Seit Sonntag hat das 150 Jahre alte Instrument seine ganze Klangfülle zurück

Festkonzert mit Organist

Gerswalde (sk). Ihre neue, an das Konzept der Erbauer angelehnte Klangfülle konnte die bedeutende Gerswalder Ernst-und-Wilhelm-Sauer-Orgel nach über fünf Jahrzehnten am Sonntag endlich wieder unter Beweis stellen.

Der junge Organist Hannes Ludwig hatte das Programm für das 150-jährige Schmuckstück mit Bedacht zusammengestellt: mal getragen kirchlich bei Choralvorspielen aus der Feder uckermärkischer Kleinmeister des 19. Jahrhunderts, mal aufgewühlt und bedeutungsschwer in Moll-Tönen von thüringischen Meistern bis hin zu Bach-Klängen und nicht zuletzt auch leicht beschwingt und rhythmisch fröhlich, wie es französische Orgelliteratur für das Festkonzert des jungen Organisten Hannes Ludwig hergab.

Alle drei Landstriche waren zudem Wirkungsfelder für den Orgelerbauer Ernst Sauer, der sein Handwerk als Schmied und Autodidakt begonnen und es an seinen Sohn Wilhelm weitergegeben hatte.

Dieser wurde schließlich zu einem der gefragtesten Ogelbauer am Ende des 19. Jahrhunderts. Er schuf auch die Orgel des Berliner Doms mit ihren über 100 Registern. Nachdem das letzte Stück verklungen war, ein Präludium von Hugo Schwantzer zur Einweihung der Orgel der Neuen Synagoge zu Berlin aus dem Jahr 1866, das wie ein Ausrufungszeichen die dicht besetzten Kirchenbänke erdröhnen ließ, war aus vielen Mündern ein "Schön!" zu vernehmen.

"Jetzt muss er jeden Sonntag spielen", fand die begeisterte Mascha Join-Lambert von Haus Neudorf aus Friedenfelde. Aber Hannes Ludwig, maßgeblicher Mitstreiter beim Zusammentragen der Gelder für die gelungene Orgel-Sanierung, wohnt jetzt in Gützkow bei Greifswald.

Erinnerungen werden wach

Noch gut erinnert sich der junge Kirchenmusiker an die Zeit vor zwei Jahren, als er - noch als Gerswalder - bei der Bevölkerung um Spenden bat: "Ich hätte damals nicht gedacht, dass dieses Projekt noch zu meinen Lebzeiten abgeschlossen wird", sagt er heute. Mit - damals noch - 200 000 Mark war die Orgelreparatur angesetzt. Land, Kreis, Sparkasse und viele private Sponsoren halfen.

Intonateur Tino Herrig von der Orgelwerkstatt Scheffler aus Sieversdorf, der in der vergangenen Woche die letzten Handgriffe erledigte, erinnert sich an den erbärmlichen Zustand aufgrund von Kriegsschäden an dem Instrument: "Pfeifen lagen einfach so herum, waren teilweise gestohlen, Wasserschäden gab es auch."

Als Christian Scheffler, der Chef der Orgelwerkstatt, das Gerswalder Instrument zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hatte, war sein erster Gedanke: "Dieses edle Instrument muss einfach wieder gespielt werden." Rund acht Jahre dauerte die Instandsetzung der Orgel mit 13 Registern und knapp 600 Pfeifen schließlich insgesamt. Auch als zunächst nur ein Teil der Register spielbar war, spielte sie Hannes Ludwig, wie er sagt, auf "nur einem viertel Bein", für Benefizkonzerte. Mehrere Pfarrer sah die Gerswalder Kirchgemeinde derweil kommen und gehen.

Der neue, Michael Uecker, hatte gleichsam mit der Orgeleinweihung seinen offiziellen Arbeitsbeginn in Gerswalde und somit einen furiosen Einstand: "Es ist ein Segen, so ein schönes Instrument hier zu haben", findet Pfarrer Uecker.

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