KRANGEN PACKT'S AN

Spendenaktion für Sanierung der historisch wertvollen Dorfkirche startet

CHRISTOPH SCHULZE

KRANGEN "Wir wollen die Kirche im Dorf lassen?", heißt es vieldeutig auf den Faltblättern, mit denen derzeit eine Krangener Initiative auf sich aufmerksam macht. Zu dem an und für sich schmucken Örtchen hinter Alt Ruppin passe kein Gotteshaus in dem aktuellen maroden und baufälligen Zustand - das ist der Gedanke dahinter. Und anstatt nur zu klagen, packen die Dorfbewohner gemeinsam an, um die Kirche auf Vordermann zu bringen.

Immerhin ist das Gebäude architekturgeschichtlich von großem Interesse, zumal es sich in seiner Bauweise an den Maßgaben von Karl-Friedrich Schinkel orientiert. "Die Außenwände neu zu verputzen, das wäre erst einmal ganz wichtig", sagt Manfred Damerow aus Krangen.

Tatsächlich trübt die bröckelige Fassade den Eindruck, den die Kirche machen könnte. Rund 500 Quadratmeter Mauerfläche müssen neu verputzt werden.

Patenschaft für einen Quadratmeter Putz

Um die dafür nötigen Finanzen, die sich im fünfstelligen Eurobereich bewegen, zusammenzubekommen, rufen die Dorfbewohner nun zusammen mit dem für Krangen zuständigen Alt Ruppiner Pfarrer Traugott Kuhnt zu einer Spendenaktion auf. Interessierte können mit einem Beitrag von wenigstens 50 Euro die Patenschaft für einen Quadratmeter Putz übernehmen. Den "hochherzigen Sponsoren", so der Faltblatttext, soll später nach dem Bauabschluss auf einer Tafel in der restaurierten Kirche gedankt werden.

Manfred Damerow ist optimistisch, dass das Geld aufgetrieben werden kann: "Es hat ja auch geklappt, das Dach der Kirche neu zu decken." Im Herbst vergangenen Jahres war dieser erste Schritt zur Sanierung erledigt worden. An zwei Wochenenden kamen jeweils 20 Krangener und brachten das Dach in Schuss.

Damals, wie auch jetzt für die Neuverputzung, flossen keinerlei Fördergelder zugunsten der dörflichen Initiative.

Schon beim Bau der Kirche vor fast 170 Jahren hatte die Krangener Bevölkerung einiges an Engagement gezeigt. Um Platz dafür zu schaffen, trug das Dorf etwa die Kosten zur Versetzung des alten Spritzen- und Leiterhauses, das im Weg stand. Das berichtete 1997 der Historiker Peter Schmidt zur 600-Jahr-Feier von Krangen.

Der Neubau war nötig geworden, weil das Dorf und damit auch die Kirchengemeinde am Wachsen war. Die alte Fachwerk-Kirche war schlichtweg zu klein. Schon 1798 beschwerte sich der damalige Pfarrer, dass es bei Gottesdiensten ständig "Zanck" gebe, weil nicht genug Sitze für "Kinder, Jägerpurschen, Knechte und Mägde" in der Kirche vorhanden seien.

1835 war es schließlich so weit. Der nur 31-jährige Baukonduktor Wilhelm Julius Pfeffer, der von Zippelsförde aus die Arbeiten zur Schiffbarmachung des oberen Rhins betreute, erstellte für einen Lohn von 43 Talern und 15 Silbergroschen quasi nebenbei die Entwürfe für die neue Krangener Kirche - im von Schinkel geprägten Rundbogenstil und auch in Anlehnung an dessen Vorschläge für dörfliche "Normalkirchen".

Nach einigem Hin und Her - letztlich wurde unter anderem der von Pfeffer vorgesehene Kirchturm weggelassen - begannen 1836 die Bauarbeiten.

Der Baurat freute sich - wie überliefert - dennoch sehr, dass die Kirche für "Crangen großartig projectirt" sei und "nach ihrer Vollendung als ein sich vortheilhaft auszeichnendes Gebäude dastehen" werde. Manchmal sind die Probleme von damals denen von heute durchaus ähnlich: Der Kirchturm wurde allein wegen Geldmangels nicht gebaut. Statt den von Pfeffer veranschlagten 7960 Talern kostete der Bau dann auch lediglich 5745 Taler.

Landrat von Ziethen war hellauf begeistert

Am Heiligen Abend 1837 wurde die neue Krangener Kirche schließlich mit dem Auftritt eines 24-köpfigen Chores eingeweiht. "Viel ansprechender und anmuthiger" als die Einweihung der Wuthenower Kirche wenige Tage zuvor sei die Zeremonie gewesen, berichtete Landrat von Ziethen sichtlich beeindruckt.

Die Messlatte für die heutigen Krangener liegt also recht hoch. Wenn sie genug Geld sammeln und die Sanierung der Kirche irgendwann beendet ist, dann müssen sie sich auch bemühen, eine mindestens ebenso "ansprechende und anmutige" Wiedereinweihung zu zelebrieren.

Spenden für die Verputzung der Krangener Kirche können auf folgendes Konto eingezahlt werden: Kirchenkreis Neuruppin, Kontonummer 173 000 6368 bei der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin (Bankleitzahl 160 502 02).

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