Aus Scherben entsteht Jungfrau Maria

Gemeinsames Projekt von Künstler Werner Kothe und Schülern aus Lychen: Sie gestalten Kirchenfenster.

Von Juliane Sommer, DDP

Annenwalde. Mit langsamen, sorgfältigen Bewegungen legen Jenny Spodig, Jenny Hingst und Juliane Ortwig Glasscheiben und farbige Folie auf das Fusingglas. Sie tragen behutsam die Farbe auf und lassen so ein Bild von der Jungfrau Maria auf dem Wege zu Elisabeth entstehen. Die Schülerinnen der Lychener Gesamtschule erledigen in der Annenwalder Glashütte gemeinsam mit dem Glaskünstler Werner Kothe die letzten Handgriffe, ehe das künftige Kunstwerk gebrannt wird und die Farben und Partikel sich zu einem Fenster zusammenfügen. Dieses wird am 11. September in den Südflügel der Boitzenburger Kirche eingesetzt. Ein fächerübergreifendes Schülerprojekt, in dessen Rahmen ein Musikstück, Videos, textliche Auseinandersetzungen entstanden sowie Diskussionen über die biblische Geschichte und ihre heutigen Wirkungen entbrannten, neigt sich dem Ende entgegen.

Es war Kothe, der vor einem Jahr Schülerarbeiten in einer Ausstellung in Boitzenburg gesehen hatte. "Ich war begeistert über die Kreativität, die mir dort begegnete, und ich dachte, wir könnten etwas gemeinsam machen", berichtet der Gründer der Annenwalder Glashütte, die ihm als Werkstatt für seine künstlerische Arbeit dient. "Warum nicht Kirchenfenster", setzt er hinzu. Die geeignete Kirche war schnell gefunden und damit auch das Motiv für die Glaskunst: Die Boitzenburger Kirche trägt den Namen "St. Marien auf dem Berge" "und genau um dieses Motiv geht es in dem Kunstwerk: Maria, durch den heiligen Geist geschwängert, geht auf den Berg zu Elisabeth, der künftigen Mutter von Johannes dem Täufer, um sich Rat und Trost zu holen", berichtet Kothe. Für viele der Schüler ist dies die erste künstlerische Auseinandersetzung mit der biblischen Geschichte. Für Kothe nicht.

Vor zwei Jahren erlangte er mit einer Ausstellung von künstlerisch gestalteten Glasplatten zu den zehn Geboten deutschlandweite Aufmerksamkeit. Für die Lychener Kunsterzieherin Kristina Heimann ist diese Zusammenarbeit ein Glücksfall. "Wann kommt man denn schon dazu, sich so intensiv, so kreativ und dann auch noch mit einem solch bleibenden Ergebnis mit diesem Thema auseinander zu setzen", sagt sie. Die Schüler hätten sich begeistert in die Arbeit gestürzt.

Dass aus der Idee Kirchenfenster wurden, hat das Projektteam um Werner Kothe nicht zuletzt dem Boitzenburger Förderverein zu verdanken, der Sponsorengelder sammelte, um die Kirchenfenster bezahlen zu können. Ein Okay für das Projekt kam von der St. Matthäus-Stiftung in Berlin, in der Kothe ein Modell der neuen Boitzenburger Glasfenster erst vor wenigen Tagen vorstellte.

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