Eine Kirche für das Dorf

Berliner Architektur-Studenten unterstützen die Birkholzer beim Wiederaufbau ihrer alten Feldsteinkirche

Carlotte Noblet

BIRKHOLZ. In der Gemeinde Birkholz nordöstlich von Berlin steht eine der für die Region typischen Feldsteinkirchen. Ihr Anblick ist traurig - sie ist stark beschädigt und hat keinen Turm mehr. Denn im Jahre 1972 war der Turm gegen den Willen des damaligen Gemeindekirchenrates und des ganzen Dorfes gesprengt worden - angeblich wegen Einsturzgefahr. "Die Verantwortlichen von damals hatten damit gerechnet, dass die Trümmer nach außen fallen, und hatten deswegen keine Sicherung des darunter liegenden Kirchenschiffes verlangt", sagt Jürgen Löffler vom Förderverein "Dorfkirche Birkholz e.V.". Bei der Sprengung stürzten Trümmer in das Kirchenschiff. Nur der Chorraum blieb unbeschädigt. Erst nach der Wende erhielt das Kirchenschiff ein provisorisches Glasdach, können wieder Gottesdienste in der Kirche gefeiert werden.

Nun aber ist wieder Leben in das Gebäude eingezogen. Vom Kirchhof hört man Stimmen: 16 Architektur-Studenten der Technischen Fachhochschule Berlin (TFH) haben eine Bauaufnahme angefertigt, die für Architekten als Grundlage für die Ausführungsphase unbedingt notwendig ist. Bei drei Wochenendworkshops haben sie die im 13. Jahrhundert erbaute Kirche gründlich vermessen.

"Das Team der TFH ist von der Arbeit an der Kirche Birkholz ganz begeistert", sagt Mara Pinardi, Professorin für Denkmalpflege und Bauaufnahme, die das Projekt leitet. Sie sagt: "Die Studierenden gehen wahrscheinlich mit so großem Enthusiasmus zu Werke, weil ihre Arbeit an der Dorfkirche nicht nur ein Teil ihrer Ausbildung ist, sondern einer konkreten Nutzung dient."

In Rahmen eines Seminars bei Professorin Pinardi befassen sich Angehörige des Studiengangs Architektur im dritten Semester mit der Bauaufnahme denkmalpflegerisch relevanter Gebäude. Die Theorie müssen sie an einem konkreten Beispiel umsetzen. Wegen ihrer besonderen Baugeschichte haben Professorin Pinardi und ihre Studenten im Sommersemester 2004 die Kirche in Birkholz ausgewählt. Im Wintersemester sollen andere Studenten die Arbeit fortführen.

Froh darüber ist vor allem auch der Förderverein. Der im Herbst 2002 gegründete Verein hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, die Kirche und ihre Inneneinrichtung in ihrer alten Gestalt wieder erstehen zu lassen. Die Vereinsmitglieder haben große Hoffnungen, dass die Arbeit der Studenten das Interesse der Öffentlichkeit weckt. "Mit den Bestandszeichnungen können wir ein Konzept erarbeiten, um Fördermittel zu beantragen", heißt es beim Förderverein.

Als ersten Erfolg verbucht der Verein nun die Restaurierung des Turmkreuzes: "Es wird im Herbst als symbolischer Schlusspunkt für den Wiederaufbau in der Kirche aufgestellt", sagt Jürgen Löffler.

Berliner Zeitung vom 22. Juni 2004

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