in der Eremitage in St. Petersburg entdeckt worden. Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) dankte der Eremitage, dass sie fast 60 Jahre lang die Schätze von St. Marien fachgerecht verwahrt habe.

Der in der Oderstadt geborene Abt Emmanuel Jungclaussen hatte bei der Übergabe einer wertvollen Ikone an Russland Präsident Wladimir Putin auf die dort lagernden Fenster aufmerksam gemacht. Damit habe er seiner Heimatstadt einen großen Dienst erwiesen, betonte Patzelt.

Noch in Russland war mit der Restaurierung der Glastafeln begonnen worden. Nach Rückkehr des Kunstwerkes in der Oderstadt setzten drei Restauratorinnen die Arbeit fort. "Sie haben das Werk der mittelalterlichen Meister kongenial fortgeführt", sagte Patzelt. "Wir wissen wohl, dass wir ein neues Kleinod in unserer Region unseren Gästen anbieten können."

Nach der Rückgabe der Fenster, dem bisher einzigen und größten Rückführungsprojekt, hoffe Deutschland auch bei anderen Projekten voranzukommen, sagte Knut Nevermann, der Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) vertrat. Obwohl es auf völkerrechtlicher Seite und Museumsebene keine Probleme gebe, sei es schwieriger geworden, voranzukommen.

Studenten der Europa-Universität Viadrina organisierten unter dem Motto "Momente der Ansicht" rund um die fünfschiffige Hallenkirche ein buntes Fest, das teilweise inhaltlich auf die Szenen in der gläsernen Bilderbibel Bezug nahm. So luden die jungen Leute in einen "Garten Eden" voller Blumen und Früchte ein.

s.a. Mitteilungsblatt des Förderkreises Alte Kirchen vom Mai 2003: Sorgfältige Durchsicht und Diagnose für einen durchsichtigen Patienten

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