Wir gratulieren den Preisträgern unserer Ausschreibung
"Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2003"

Um es vorauszuschicken: Preise hätten eigentlich alle 33 Vereine verdient, die uns ihre Bewerbungen zum Wettbewerb "Starkapital für Kirchen-Fördervereine 2003" zugesandt hatten. Denn jede Einsendung zeugt von großem Engagement und vielen Ideen. So sah sich die Jury auch veranlasst, aus den zehn vorgesehenen Preisen elf zu machen, indem sich zwei Bewerber, Jabel und Lossow, einen Gewinn teilen.

Die schwierige Arbeit der Jury leisteten Frau Schiemann als Vertreterin des Brandenburger Kulturministeriums, Matthias Hoffmann-Tauschwitz als Vertreter der Landeskirche, Viola Seeger als Vertreterin der Robert Bosch Stiftung, Hans-Joachim Wede aus der Sicht der Fördervereine und FAK-Vorstandsmitglied Günter Schöne, jahrzehntelang Pfarrer in Landgemeinden.


Kirche Biesdorf

Die Gründung des Vereins geht auf ein Kuriosum zurück: auf die 725+1-Jahrfeier des Ortes. Das eigentliche Jubiläumsfest hatte das Hochwasser verhindert.

Mit der Organisation von Dorffesten geriet auch die lange Zeit kaum genutzte Kirche ins Visier, die wieder restauriert werden soll. Vorbild dabei waren auch erfolgreiche Aktivitäten in Nachbarorten. Ziel ist neben der Kirchensanierung die Stärkung der Dorfgemeinschaft. So gibt es inzwischen viele Beispiele, wie Christen und Nichtchristen darangehen, "ihre" Kirche, ihren Dorfmittelpunkt zu bewahren und allen Einwohnern zu öffnen.

Mit Hilfe des ,,Startkapitals" will man ein erstes Sanierungsgutachten finanzieren.

  Biesdorf Kirche und Dorf e. V.
 
Dorfkirche Melzow

Der Verein wurde von einem ortsansässigen Musiker der ,,Akademie für Alte Musik" gegründet, dem die Erhaltung der historischen Gesell-Orgel von 1875 am Herzen lag. Erstaunlich schnell hatte der Verein in dem kleinen Dorf über 40 Mitglieder, die ihre Aufgabe in der Instandsetzung des gesamten Kirchengebäudes sehen und sich im ersten Bauabschnitt, der Dachsanierung, mit Eigenleistungen beteiligten. Der Verein basiert auf einer interessanten und gut funktionierenden Zusammenarbeit zwischen alt eingesessenen Melzowern und neu zugezogenen ehemaligen Berlinern.

Durch die Einbindung der "Akademie für Alte Musik" und die Zusammenarbeit mit dem Uckermärkischen Musiksommer ist hier ein musikalisches Zentrum im Entstehen, dessen Publikum zum großen Teil aus der Region kommt.

  Freunde der Melzower Kirche e.V.
 
Dorfkirche Riedebeck

Der regionale Förderkreis gründete sich mit Hilfe des FAK Berlin-Brandenburg und arbeitet mit ihm zusammen; Veranstaltungen und Projekte werden abgesprochen und zum Teil gemeinsam durchgeführt. Die Initiative dazu kam aus der Region. Anliegen des Vereins ist es, in dieser dünn besiedelten Region alle verfügbaren Kräfte zu bündeln, die dem Verfall alter Kirchen entgegenwirken und deren Erhaltung sichern wollen. Die oft sehr kleinen Kirchengemeinden und Kommunen sind mit der Erhaltung ihrer Kirche überfordert. So war es naheliegend, einen für alle offenen Förderverein ins Leben zu rufen, der die Kräfte konzentriert. Inzwischen gibt es zahlreiche gemeinsame Initiativen, so eine gut angenommene Konzertreihe, Vorträge und Publikationen

  Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz
 
Dorfkirche Pinnow

Viele Jahre lang war die Stüler-Kirche von Pinnow, einem Ortsteil von Borgsdorf, dem Verfall preisgegeben. Seit 1970 wurde sie nicht mehr genutzt. Zu Beginn der Neunzigerjahre keimte Hoffnung auf: Mit der Dachsanierung wurde der Verfall zunächst gestoppt. Doch die immer knapper werdenden Mittel machten weitere Sanierungspläne zunichte. Als sich der Förderverein gründete, ging es ihm nicht allein um die Instandsetzung des Kirchenraumes und seine künftige Nutzung auch für kulturelle Zwecke. Ihm liegt ebenso die Rückgewinnung der verloren gegangenen Ausstattung am Herzen.

