ALLES HÖRT AUF IHRE PFEIFEN

Katholische Kirche in Brieselang hat jetzt eine Orgel eine echte Bayerin

ANKE FIEBRANZ

BRIESELANG Zu übersehen ist sie wirklich nicht, die Orgel in der Sankt-Marien-Kirche zu Brieselang. Die Frontseite des Instruments strahlt in verschiedenen Rottönen und verläuft in Bögen. Dahinter blinken die Pfeifen. "Man denkt immer, eine Orgel muss symmetrisch sein", geht der Organist Manuel Ahrens auf die ungewöhnliche Form ein. Er und andere Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde haben dieses Denkmuster aufgebrochen.

Aber nicht nur die Gestaltung, die überaus gut mit den farbigen Bögen der Kirchenfenster harmoniert, ist besonders. Erzählenswert ist auch, wie die Orgel nach Brieselang kam. "Eigentlich geht alles auf die Kontakte unseres alten Pfarrers Stephan Müller zum Kloster Weltenburg zurück. Dort sind wir regelmäßig hingefahren", so Manuel Ahrens. In der mächtigen barocken Klosterkirche gab es hinter dem Hochaltar eine Chororgel. "Sie war gar nicht zu sehen." Als das Weltenburger Gotteshaus restauriert wurde, stand die Frage, was mit dem Instrument wird. "Wenn es im Wege ist, gebt es uns", meldeten sich die Brieselanger.

Vor zwei Jahren, kurz vor Heiligabend kam ein Anruf. "Ihr müsst mal schnell kommen und die Orgel holen", habe es damals geheißen. An drei Wochenenden sind Brieselanger Kirchenmitglieder mit einem großen Lkw unterwegs gewesen. Mehr als tausend Orgelpfeifen wurden in Bayern abgebaut und im Osthavelland eingelagert.

Und dann begannen sie erst, die Mühen des Wiederaufbaus. Aus Kostengründen konnten die Brieselanger keinen Orgelbauer für die reparaturbedürftige Schöne engagieren. Manuel Ahrens ließ sich lediglich von einem Spezialisten beraten. Stück für Stück setzten der 30-jährige Lehramtsstudent für Musik und seine Mitstreiter in ihrer Freizeit das Instrument zusammen. Von Ahrens' Cousin Matthias etwa stammt der Entwurf, den ein Tischler aus Perwenitz dann umsetzte. Spender aus der Kirchengemeinde sorgten dafür, dass die Materialkosten gedeckt werden konnten. Sogar räumlich musste einiges verändert werden, bis alles passte. "Eigentlich ist die Orgel zu groß für unsere Kirche", sagt Ahrens. Beim Spielen müsse man "sparsam" sein, sich zurücknehmen.

Zwar funktionieren immer noch nicht alle Pfeifen, aber jetzt klingt die "alte Dame", die 1908 in Regensburg gebaut wurde, wieder. "Eine echte Bayerin, wenn auch keine Konzertorgel" befindet der humorvolle Brieselanger. Die Klänge kommen in der Gemeinde gut an. Am Sonntag um 10 Uhr wird in Sankt Marien Orgelweihe gefeiert. "Ein schöner Abschluss nach all der Arbeit", findet Manuel Ahrens. Auch wenn die Mönche aus dem Kloster Weltenburg leider nicht dabei sein können.

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