GELD FÜR SANIERUNG BEISAMMEN / "KIRCHE DES MONATS" IN GROß GLIENICKE

Hilfe für alte Patronatskirche

HILTRUD MÜLLER

Zwei frohe Botschaften erreichten die evangelische Kirchengemeinde Groß Glienicke: Das Geld ist beisammen, um mit der überfälligen Sanierung der Dorfkirche zu beginnen. Und das ZDF erklärte den mittelalterlichen Sakralbau, der unter Hans Georg III. von Ribbeck im 17. Jahrhundert erweitert und mit barocker Pracht ausgestattet worden war, zur "Kirche des Monats".

Am Wochenende wird ein Fernseh-Team in der Kirche drehen (Ausstrahlung am 23. Mai, 12.47 Uhr im "Blickpunkt", ZDF), unter anderem während des Festkonzertes am Sonnabend um 16 Uhr. "Irret euch nicht" lautet der Titel des geistlichen Konzertes, das Siegfried Matthus extra für die Kirchengemeinde Groß Glienicke geschrieben hatte, als sie im Oktober vergangenen Jahres mit den Ribbeck-Festtagen den Patron der Kirche ehrte, mit dem die Geschichtsschreiber die Blütezeit des Rittergutes Groß Glienicke verbinden.

Mehr als zweihundert Jahre lang regierte der weniger bekannte, gesellschaftlich jedoch weitaus einflussreichere osthavelländische Zweig derer von Ribbeck das Gut, während die westhavelländischen Ribbecks ohne große politische Verdienste, sondern vor allem dank Fontanes hitverdächtiger Birnbaum-Story in die Geschichte eingingen. Die erzählt man sich heute noch.

Das Ribbecksche Rittergut in Groß Glienicke indes ist längst verschwunden. Überdauert hat lediglich die üppig ausgestattete Patronatskirche mit ihrem Barockaltar, der reich verzierten Kanzel und den zahlreichen Epitaphien.

Doch die Dorfkirche hat leider an Glanz eingebüßt. Bröckelnder Putz und ein vom Schwamm befallener Dachstuhl veranlassten die Kirchengemeinde dazu, beharrlich Förderwege zu erkunden und Eigenmittel einzuwerben, um Abhilfe zu schaffen. 40 000 Euro kamen in zweieinhalb Jahren allein durch kleinere Spenden zusammen. Gespendet hatten durchaus nicht nur Kirchenmitglieden, sondern auch andere Bürgern des Ortes, obendrein die in die Welt hinaus gezogenen Ex-Groß-Glienicker oder andere Freunde des Sakralbaus, den Fontane zu seinen Lieblingskirchen rechnete.

Pfarrer Bernhard Schmidt ist sichtlich erleichtert, denn inzwischen zeitigte auch das beharrliche Werben um Fördermittel Erfolg. Um mit der Sanierung von Dachstuhl und Dach in diesem Jahr zu beginnen, stehen 140 000 Euro bereit - spendiert vom Land Brandenburg, der Stiftung Kiba, der Landeskirche, dem Kirchenkreis Falkensee und der evangelischen Gemeinde. Nur eines fehlt noch: Die Baugenehmigung. Doch Pfarrer Schmidt ist zuversichtlich, dass man im Potsdamer Stadthaus das emsige Bemühen der Groß-Glienicker mit Entgegenkommen würdigen wird. Denn politisch gehört Groß Glienicke nun zur Landeshauptstadt.

Die Kirchengemeinde indes bleibt in den Kirchenkreis Falkensee eingebettet. Mit der Operation im Dachgebälk der Kirche wird allerdings nur der Anfang für eine längere Sanierungsphase gemacht. Auch das barocke Interieur bedarf längst der Kunst von Restauratoren. Doch die Groß-Glienicker hatten schon immer einen langen Atem.

- Festkonzert in der Kirche Groß Glienicke am Sonnabend, dem 15. Mai, 16 Uhr, mit Werken von Siegfried Matthus und Antonin Dvorak. Es musizieren Eva-Maria Bundschuh (Groß Glienicke, Sopran), Lenka Fehl-Gajdosova (Prag, Orgel) und das Wünnenberg-Quartett der Komischen Oper Berlin. Eintritt frei, Spenden willkommen.

   Zur Artikelübersicht