Inzwischen wurden durch Konzerte erste Geldmittel eingeworben. Der Förderkreis Alte Kirchen hat die Gründungsphase des Vereins beratend mit vorbereitet.

  Förderverein Kirche in Pinnow
 

Die Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert hatte zu DDR-Zeiten ein trauriges Schicksal. Sie verfiel; 1972 wurde aus Sicherheitsgründen der Turm gesprengt, dessen Sturz zugleich das Kirchenschiff zerstörte. Erhalten blieben der ruinöse Chor und die Sakristei. Anfang der Neunzigerjahre hatte der gerade gegründete Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg bei Sicherungsarbeiten ein wenig helfen können. In Zusammenarbeit von Kirchengemeinde, Stadt Bernau und Unterer Denkmalschutzbehörde konnte der Chor wieder hergestellt und dem Schiff ein transparentes Dach gegeben werden.

Diesen Neubeginn will nun der im September gegründete Verein mit viel Mut und Einsatzbereitschaft weiterführen und dafür nicht nur im eigenen 250-Seelen-Dorf Mitstreiter gewinnen. Traditionelle Bindungen sollen wiederbelebt, weitergetragen und entwickelt werden.

  Förderverein Dorfkirche Birkholz e. V.
 
Kirche Klosterfelde

Das Gotteshaus von Klosterfelde am Rande der Schorfheide hatte sich im Laufe von Jahrhunderten von einem kleinen, turmlosen Feldsteinbau zu einer stattlichen Dorfkirche gemausert. Dennoch schien ihr Erhalt lange Zeit nicht gesichert. Die letzten Arbeiten an der Kirche waren in den Siebzigerjahren ausgeführt worden; Turm, Uhr und Kuppel wurden repariert und die Vorderfront gestrichen. Sie war zur "potemkinschen" Kirche avanciert, denn die DDR-Prominenz nutzte die vorbeiführende Straße regelmäßig für die Anfahrt zum Jagdrevier.

Nach dem Ausscheiden des Gemeindepfarrers 1998 schient es fast so, als ob alle Hoffnungen auf eine Sanierung dahin wären. Glücklicherweise gab es Menschen, die dennoch nicht aufgaben. Geschäftsleute im Ort veranstalteten Tombolen, die viel Geld einspielten. Das sensibilisierte andere Einwohner, die nun Verantwortung für das Gebäude übernahmen; auch sehr viele Jugendliche engagierten sich. Die Gründung eines Fördervereins wurde beschlossen, der sich heute auf eine breite Basis stützt und in dem alle Schichten der Bevölkerung mitarbeiten. Potemkin hat keinen Platz mehr.

  Förderverein Dorfkirche Klosterfelde e. V.
 
Dorfkirche Rosow

Die Dorfkirche von Rosow nahe der deutsch-polnischen Grenze hatte in den letzten Kriegstagen und danach viel Elend gesehen. Tausende Flüchtlinge, später Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten schleppten sich über die Landstraßen, während jenseits der Oder ebenfalls heimatvertriebene Polen angesiedelt wurden. Ein Thema, das noch lange nicht aufgearbeitet ist. Umso verdienstvoller ist das Projekt des Rosower Fördervereins, in deutsch-polnischer Zusammenarbeit in der teilzerstörten Kirche eine Gedenkstätte für diese Schicksale einzurichten, sie als Begegnungszentrum auszubauen. Der FAK vermittelte erste Kontakte zu ähnlichen Projekten in Stettin. In dem zur Zeit gottesdienstlich nicht genutzten Kirchenraum werden bereits gelegentlich Ausstellungen gezeigt. - Hier wird ganz konkret an einem geeinten Europa gebaut.

  Förderverein Gedächtniskirche Rosow e. V.
 

