Puzzeln mit Pendeln

Heidelberger Auszubildende restaurieren Uhrwerk der Saaringer Kirche

Silvia Simon

 Dorfkirche Saaringen
Foto: B. Janowski (FAK)

Einem Puzzle der besonderen Art widmen sich zurzeit neun Auszubildende der Heidelberger Druckmaschinen: In mühevoller Kleinarbeit nehmen sie ein uraltes und kaputtes Uhrwerk auseinander, arbeiten die Teile auf und setzen alles wieder zusammen.

"Das Uhrwerk stammt von der Saaringer Dorfkirche", sagt Azubi Christian Schulze, ebenso wie seine "Mitpuzzler" Industriemechaniker im zweiten Lehrjahr. "Die Kirche wurde ja bereits schon restauriert, nur die Uhr noch nicht. Sie war komplett verrostet und die Pendel waren ab", sagt der 18-jährige, der die Leitung des "Projektteams Turmuhr" übernommen hat.

Das Team steht vor einer großen Herausforderung. Denn Unterlagen über den Zeitmesser sind bislang unauffindbar. Das bedeutet für die jungen Leute, dass sie das fast einen Meter lange, 47 Zentimeter breite und 50 Zentimeter hohe Uhrwerk sehr genau studieren mussten, bevor und während sie es auseinander nahmen. Jedes einzelne Bauteil wurde katalogisiert und fotografiert. Einem Projektplan zufolge, den die Jugendlichen selbst erarbeitet haben, werden die Teile nun sorgsam entrostet, entgratet, grundiert und anschließend lackiert.

"Wir haben alles genau dokumentiert und dann auch noch recherchiert, wie die Uhr funktioniert und wie sie aussehen soll", sagt Christian Schulze, denn: Das Uhrwerk soll originalgetreu restauriert werden." Wie alt das Chronometer ist, wissen die Auszubildenden nicht. "Wir haben noch niemanden ausfindig machen können, der uns darüber Auskunft gibt", sagt der 23-jährige Matthias Ziem.

Bis etwa Mitte Juli soll der Zeitmesser fertig sein und in neuem Glanz erstahlen. Da werden sich die Heidelberger ranhalten müssen, denn die Aufarbeitung erweist sich als nicht ganz einfach. Einige der alten Holzrollen-Pendel sind zerbrochen und müssen ersetzt werden. "Das heißt für die Auszubildenden, dass sie nun alte, brauchbare Balken auftreiben müssen, aus diesen neue Rolen fertigen und dann noch die entsprechenden Bohrungen vornehmen", sagt Rainer Schmidt, Leiter des Bereichs berufliche Bildung bei Heldelberg. Jedes einzelne Teil werde von den Jugendlichen selbst gefertigt. Die Kosten für die knapp 1.000 Euro teure, dringend notwendige Restaurierung, auf die Heidelberg vom Lions Club aufmerksam gemacht wurde, trägt der Druckmaschinenhersteller. "Wir wollen jungen Leuten zeigen, dass sie erst dann etwas für sich tun, wenn sie etwas für die Allgemeinheit tun", erklärt Rainer Schmidt, der schon etliche Projekte wie dieses betreute: "Wir sind immer dankbar, wenn wir Hinweise auf so etwas erhalten."

Nach dem Zusammensetzen des Uhrwerks ist die Arbeit für die angehenden Industriemechaniker noch nicht erledigt. Denn die Auszubildenden werden ihr Werk nach Vollendung auch noch zur Saaringer Kirche bringen und bei der Montage helfen. "Sie begleiten das Vorhaben von Anfang bis Ende, denn so etwas ist immer motivierender als nur einen Teil der Arbeit zu machen", sagt Ausbildungsmeister Dirk Reinke.

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