Beneidenswerter Klang

Jakobikirche überzeugt als Kulturstätte / Förderverein in Planung

ALEXANDER ENGELS

 Gestern machten sich interessierte Bürger Gedanken, wie die Jakobikirche erhalten werden kann
Gestern machten sich interessierte Bürger Gedanken, wie die Jakobikirche erhalten werden kann.
Foto: M. Hahn

LUCKENWALDE Fast fünf Jahre lang blieb die Sankt-Jakobi-Kirche ungenutzt, ohne aber entweiht zu werden. Am 13. August will Pfarrer Detlev Riemer dort wieder einen Gottesdienst feiern. "Dies soll ein Zeichen sein, dass wir hier nach wie vor eine Kirche haben. Wir denken nicht an eine Schließung", sagte er gestern Nachmittag am Rande einer Gesprächsrunde mit 15 Bürgern über die Möglichkeiten für den Erhalt des Luckenwalder Gotteshauses.

Sie werteten das Benefiz-Konzert des Lyra-Chores im Mai dieses Jahres aus und zeigten sich mit der Besucherzahl (etwa 100), der Kollekte (mehr als 500 Euro) und dem Klang im Kirchenschiff sehr zufrieden. Einig war man sich zudem, dass sich das Bauwerk für weitere kulturelle Veranstaltungen eignet. "Um dieses Gemäuer würden uns andere Städte beneiden", sagte Manfred Weisser, Vorsitzender des Lyra-Gesangvereins, zu der Idee von einem Kunst- und Kulturzentrum. Laut Margitta Haase waren damals viele Besucher der Meinung, "dass Luckenwalde eine Stätte für solche Konzerte fehlt".

Im Mittelpunkt der gestrigen Diskussion stand der Vorschlag, den Lyra-Chorleiter Volker Reichert vorbrachte, einen Förderverein oder eine ähnliche Organisation zu gründen, um sich einerseits dem baulichen Erhalt, andererseits der Nutzung als Kunst- und Konzertstätte zu widmen. "Wir sind an einem organisatorischen Punkt angelangt, an dem es Zeit wird, ein Konzept für die weitere Nutzung zu erstellen. Dafür ist ein festes Gremium wichtig", sagte Reichert. Ein Förderverein könnte Beiträge nehmen oder Spenden sammeln, um nötige Reparaturen an der Jakobikirche zu finanzieren. Zugleich schlug Reichert vor, das Bauwerk für Konzerte, Theater, Kabarett oder Ausstellungen zu nutzen.

Spontan erklärten sich einige Teilnehmer der Diskussionsrunde bereit, sich in einem Förderverein zu engagieren. Dies wäre auch nötig, da Pfarrer Riemer die Ideen zwar begrüßte, aber auch deutlich machte, dass er selbst keine Zeit für aufwändige Vereinsarbeit erübrigen könnte. Er wies auf die Möglichkeit hin, dass ein neu gegründeter Kirchenbauverein mit einer Anschubfinanzierung von der Landeskirche rechnen kann.

Zudem berichtete er von den drängendsten Schäden an der 112 Jahre alten Kirche. So habe ein Sturm einen kleinen Dachschaden verursacht, einige Steckdosen funktionieren nicht und die Glockenanlage sei immer noch außer Betrieb. Augenscheinlich sind aber größere Schäden. Die Emporen müssen gestützt werden, Farbe und Putz sind an vielen Stellen von der Wand gebröckelt, ein Teil des Bodens ist herausgenommen und die bunten Kirchenfenster haben ringsum Bruchlöcher. Riemer schätzt, dass mindestens 200 000 Euro nötig sind, um "das Nötigste" zu beheben. (Teltow-Fläming)

Märkische Allgemeine vom 23. Juni 2006

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