Kuhz im Boitzenburger Land besitzt mit seiner Dorfkirche einen besonderen Schatz. Der Feldsteinbau aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts besteht aus breitem Westturm mit Fachwerkaufsatz, Schiff und Rechteckchor. Die größten Kostbarkeiten aber birgt das Innere: mittelalterliche Wandmalereien, vielleicht aus dem frühen 14. Jahrhundert, allerdings noch weitgehend verdeckt; eine 1594 datierte Kanzel; einen Altaraufsatz von 1697. Doch die Pfarrstelle ist seit langem verwaist, Renovierungsarbeiten am Gotteshaus sind dringend notwendig. Im vorigen Jahr nun kamen interessierte Einwohner, dabei Berliner mit Zweitwohnsitz im Ort, zusammen mit dem Ziel, finanzielle Mittel und Kräfte für eine Restaurierung zu mobilisieren und um das Gemeindeleben wiederzubeleben. Der Verein wurde gegründet. Er hat inzwischen mehr als 20 Mitglieder und konnte bei der Bevölkerung reges Interesse für seine Pläne wecken.

  Förderverein Dorfkirche Kuhz e. V.
 

Neufinkenkrug ist kein Dorf im üblichen Sinne. Es entstand Anfang des vergangenen Jahrhunderts wie viele Neusiedlungen im Speckgürtel Berlins. Der Kirchbau 1924 definierte schließlich die Mitte des Ortes. Somit kann das Neufinkenkruger Gotteshaus nicht mit dem ehrwürdigen Alter der meisten Dorfkirchen in der Mark Brandenburg mithalten. Zudem wurde damals ziemlich "windig" gebaut: die Kirche hat konstruktive Schäden, die heute Probleme bereiten. Das alles aber hält die heimatbewussten Bewohner des Ortes und die selbständige Kirchengemeinde mit 1.400 Mitgliedern nicht davon ab, sich um den Erhalt ihres Gotteshauses zu kümmern. Der Verein mit etwa 20 Mitgliedern betreibt eine gut geplante Öffentlichkeitsarbeit und hat eine erste Spende der städtischen Wohnungsbaugenossenschaft erhalten. In den Sommermonaten sollen die Kirchentüren für vorüberkommende Besucher offen stehen.

  Kirchbauförderverein der evangelischen Kirche in Neufinkenkrug e. V.
 
Dorfkirche Jabel

Das kleine Dorf Jabel im Landkreis Ostprignitz-Ruppin hat nur 230 Einwohner. Da nimmt es schon wunder, dass es hier gleich zwei Kirchengebäude gibt: einen Bau der altlutherischen Gemeinde und die historische Dorfkirche. Da die evangelische Gemeinde zahlenmäßig kleiner ist - sie zählt gerade zwölf Mitglieder -, sieht sie sich gegenüber den Altlutheranern, die sich intensiv um ihre Kirche kümmern, etwas im Zugzwang. Denn ihr Gotteshaus müsste dringend renoviert werden. Der Förderkreis Evangelische Dorfkirche Jabel agiert aus der Kirchengemeinde heraus, bezieht bei seiner Aktivitäten jedoch die gesamte Dorfgemeinschaft ein.

  Förderkreis Evangelische Dorfkirche Jabel
 
Kirche Lossow

Die Lossower Kirche, ein interessanter barocker Zentralbau, ist noch immer eine Kriegsruine. Was die rührige Kirchengemeinde nie davon abhielt, dort öfter Gottesdienst zu feiern: unter freiem Himmel, in den Mauern des dachlosen Kirchenschiffs.

Der inzwischen gegründete Verein bemüht sich zunächst um die Sicherung der Ruine, ist dabei jedoch auf Hilfe von außen angewiesen. Der FAK hat eine Begleitung der Arbeit zugesagt. Es wurde angeregt, neben der Sicherung und Sanierung über den Einbau eines Gemeinderaums im Turm nachzudenken.

Die Auszeichnung mit dem ,,Startkapital" soll dem Verein neue Impulse geben. Mit dem Geld kann ein erstes Gutachten bezahlt werden.

  Förderverein Kirche Lossow e.V.

 

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