Radeweger Helfer kämpfen sich durch Staub und Schutt

Damit die Dorfkirche ein neues Dach bekommen kann, war Großreinemachen am Sonnabend angesagt

 Dorfkirche Radewege
Dorfkirche Radewege, entnommen aus der Homepage des evang. Kirchenkreises Brandenburg

RADEWEGE "Eine Strafarbeit", sagt Steffen Wilkening, "aber eine notwendige." Der Vorsitzende des Kirchdach e. V. und die 18 Helfer, die am Sonnabend der mehr als 600 Jahre alten Radeweger Dorfkirche mit Müllschippen und Eimern unters Dach gestiegen sind, waren von Kopf bis Fuß mit Staub überzogen. Ohne Mundschutz ging da nichts.

Wilkening und Vize Alfred Arndt freuten sich über die Mischung der Aufräumer aus Alt und Jung. Nicht alle sind im Förderkreis oder Kirchgänger. Während die 66-jährige Brigitte Busse sogar Freundin und Schwiegersohn mitbrachte, war die erst fünfjährige Wiebke die Allerjüngste. Doch wegen der Staubwolken brachte sie Mutter Christel Gericke frühzeitig nach Hause. Sie selbst kam wieder. "Wenn viele anpacken geht es schneller", so die Neu-Radewegerin, die von der Idee begeistert ist, ein altes Kulturdenkmal zu erhalten. In der Prignitz sei sie lange Bürgermeisterin einer 580-Seelen-Gemeinde gewesen. Dort habe auch das Dorf mit angepackt. "Ich weiß, wie schwer es ist, solche Sachen zu erhalten", sagt Gericke die noch nicht im Kirchdach-Verein sei, aber wohl eintrete.

Bauschutt und Staub aus Jahrhunderten hatten sich auf dem Dachboden des Kirchenschiffes vor allem zwischen den Gewölbekappen angesammelt. Auch Trümmerteile. Denn als am 4. Mai 1973 die Turmhaube nach Blitzschlag abbrannte, wurde auch das Dach in Mitleidenschaft gezogen. Die Beräumung jetzt war ein wichtiger Schritt für die im Herbst geplante Sanierung des Dachstuhls. "Bei der Neueindeckung sollen aber auch gebrauchte Biber wieder verwendet werden", erklärt Schatzmeister Jürgen Pinnig. Trotzdem würden noch rund 5000 an den benötigten 30 000 Euro fehlen. Daher plant der Verein den Sommer über weitere Benefizveranstaltungen wie Lesungen mit Alt-Landesvater Stolpe und dem Schauspieler Jochen Senf. Höhepunkt soll am 10. September die Aufführung der Mozart-Oper "Bastien und Bastienne" als Gemeinschaftswerk von der Uni der Künste Berlin und Spandauer Stadtstreicher sein.

Für Pfarrer Martin Gestrich war der Arbeitseinsatz "Ehrensache". "Der Verein hat so viel Initiative gezeigt, da kann die Kirchengemeinde nicht abseits stehen." Er brauchte nicht lange zu bitten. Nur mit dieser Masse Schutt hatte der junge Pfarrer nicht gerechnet.

Nach nur zwei Stunden war der Drei-Kubikmeter-Container, den Dachdeckermeister Preusker für diese Aktion spendierte, voll. Brielows Agrar GmbH eilte den Radewegern unbürokratisch mit einem Trecker-Anhänger zu Hilfe. na

Märkische Allgemeine vom 02. Mai 2006

   Zur Artikelübersicht