Nägel mit Köpfen in Goldbronze am Bande

Von Oliver Schwers

Berkholz-Meyenburg
Berkholz-Meyenburg
Berkholz-Meyenburg

Berkholz-Meyenburg. Mit einem großen Festakt ging eine elfjährige Bauzeit zu Ende. Am Sonntag wurde die vollständig restaurierte Kirche von Berkholz wiedereingeweiht. "Auferstanden aus Ruinen", kommentierte Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz das Ereignis in seiner Festpredigt.

Der Superintendent wusste, wovon er sprach. Denn die Kirche von Berkholz war schon dem Verfall preisgegeben. Jahrzehnte der Vernachlässigung bedrohten das Gebäude, das erst 1887 errichtet wurde. Zerstörte Fenster, ein desolates Dach, ungehinderter Holzwurmfraß machten Gottesdienste lange Zeit unmöglich.

Die Rettung war ein Besen. Mit dem kehrte Elisabeth Bibrack in die Kirche ein und anschließend den Dreck hinaus. Gemeinsam mit Eva Schuster stand sie 1994 fassunglos inmitten wachsender Trostlosigkeit. Die beiden Einwohnerinnen starteten spontan eine Rettungsaktion und sammelten Geld bei einem Kunstmarkt. Die Welle der Begeisterung steckte an und brachte nach elf Jahren das zustande, woran überhaupt niemand mehr geglaubt hatte: Die Kirche ist schöner als je zuvor.

Mit dem erstmals und einzig und allein in Berkholz verliehenen Orden "Nägel mit Köpfen in Goldbronze am Bande" würdigte Pfarrer Gunter Ehrlich humorvoll vor der versammelten Festgemeinde die beiden Damen unter Beifallssturm. Tatsächlich hatte er einen echten schmiedeeisernen Nagel gefertigt, um so seinen persönlichen Dank zu verewigen.

"Die Kirche im Dorf ist kein kultureller Luxus, sie hat lebensnotwendige Funktion", begründete Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz den Stellenwert sakraler Bauwerke in heutiger Zeit. Es sei keine Nostalgie, eine Kirche wieder aufzubauen, sondern "ein Akt der Haltfindung" und "keineswegs nur eine Angelegenheit der christlich Gebundenen".

Zur feierlichen Einweihung wurde der Altar mit Kreuz und Leuchtern, mit der Heiligen Schrift sowie mit Blumen und dem Abendmahlskelch bestückt. Kanzel, Taufbecken und die entzündete Osterkerze vollendeten die symbolische Inbetriebnahme des Gotteshauses.

Schon während der Bauzeit wurde das Kirchenschiff zum Bindeglied zwischen dem eigens gegründeten Dorfgemeinschaftsverein, der Kirchgemeinde und vielen Helfern, denen die Rettung am Herzen lag. Mit Märkten, Veranstaltungen, Kuchenbasaren und Sammelaktionen trug man Euro für Euro zusammen. 19 verschiedene Förderanträge stellte die Angermünder Architektin Bettina Krassuski. Eine lange Liste von Sponsoren ist heute im Eingang des Turms verewigt.

Petra Birthler, eine der engagiertesten Frauen des Dorfgemeinschaftsvereins, sah den Tag der Fertigstellung manchmal in unerreichbarer Ferne. "Das Gutachten war auf den ersten Blick niederschmetternd", erzählte sie vor rund 120 Gästen während des Festgottesdienstes. "Gemeinsam hatten wir einen langen Atem, der uns schließlich zum Ziel führte." Darüber informiert eine kleine Ausstellung in der ebenfalls restaurierten Winterkirche. Die Fotos zeigen den Zustand des Gebäudes vor, während und nach der Sanierung.

Schon im Jahre 2000 konnte der erste Bauabschnitt starten, wurden Dach, Mauern, und Decken rekonstruiert, der Holzwurm bekämpft. Drei Jahre später folgten Türen, Gestühl, die aufwändige Renovierung, Fassade und Turm. Das Geld kam vom Landkreis Uckermark, von der Kirche, dem Amt für Flurneuordnung, von Denkmalschützern, Sponsoren und aus Eigenmitteln des Dorfgemeinschaftsvereins und aus der Gemeindekasse. Für 70 Menschen brachte die Rettungsaktion Arbeit, darunter auch 21 ABM-Kräfte. Bürgermeister Gerd Regler verbeugte sich "persönlich und im Namen der Gemeinde" für diese Leistung.

"Und ehrlich gesagt, will ich mit dem hier nichts mehr zu tun haben", rief Pfarrer Gunter Ehrlich zum Schluss des Festaktes, holte unter dem Gelächter aller Gäste Aktenordner auf Aktenordner aus einer Reisetasche und stapelte sie vor sich auf das Rednerpult. Der Papierberg enthielt Förderanträge, Pläne, Schriftverkehr und Abrechnungen aller Art. "Jetzt habe ich wieder Zeit für die Menschen." .

   Zur Artikelübersicht